Das ehemalige Kloster, in das der emeritierte Papst Benedikt XVI. einzieht

Benedikt XVI. bezieht Altersruhesitz Ex-Papst in den Vatikan zurückgekehrt

Stand: 02.05.2013 02:43 Uhr

Neun Wochen nach seinem Rücktritt ist der emeritierte Papst in den Vatikan zurückgekehrt. Dort wurde er von Papst Franzikus empfangen. Benedikt bezieht seinen Altersruhesitz in einem Kloster innerhalb der Mauern des Vatikan.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Es war zwar nicht der ganz große Bahnhof für Benedikt XVI. Aber: Der Papst im Ruhestand wurde heute Nachmittag nach seiner Rückkehr aus Castel Gandolfo in den Vatikan per Hubschrauber noch am Landeplatz von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone begrüßt. Papst Franziskus erwartete Benedikt am Eingang des umgebauten Klosters "Mater Ecclesiae" am Vatikanhügel.

Und sein Nachfolger Franziskus wartete bereits im neuen Altersruhesitz auf ihn, der bis vor kurzem renoviert wurde. "Das ist ein kleines Haus, das ein Kloster war", sagt Vatikansprecher Federico Lombardi und ergänzt: "Dort werden normalerweise sechs Menschen wohnen. Neben dem Papst emeritus auch Erzbischof Georg Gänswein und die vier Memores (Laienschwestern), die schon lange Zeit beim Papst waren. Es gibt auch eine kleine Bibliothek. Und wenn sein Bruder, Prälat Georg Ratzinger, zu Besuch kommen will, gibt es auch Platz für ihn."

Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI. in Castelgandolfo am 23.3.2013
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Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI. beim gemeinsamen Gebet in Castel Gandolfo am 23. März.

Ein Gebetskloster als neues Zuhause

"Mater Ecclesiae" - Mutter der Kirche - heißt das idyllisch am Vatikanhügel gelegene ehemalige Kloster, das bis Anfang der 1990er-Jahre als vatikanisches Gärtnerhaus diente. Monsignore Thomas Frauenlob, der bei der Kurie in der Bildungskongregation arbeitet, erklärt, dass das Kloster in der Zeit von Johannes Paul II. als Gebetskloster gegründet wurde: "Es sollte also der Petrusdienst des Nachfolgers des Heiligen Petrus durchs Gebet begleitet werden."

Und zwar wechselweise durch verschiedene Ordensgemeinschaften, die so auch ihre Nähe zu Papst und Vatikan ausdrücken konnten. Schwester Maria Francesca, Mitglied im Orden von der Heimsuchung Mariens, wohnte bis vergangenen Oktober dort. Radio Vatikan erzählte sie von ihrem Leben dort: "Das Kloster liegt ja in den vatikanischen Gärten. Jeden Morgen, wenn wir die Fenster aufgemacht haben, haben wir den Apostolischen Palast gesehen. Das war für uns eine Möglichkeit, dem Papst unsere Gebete auf fast physische Weise zu senden."

Und das ist es auch, was Benedikt XVI. angekündigt hatte: den Weg der Kirche und seines Nachfolgers im stillen Gebet zu begleiten. Es gibt eine kleine Kapelle, einen Rosengarten, Orangenbäume und mehrere Gemeinschaftsräume.

Sicherheitsprobleme gibt es eigentlich nicht, da die Anlage durch hohe Hecken und ein Metalltor geschützt ist und zudem innerhalb der vatikanischen Mauern liegt.

Zurückgezogen, aber nicht gefangen

Auch wenn man von Benedikt künftig nicht mehr viel mitbekommen dürfte: Dass der emeritierte Papst ein komplett abgeschottetes Leben führen wird, kann sich Thomas Frauenlob nicht vorstellen: "Er wird zurückgezogen leben, ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass er irgendwann aus den vier Wänden raus muss oder Besuche macht. Dass er nicht als Gefangener in diesem Kloster leben kann, das ist klar." Josef Ratzinger habe ein feines Gespür dafür, was er dem üblichen Betrieb und auch seinem Nachfolger zumuten könne, fügt er hinzu.

Das ehemalige Kloster, in das der emeritierte Papst Benedikt XVI. einzieht
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Das ehemalige Kloster wird das neue Zuhause des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI.

Vatikansprecher Lombardi sieht das übrigens ähnlich. Er geht davon aus, dass Ratzinger durchaus Besuche empfangen und vielleicht auch spazieren gehen wird, auch wenn das die vatikanische Logistik nicht gerade vereinfacht. Denn im Prinzip gibt es zurzeit ja zwei Päpste - einen im Amt und einen im Ruhestand, nur residiert keiner von ihnen da, wo Päpste bisher normalerweise wohnten, im Apostolischen Palast. Auch Franziskus will vorerst weiter im vatikanischen Gästehaus wohnen bleiben, weshalb der Vatikan und seine Gärten erstmal für Besucher gesperrt bleiben.

Keine Einmischung in Franziskus' Amtsgeschäfte

Dass Benedikt XVI. sich über die Doppelfunktion seines Sekretärs Gänswein, der auch unter Franziskus Präfekt des Päpstlichen Hauses bleibt, in die Amtsgeschäfte seines Nachfolgers einmischt oder Einfluss zu nehmen versucht, ist wohl eher nicht zu erwarten - auch wenn klar ist, dass Benedikt sich auf diese Weise über die aktuelle Lage gut informieren kann. Ob sich Vorgänger und Nachfolger künftig regelmäßig treffen, weiß man nicht.

Vatikansprecher Lombardi dementierte noch einmal, dass Benedikt eine schwere Krankheit habe. Dem zurückgetretenen Papst gehe es gut, sagte er: "Es verläuft alles sehr normal. Er ist ein Mann, der natürlich nicht mehr jung ist, er ist alt und seine Stärken gehen langsam zurück. Aber es gibt keine besondere Krankheit."

Ausgelöst worden waren diese Spekulationen durch Bilder des vatikanischen Fernsehens beim Treffen mit Franziskus vor fünf Wochen. Damals machte Benedikt einen extrem geschwächten Eindruck. Inzwischen soll sich der emeritierte Papst jedoch wieder erholt haben.

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Dieser Beitrag lief am 02. Mai 2013 um 08:25 Uhr im Deutschlandfunk.

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