Papst Benedikt XVI. nach seiner Wahl im Jahr 2005

Vor zehn Jahren wurde Benedikt XVI. gewählt Es war einmal: "Wir sind Papst"

Stand: 19.04.2015 05:15 Uhr

"Wir sind Papst" hieß es vor zehn Jahren, als mit Joseph Ratzinger nach Jahrhunderten wieder ein Deutscher zum Papst gewählt wurde. Benedikt XVI. haderte jedoch mit seinem Amt, sorgte am Ende mit seinem Rücktritt für eine Sensation.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Am Nachmittag des 19. April 2005 trat Kardinalprotodiakon Medina Estévez auf die Loggia des Petersdoms. Weißer Rauch aus dem Schornstein über der Sixtinischen Kapelle, Glockenläuten - und dann der mit Spannung erwartete Name des neuen Papstes. "Habemus Papam: Joseph Kardinal Ratzinger".

Wer als Papst ins Konklave zieht, heißt es, kommt als Kardinal wieder heraus. Die Wahl von Joseph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI. hat diese Binsenweisheit widerlegt. Der engste Mitarbeiter des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., der Präfekt der Glaubenskongregation galt bei den Buchmachern als Favorit auf den Papstthron. Sein erster Auftritt war eine Verneigung vor dem Vorgänger: "Nach dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Herren Kardinäle mich gewählt, einen einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn."

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Das Pontifikat von Papst Benedikt XVI.

Fast acht Jahre war Benedikt XVI. Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

Papstwahl am 19.4.2005

19. April 2005: Die 115 Kardinäle im Konklave haben Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt. Er gibt sich den Namen Benedikt XVI. Vom Balkon des Petersdoms begrüßt er die Menschen auf dem Petersplatz.

Zum ersten Mal nach gut 500 Jahren gab es wieder einen deutschen Papst. Und die Deutschen, die mit dem Kardinal Joseph Ratzinger, dem strengen Glaubenswächter, so ihre Probleme hatten,  ließen sich anstecken von der Begeisterung, die diese Tage in Rom im April 2005 weltweit ausgelöst hatten. "Wir sind Papst", titelte die Bildzeitung und beim Weltjugendtag in Köln, der ersten großen Reise des neuen Papstes, wurde Benedikt XVI. mit einer Wärme empfangen, die den Deutschen kaum jemand zugetraut hatte.

Eine ereignisreiche Amtszeit...

Das Pontifikat von Benedikt XVI. hatte Höhen und Tiefen. Benedikt erlebte die schwerste Krise seiner Amtszeit, als bekannt wurde, wie Geistliche über Jahrzehnte Kinder missbraucht hatten und von ihrer Kirche geschützt worden waren. Dass Joseph Ratzinger das frühzeitig erkannt und bekämpft hat, ging im Sturm der allgemeinen Entrüstung unter. Die Kirche muss die Kinder schützen und nicht pädophile Priester, das war seine Maxime als Kurienkardinal und als Papst: "Auch die Kirche muss den Stock des Hirten gebrauchen. Heute sehen wir es, dass es keine Liebe ist, wenn ein für das priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet wird."

... mit überraschendem Ende

Acht Jahre nach seiner Wahl schreibt Joseph Ratzinger noch einmal Kirchengeschichte. Am 11. Februar 2013 sagt Benedikt zu den in Rom versammelten Kardinälen: "Mir fehlen die Kräfte, um den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen". Das gab es noch nie in der jüngeren Geschichte der Kirche. Seit seinem Rücktritt meidet Benedikt die große Öffentlichkeit. Nur selten bekommt man ihn zu sehen geschweige denn zu hören, wie hier in einer Messe, die er mit seiner ehemaligen Studenten gefeiert hat: "Alle suchen nach dem guten Platz in der Geschichte. Jeder will am Platz des Lebens seinen guten Platz gefunden haben. Die Frage ist nur: Welcher Platz ist gut, welcher ist richtig."

Rückzug ins Kloster

Das ehemalige Kloster, in das der emeritierte Papst Benedikt XVI. einzieht
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Das ehemalige Kloster ist das neue Zuhause des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI.

Joseph Ratzinger hat seinen Platz in dem kleinen Kloster Mater Dei, das in den Vatikanischen Gärten liegt. Er betet, meditiert, empfängt ab und zu Gäste. Macht zweimal am Tag kurze Spaziergänge. Das Gehen bereitet ihm mittlerweile Schwierigkeiten, erzählt sein Sekretär Georg Gänswein. Geistig sei er noch hellwach.

Im Gespräch mit einem italienischen Fernsehsender sagt Gänswein aber auch: "Es ist klar, dass ein Mann, der 88 Jahre alt ist, an den Tod denkt und sich darauf vorbereitet. Das ist ja auch eine christliche Kunst. Sich auf den Tod vorbereiten, heißt, sich auf die Begegnung mit dem Herrn vorbereiten. Das ist eine entscheidende Begegnung."

Zum 10. Jahrestag  der Wahl von Benedikt XVI. ist kein Fest geplant, obwohl der Tag der Papstwahl im Vatikan traditionell Feiertag ist. Aber der wird ausschließlich am 13. März begangen, der Tag an dem der Argentinier Jorge Mario Bergoglio zum Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt wurde.

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