Ein Polizist am Tatort in Lüttich | Bildquelle: REUTERS

Attentat von Lüttich "Das Ziel war die Polizei"

Stand: 30.05.2018 10:00 Uhr

Drei Menschen hat der Attentäter von Lüttich erschossen, bevor er selbst getötet wurde. Die Ermittler gehen davon aus, dass er gezielt Polizisten ins Visier nahm. Zudem soll er Kontakt zu Islamisten gehabt haben.

Zwei tote Polizistinnen, ein toter Passant - das ist die traurige Bilanz des Attentates von Lüttich. Auch der Täter wurde erschossen, nachdem er in einer Schule eine Geisel genommen und das Feuer auf die Polizei eröffnet hatte.

Die Ermittler vermuten einen terroristischen Hintergrund, wie die zuständige Staatsanwaltschaft mitteilte. Der Attentäter habe dem belgischen Staat schaden wollen. Der Polizeichef von Lüttich, Christian Beaupère, sagte, der Mann habe keinen Amoklauf begehen, sondern gezielt Polizisten treffen wollen - "also die Institution, den belgischen Staat. (...) Das Ziel des Angreifers war, die Polizei zu treffen."

Am Vorabend des Attentats tötete der mutmaßliche Täter eine vierte Person. Das teilte der belgische Innenminister Jan Jambon mit. Das Opfer sei ein früherer Häftling, der gemeinsam mit dem mutmaßlichen Täter im Gefängnis gewesen sei.

Kontakte zu Islamisten

Weitere Angaben zu dem Mann machten die Behörden bislang nicht. Noch nicht klar ist, ob der Täter den Behörden als radikalisiert bekannt war. Nach Informationen des Fernsehsenders RTBF handelte es sich um einen Mann aus dem Süden des Landes, der wegen kleinerer Vergehen wie Diebstahl und Drogenhandel im Gefängnis saß. Am Montag habe er Freigang bekommen und hätte nach einigen Stunden wieder zurückkehren müssen. Dies sei jedoch nicht geschehen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen des "Verdachts auf eine terroristische Straftat". Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Name des Täters habe wegen seiner Kontakte zu Islamisten auf einer Überwachungsliste der Polizei gestanden. Einige Medien hatten außerdem berichtet, der Angreifer habe "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen. Dies bestätigten die Behörden aber nicht.

Belgiens Ministerpräsident Charles Michel sagte, der Mann sei anscheinend indirekt in Berichten über radikalisierte Personen erwähnt worden. Er sei aber nicht direkt ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten. Verschiedene Behörden seien zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Grund gebe, ihn als radikalisiert einzustufen.

Vier Tote nach Schüssen in Lüttich
tagesschau 20:00 Uhr, 29.05.2018, Markus Preiß, ARD Brüssel

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Vier weitere Polizisten verletzt

Am Vormittag gegen 10:30 Uhr hatte der mit einem Messer bewaffnete Mann der Staatsanwaltschaft zufolge die beiden Polizistinnen in der Lütticher Innenstadt von hinten angegriffen und auf sie eingestochen. Schließlich habe er den 45 und 53 Jahre alten Frauen ihre Dienstwaffen entwunden und sie erschossen. Anschließend soll er einen 22-jährigen Mann in einem Auto getötet haben, bevor er in eine nahe gelegene Schule rannte und eine Mitarbeiterin als Geiseln nahm.

Nachdem er das Feuer eröffnet hatte, erschoss eine Spezialeinheit den Verdächtigen. Vier weitere Polizisten wurden verletzt. Drei von ihnen waren der Polizei zufolge am Abend noch im Krankenhaus.

"Feige und blinde Gewalt"

Der belgische König Philippe, Ministerpräsident Michel und Innenminister Jan Jambon machten sich unmittelbar nach der Tat auf den Weg nach Lüttich. Sie besuchten unter anderem die verletzten Beamten im Krankenhaus. Die königliche Familie drückte den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser schrecklichen Tat", schrieb sie auf Twitter. Premierminister Michel sprach von "feiger und blinder Gewalt": "All unsere Unterstützung für die Opfer und ihre Angehörigen."

Belgien war in der Vergangenheit das Ziel mehrerer terroristischer Attacken. Bei der schwersten davon töteten islamistische Extremisten in Brüssel am 22. März 2016 in der Metro sowie am Flughafen 32 Menschen. Die Terrorwarnstufe wurde erst vor einiger Zeit auf die zweitniedrigste von vier Stufen herabgesetzt. Daran soll sich vorerst nichts ändern, wie das zuständige Krisenzentrum mitteilte. Für Mittwoch ist eine Schweigeminute geplant.

Angriff Lüttich - Verdächtiger hatte Islamisten-Kontakte
Kai Küstner, NDR Brüssel
30.05.2018 08:37 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Mai 2018 um 20:00 Uhr.

Darstellung: