Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz verlässt einen Supermarkt | dpa

Strenge Corona-Maßnahmen Geschäfte in Belgien müssen schließen

Stand: 30.10.2020 22:23 Uhr

Die Corona-Krise in Belgien hat sich derart zugespitzt, dass die Regierung die Reißleine zieht: Ab Montag müssen die meisten Geschäfte schließen - Ausnahmen gelten für Supermärkte. Kontaktbeschränkungen werden weiter verschärft.

Im schwer vom Coronavirus getroffenen Belgien müssen die meisten Geschäfte ab Montag wieder schließen. Ausnahmen gebe es etwa für Supermärkte, sagte Regierungschef Alexander De Croo nach einer Krisensitzung in Brüssel. "Das sind die Maßnahmen der letzten Chance."

Gemessen an der Einwohnerzahl zählt Belgien nach Angaben der EU-Gesundheitsagentur derzeit die meisten Corona-Infektionen in der Europäischen Union.

Zwischenbilanz im Dezember

Dabei hatte Belgien zuletzt schon einiges versucht, um die Pandemie einzudämmen. Cafes, Restaurants und Bars, aber auch Museen, Theater, Kinos oder Schwimmbäder sind geschlossen. Es gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Doch die Corona-Lage hat sich weiter verschlimmert. Belgien habe einen Gesundheitsnotstand, erklärte Regierungschef Alexander de Croo.

Auch in den eigenen vier Wänden werden die Regeln strenger: Die Belgier dürfen nicht mehr vier, sondern nur noch einen Besucher pro Woche nach Hause einladen, wer alleine wohnt, zwei. Draußen, an der frischen Luft können sich maximal vier Personen treffen - mit Abstand und Maske. Ein Spaziergang oder Sport im Freien ist aber weiter möglich, so de Croo.

Die neuen Regeln sollen zunächst für eineinhalb Monate gelten. Für die geschlossenen Geschäfte soll am 1. Dezember eine Zwischenbilanz gezogen werden. Kunden können aber weiter Waren aus den geschlossenen Geschäften abholen oder sich liefern lassen.

Lage verschärfte sich dramatisch

In Belgien steigen die Infektionszahlen seit Wochen rasant. Die Behörden des Elf-Millionen-Einwohner-Landes zählten innerhalb einer Woche zuletzt im Schnitt 15.316 Infektionen am Tag. EU-weit registrierte das Nachbarland innerhalb von zwei Wochen die meisten Infektionen pro 100.000 Einwohner: 1600.

Das sind neun Mal so viele wie in Deutschland. Jeder vierte Corona-Test fiel in Belgien zuletzt positiv aus. Die bisherigen Maßnahmen haben nicht zu einer Entlastung geführt. Vielmehr verschärfte sich in den vergangenen Wochen die Lage in den Krankenhäusern dramatisch. Die Grenzen der Kapazität wurden mitunter schon erreicht.

"Schmerzgrenze überschritten"

Dutzende Patienten mussten in andere Krankenhäuser transferiert werden. Zuletzt lagen 6187 Patienten mit Covid-19 im Krankenhaus, 1057 von ihnen auf der Intensivstation. "In sehr vielen unserer Krankenhäuser ist eine ganze Zeit schon die Schmerzgrenze überschritten", sagte De Croo.

Der Verband der belgischen Krankenhäuser hatte jüngst Alarm geschlagen und einen Lockdown gefordert. Dies sei die einzige Möglichkeit, einen kompletten Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern. Ähnlich äußerten sich führende Virologen.

Mit Informationen von Astrid Corall, ARD Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2020 um 02:50 Uhr.