Unterstützer der Opposition demonstrieren in Minsk gegen Staatschef Lukaschenko. | Bildquelle: AP

Trotz Demonstrationsverbots Zehntausende gegen Lukaschenko

Stand: 30.08.2020 18:25 Uhr

Mit einem Großaufgebot haben Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Minsk versucht, eine Massendemonstration zu unterbinden. Bereits am Nachmittag gab es mehr als 120 Festnahmen. Vor dem Präsidentenpalast fuhren Schützenpanzer auf.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

"Lukaschenko - Du bist gefeuert!", rufen die Demonstranten in Minsk. Auch am dritten Wochenende in Folge sind in der belarusssischen Hauptstadt Zehntausende auf den Straßen unterwegs. Lautstark fordern sie den Rücktritt von Präsident Alexander Lukaschenko, der heute seinen 66. Geburtstag feiert. 

Die Geburtstagsständchen fallen anders aus als in den Staatsmedien, wo ihm mit viel Pathos ein langes Leben und viel Tatkraft gewünscht wird. Die jungen Frauen, die vor dem abgeriegelten Unabhängigkeitsplatz stehen, singen von einem alten Mann, den sie nun bekommen hätten, ohne ihn zu wollen. Sie legen Kürbisse nieder – ein traditionelles Zeichen dafür, dass sie ihn verschmähen. Andere Aktivisten tragen in einem Sarg die letzte Diktatur zu Grabe. In einem Gefangenentransporter aus Pappe sitzt Lukaschenkos Herausforderin Svetlana Tichanowskaja am Steuer.

Trotz massiver Einschüchterung demonstrieren Zehntausende gegen Staatschef Lukaschenko
tagesthemen 23:15 Uhr, 30.08.2020, Ina Ruck, ARD Moskau

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Kreativer Protest

Es sei ein kreativer und friedlicher Massenprotest, der den Machtapparat sehr irritiere, erklärt der Gründer der Menschenrechtsorganisation Vjasna, Ales Bjaljatski, im Interview mit dem Nachrichten-Portal "Nastojaschije Vremja". Auch, weil es so etwas noch nie gegeben habe. "Die Taktik der Einschüchterung, auf die man sonst immer gesetzt hat, funktioniert nicht mehr. Die Leute lassen sich nicht mehr stoppen", sagt Bjaljatski. Der Machtapparat habe es jetzt nicht nur mit Menschenrechtlern und Oppositionellen zu tun, die man früher sehr einfach neutralisieren konnte, sondern mit Millionen von Belarussen. "Es könnte sein, dass Lukaschenko nicht genug Ressourcen haben wird."

Großaufgebot gegen Demonstranten

Was die Staatsführung an sicherheitstechnischen Ressourcen hat, das zeigte sie heute. Große Plätze wurden mit Stacheldraht und bewaffneten Soldaten gesichert. Wasserwerfer und Spezialfahrzeuge waren im Einsatz. Am späten Nachmittag fuhren dann noch Schützenpanzer vor dem Präsidentenpalast auf. Martialische Bilder, die die Demonstranten mit dem Ruf: "Tribunal" quittieren.

Mehrere Demonstranten in Minsk werden von Spezialkräften der Polizei zu einem Gefangenentransporter gebracht. | Bildquelle: dpa
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Demonstanten wurden in Gefangenentransporter gezerrt, berichten Augenzeugen. Insgesamt sollen mehr als 120 Menschen festgenommen worden sein.

Niemand werde aber deshalb umkehren, sagt Alexej, der zum wiederholten Mal bei einer der Demonstrationen dabei ist: "Eine so große Menge werden sie nicht angreifen." In den vergangenen Tagen hätten sie versucht, die Leute einzeln abzufangen, erzählt er weiter, darum hielten die Leute nun als Menschenmenge zusammen. 

Eine gewaltige Masse an Menschen, für die stellvertretend einige Mitglieder des Koordinierungsrates versuchen, mit den Verantwortlichen im Präsidentenpalast ins Gespräch zu kommen. Zu ihnen gehört Maria Kolesnikowa. Sie fordert Einlass, aber die Sicherheitskräfte verlangen Abstand. Die Menge reagiert, der Dialog aber bleibt aus.

Während Zehntausende in Minsk demonstrieren, fahren Schützenpanzer am Palast auf
Christina Nagel, ARD Moskau
30.08.2020 17:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 30. August 2020 MDR Aktuell um 19:10 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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