Polizisten führe einen Demonstranten in Minsk ab. | STR/EPA-EFE/Shutterstock

Demo gegen Lukaschenko Hunderte Festnahmen in Belarus

Stand: 08.11.2020 16:45 Uhr

Seit Wochen vergeht in Belarus kein Sonntag ohne Proteste gegen Langzeitmachthaber Lukaschenko. Erneut ging die Polizei gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vor. Es gab Hunderte Festnahmen.

Uniformierte in Sturmhauben sind in Belarus in Hundertschaften gegen neue Proteste vorgegangen. Es gab Hunderte Festnahmen, wie das Menschenrechtszentrum Wesna auf seiner Internetseite mitteilte.

Am Nachmittag waren dort bereits rund 350 Namen aufgeführt. Auf Videos und Fotos war zu sehen, wie Uniformierte teils ohne Erkennungszeichen friedliche Menschen auf den Boden drückten und in Gefangenentransporter zwängten.

Straßensperrungen und Abschaltung des Internets

An mehreren Stellen der Stadt ging die Sonderpolizei OMON gegen Menschengruppen vor, die versuchten, im Stadtzentrum gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zu demonstrieren. Wie jeden Sonntag waren Tausende Menschen auf den Straßen unterwegs. Auch in anderen Städten gab es Demonstrationen.

Metrostationen in Minsk waren gesperrt, damit Demonstranten nicht ins Stadtzentrum gelangen konnten. Auch das mobile Internet war erneut weitgehend abgeschaltet - so sollten Verabredungen zu Versammlungen in der Stadt erschwert werden. Truppen sperrten mehrere Straßen.

Tichanowskaja unterstützt aus dem Exil

Trotz des Demonstrationsverbots und der Gewaltandrohung der Behörden zogen die Menschen durch die Innenstadt. Sie skandierten: "Lang lebe Belarus!"

"Die Macht gehört dem Volk", erklärte die Demokratiebewegung in Minsk. Die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja, die von der Bewegung als Siegerin der Präsidentschaftswahl vom 9. August angesehen wird, begrüßte, dass die Menschen ohne Furcht und mit Ausdauer gegen Lukaschenko um ihre Freiheit kämpften. "Schon seit 90 Tagen leisten wir Widerstand gegen Gesetzlosigkeit und Gewalt", sagte sie in ihrem Exil in der EU.

EU-Sanktionen gegen Belarus

In Belarus gibt es seit der Wahl am 9. August regelmäßig Proteste gegen Lukaschenko. Er hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen.

Die Wahl wurde von massiven Betrugsvorwürfen überschattet. Die Demonstranten fordern die Machtübergabe an Tichanowskaja. Auch die EU bezeichnete die Abstimmung als weder frei noch fair und verhängte neue Sanktionen gegen Lukaschenko sowie weitere politisch Verantwortliche in dem Land. Es wurden Konten eingefroren und Visa-Beschränkungen erlassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2020 um 16:00 Uhr.