Menschenkett in Minsk | Bildquelle: STR/EPA-EFE/Shutterstock

Krise in Belarus Proteste nach Tod von Regierungsgegner

Stand: 13.11.2020 16:40 Uhr

Die belarusische Opposition spricht von Mord, die Regierung von einem Streit zwischen Zivilisten - fest steht, dass der Oppositionelle Bondarenko tot ist. Die Demokratiebewegung reagiert mit erneuten Protesten im ganzen Land.

Nach dem Tod eines Regierungsgegners hat es in Belarus erneut Massenprotesten gekommen. Tausende gingen in der Hauptstadt Minsk und in anderen Städten auf die Straßen, nachdem der Tod des 31-jährigen Oppositionellen Roman Bondarenko bekannt wurde. Er starb im Krankenhaus und war nach Angaben von Demonstranten zuvor von Sicherheitskräften zuvor misshandelt.

Regierung weist Verantwortung von sich

Videos zeigen Bürger mit weiß-rot-weißen Fahnen und Porträtfotos von Bondarenko. Hunderte Menschen fanden sich zu einer Schweigeminute zusammen und skandierten danach: "Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht vergeben."

Laut Augenzeugen war Bondarenko verhaftet worden, nachdem er sich an einem Spielplatz ein Handgemenge mit Personen in Zivilkleidung geliefert hatte. Diese hatten dort rot-weiße Bänder entfernen lassen - ein Symbol der Oppositionsbewegung gegen Präsident Alexander Lukaschenko. Das Innenministerium wies jegliche Verantwortung für den Tod Bondarenkos zurück und nannte einen Streit zwischen Zivilisten als Ursache.

EU droht mit weiteren Sanktionen

Aufgrund der anhaltenden Polizeigewalt gegen Demonstranten hat die Europäische Union Belarus unterdessen mit weiteren Sanktionen gedroht. Dies geht aus einer Stellungnahme eines Sprechers des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell hervor. Diese ist auch eine Reaktion auf den Tod Bondarenkos.

Die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja warf dem Regime vor, den Mann ermordet zu haben. Sie hatte deshalb auch die EU aufgefordert, den Druck auf Lukaschenko mit neuen Sanktionen zu erhöhen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. November 2020 um 17:00 Uhr.

Darstellung: