Kolesnikowa bei Demo | Bildquelle: TATYANA ZENKOVICH/EPA-EFE/Shutte

Proteste in Belarus Oppositionsaktivistin verschwunden

Stand: 07.09.2020 13:33 Uhr

Die belarusische Oppositionsbewegung ist besorgt: Eine ihrer wichtigsten Aktivistinnen wird vermisst. Unbekannte sollen Kolesnikowa in einem Kleinbus verschleppt haben. Die Polizei dementiert eine Festnahme.

Von einer der wichtigsten Anführerinnen der Opposition in Belarus, Maria Kolesnikowa, fehlt jede Spur. Der Pressedienst des Koordinierungsrates der Demokratiebewegung teilte mit, ihre Kollegen hätten keinen Kontakt zu ihr. Ihr Telefon sei abgeschaltet. Außerdem seien ihr Mitarbeiter Iwan Krawzow und ihr Sprecher Anton Rodnenkow nicht mehr erreichbar.

Festnahme oder Entführung?

Das Internetportal tut.by berichtet unter Berufung auf Zeugen, Kolesnikowa sei am Morgen im Zentrum von Minsk von schwarz gekleideten Männern gepackt und in einen Kleinbus gestoßen worden. Die belarusische Polizei dementierte der russischen Nachrichtengentur Interfax zufolge, dass Kolesnikowa festgenommen wurde. Laut der Nachrichtenagentur RIA prüften die Ermittler, ob sie entführt worden sei.

Die 38-Jährige ist eine der wichtigsten Oppositionellen, die sich gegen den umstrittenen Staatschef Alexander Lukaschenko stellen. Die Aktivistin ist Mitglied des von der Opposition in Belarus gegründeten Koordinierungsrates und zählt zu den wenigen, die sich gegen den Gang ins Exil entschieden hatten und in Belarus geblieben waren.

Einige Kollegen des Gremiums waren zuvor schon festgenommen, ausgereist oder zur Ausreise gezwungen worden, unter anderem die Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowaskaja. Sie war nach der Wahl ins EU-Land Litauen geflüchtet.

Kolesnikowa hatte zuvor als Kampagnenchefin für die Kandidatur des Ex-Bankers Viktor Babaryko gearbeitet, der heute im Gefängnis sitzt. Bei der Großdemonstration am Sonntag marschierte sie in Minsk mit.

Sorge um verschwundene Oppositionspolitikerin Kolesnikowa in Belarus
tagesschau 20:00 Uhr, 07.09.2020, I. Ruck/J. Angerer ARD Moskau

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Bundesregierung fordert Freilassung von Inhaftierten

Nach Angaben des Innenministeriums wurden bei den landesweiten Protesten insgesamt 633 Menschen festgenommen. Die Führung um Lukaschenko geht massiv gegen die Demonstranten vor, die ihm Wahlbetrug vorwerfen und seinen Rücktritt fordern.

Die Bundesregierung verurteilte die Gewalt erneut scharf. Man habe "großen Respekt" für die Tausenden Belarusen und Belarusinnen, die friedlich gegen Wahlfälschung, für Demokratie und ihre Bürgerrechte demonstriert hätten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Die einzige Antwort, die Lukaschenko und seine Leute für diese Menschen derzeit zu haben scheinen, ist die nackte Gewalt." Die Bilder seien "erschreckend". "Wir fordern die sofortige Freilassung derjenigen, die vor den Wahlen, die am Wahltag und die seit den Wahlen inhaftiert wurden, nur weil sie ihre demokratischen, selbstverständlichen Bürgerrechte ausgeübt haben", sagte Seibert.

Blumen im Stacheldraht

Am Wochenende waren mehr als 100.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Aktivisten hatten zum sogenannten Marsch der Einheit aufgerufen. Während der Staatsapparat Schützenpanzer und Wasserwerfer auffahren ließ, steckten Demonstranten Blumen und Plakate in den Stacheldraht, hinter dem sich die Sicherheitskräfte verschanzt hatten. 

Mit Informationen von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Oppositionsführerin Kolesnikowa verschwunden
Christina Nagel, ARD Moskau
07.09.2020 13:29 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2020 um 20:00 Uhr und am 07. September 2020 um 12:00 Uhr.

Darstellung: