Die belarusische Oppositionelle Olga Kowalkowa bei einer Pressekonferenz in Warschau

Kowalkowa nun in Polen Weitere Oppositionelle verlässt Belarus

Stand: 06.09.2020 02:45 Uhr

Während weiter gegen Präsident Lukaschenko protestiert wird, hat eine weitere Oppositionelle Belarus verlassen. Olga Kowalkowa, die zum Tichanowskaja-Wahlkampfteam gehört, wurde offenbar dazu gedrängt, nach Polen auszureisen.

Die belarusische Oppositionspolitikerin Olga Kowalkowa ist nach Polen ausgereist. Vor Journalisten sagte sie am Samstag in Warschau, sie sei nach ihrer Festnahme in der vergangenen Woche von belarusischen Sicherheitskräften bedroht und dann zur polnischen Grenze gebracht worden.

Kowalkowa gehört zum Wahlkampfteam der nach Litauen geflohenen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja und zum von der Opposition gegründeten Koordinierungsrat, der nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl einen Machtwechsel in Belarus erreichen will. Am Dienstag vergangener Woche war Kowalkowa festgenommen worden.

Ausreise nicht freiwillig

Am Samstag gab sie in Warschau zusammen mit Michal Dworczyk, dem Kabinettschef des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, eine Pressekonferenz. Dem Internetportal tut.by zufolge berichtete Kowalkowa, sie sei von den Behörden in Belarus dazu gedrängt worden auszureisen. Sie hätten ihr zur Wahl gestellt, das Land zu verlassen oder noch lange im Gefängnis zu bleiben. "Nun bin ich in Freiheit, aber außerhalb von Belarus", sagte sie der polnischen Agentur PAP zufolge. Sie wolle nach Minsk zurückkehren.

Dworczyk sagte, Kowalkowa sei in der Nacht zum Samstag "unter dramatischen Umständen" in Warschau angekommen. Kowalkowa sagte, alles was ihr in den vergangenen Tagen und Wochen passiert sei, betrachte sie "als Folter". Ihr sei immer wieder eine "lange Haft" angedroht worden. Dworczyk betonte, dass die Regierung in Warschau allen Oppositionellen helfen werde, die in Belarus um ihre Gesundheit und ihr Leben fürchteten. Nach einem Beschluss von Regierungschef Morawiecki könnten "alle Opfer der politischen Repressionen in Belarus auf die Unterstützung und Hilfe Polens zählen".

Wieder "Marsch der Frauen" in Minsk

In der belarusischen Hauptstadt Minsk wurde auch am Samstag wieder gegen Staatschef Alexander Lukaschenko demonstriert. Tausende Frauen zogen zu Fuß durch die Stadt und schwenkten weiß-rot-weiße Fahnen, wie auf Bildern in sozialen Netzwerken zu sehen war. Berichten zufolge waren mindestens 5000 Frauen unterwegs. Viele trugen Blumen bei sich und bildeten Menschenketten. Die Polizei soll die Demonstration beobachtet haben; über Festnahmen bei dem sogenannten Marsch der Frauen der Opposition war zunächst nichts bekannt. Auch in anderen Städten der Ex-Sowjetrepublik protestierten am Samstag viele Frauen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2020 um 10:00 Uhr.

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