Studenten im Sitzstreik in Belarus | AFP

Protest gegen Präsident Lukaschenko Generalstreik in Belarus angelaufen

Stand: 26.10.2020 13:10 Uhr

Die Opposition hat die Belarusen zum Generalstreik aufgerufen. Viele scheinen mitzumachen: Beschäftigte großer Staatsbetriebe verweigern die Arbeit, Geschäfte sind geschlossen, Studierende demonstrieren.

Von Karla Engelhard, ARD-Studio Moskau, zzt. Berlin

Generalstreik in Belarus: Beim größten belarusischen Kühlschrankhersteller Atlant in Minsk marschieren die Arbeiter durch die Hallen und fordern lautstark den Rücktritt von Präsident Alexander Lukaschenko. Ein Arbeiter vom staatlichen Erdölkonzern Belarusneft verkündete mit Kollegen seine Botschaft im Netz: "Wir sind gegen die Gewalt und die Rechtslosigkeit, die derzeit im Land herrschen. Wir schließen uns dem Generalstreik an."

Karla Engelhard ARD-Studio Wien

Sie riskieren viel, denn wer in staatseigenen Betrieben in Belarus streikt, kann seinen Job verlieren. Bereits im Vorfeld haben die Betriebsleitungen ihre Angehörigen unter Druck gesetzt und mit Kündigung gedroht. Etliche Staatsbetriebe melden - wie in Sowjetzeiten: Keine besonderen Vorkommnisse, alles laufe normal.

Zum Generalstreik hat die Oppositionsbewegung unter Svetlana Tichanowskaja aufgerufen. Sie fordert den Rücktritt des Präsidenten, die Freilassung aller politischen Gefangenen und ein Ende der Gewalt.

Protestierende begeben sich in Gefahr

Auch Studentinnen und Studenten mehrerer staatlicher Universitäten des Landes gehen heute nicht zu den Vorlesungen, sondern lautstark auf die Straße. Was nicht ungefährlich ist, wie eine Studentin von der Linguistischen Universität Minsk Radio Swaboda Belrus erzählt: "Wir gingen einfach die Straße entlang. Als wir sie überqueren wollten, stellt sich uns ein Truppentransporter in den Weg. Wir fangen an zu rennen, da kommen uns noch drei solcher Fahrzeuge hinterher." Sie seien getreten worden, Leute seien zu Boden gefallen, viele weggerannt. "Ich glaube, fünf Leute sind festgenommen worden. Das ist ein Schock. Wir müssen jetzt zusammenhalten, wir müssen uns nun wieder versammeln."

"Wir schließen, bis Belarus befreit ist"

In den sozialen Netzen kursieren Videos, in denen schwarzvermummte Sicherheitskräfte junge wie ältere Menschen jagen. Beobachter gehen davon aus, dass durch die zunehmende Gewalt der Sicherheitskräfte die Proteste noch angeheizt werden könnten.

Auch viele private Unternehmen in Belarus nehmen am Generalstreik teil. Verdeckt oder offen: Geschäfte haben geschlossen - wegen Renovierung oder Familienfeiern oder mit dem Hinweis "Wir schließen, bis Belarus befreit ist". Der Ausgang des landesweiten Generalstreiks ist noch völlig offen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Oktober 2020 um 13:36 Uhr.