Menschen protestieren in Minsk. | AP

Massenproteste in Belarus Trotz Waffenandrohung auf den Straßen

Stand: 18.10.2020 17:25 Uhr

Die Opposition in Belarus geht trotz der Drohung der Polizei, Schusswaffen einzusetzen, erneut zu Zehntausenden gegen Staatschef Lukaschenko auf die Straßen. Dabei gab es offenbar mehr als 100 Festnahmen.

In der belarusischen Hauptstadt Minsk haben erneut Zehntausende Menschen gegen die Regierung protestiert, obwohl die Polizei mit dem Einsatz von Schusswaffen gedroht hat. Sie wurden von einem großen Aufgebot von Polizei und Militär begleitet. Auch in anderen Städten gab es Aktionen gegen Staatschef Alexander Lukaschenko.

Dabei rief die Menge "Es lebe Belarus" und "Lukaschenko in den Gefängniswagen". Anders als bei den früheren Sonntagsdemonstrationen zogen die Lukaschenko-Gegner diesmal nicht durch das Stadtzentrum, sondern demonstrierten auf einer Hauptverkehrsstraße im Süden von Minsk, wo zahlreiche Fabriken angesiedelt sind. Bei der als "Partisanenmarsch" bezeichneten Demonstration wurden wieder viele Demonstranten festgenommen - laut Innenministerium gab es bisher mehr als 100 Festnahmen.

Wasserwerfer in Stellung gebracht

Aus Minsk wurden im Nachrichtenkanal Telegram wieder Bilder von vielen Militärfahrzeugen und Gefangenentransportern veröffentlicht. Der Machtapparat brachte erneut Wasserwerfer in Stellung. Die Sicherheitskräfte sperrten Straßen mit Stacheldraht und schwerem Gerät im Zentrum ab. Zudem gab es Berichte, dass Sicherheitskräfte Gummigeschosse in die Luft gefeuert hätten, als Demonstranten Steine geworfen hätten.

Es ist das mittlerweile zehnte Protest-Wochenende in Folge. Die Aktionen an den Sonntagen haben besonders großen Zulauf. Die Sicherheitskräfte hatten zuletzt ihre Gangart gegen Demonstranten verschärft. Das Innenministerium drohte offen mit dem Einsatz von Schusswaffen und scharfer Munition. Die Opposition ruft dagegen stets zu friedlichen Protesten auf und verurteilt Gewalt.

Menschen protestieren in Minsk. | AP

Die Opposition rief zu friedlichen Protesten auf. Die Regierung hatte den Einsatz von Schusswaffen angedroht. Bild: AP

Mobilfunknetz zeitweise abgestellt

Metro-Stationen wurden geschlossen, damit die Menschen nicht so einfach ins Zentrum gelangen konnten. Zudem funktionierte das mobile Internet zeitweise nicht. Die Behörden wollen damit verhindern, dass sich Demonstranten etwa über Telegram verabreden und Videos von Festnahmen schnell verbreitet werden.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August gibt es in Belarus regelmäßig Proteste. Das Land steckt in einer schweren innenpolitischen Krise. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht dagegen die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja, die sich Anfang des Monats mit Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen hatte, als wahre Gewinnerin an. Sie ist ins EU-Exil Litauen geflohen.

Am Samstag protestierten Frauen und Studenten

Bereits am Samstag gingen landesweit Hunderte Frauen und Studenten gegen Lukaschenko auf die Straße. Dem Innenministerium zufolge gab es dabei fast 60 Festnahmen. Auch Journalisten seien in Polizeigewahrsam gekommen, teilte der belarusische Journalistenverband mit. Bekannt wurde zudem, dass der Anwalt der inhaftierten Protestführerin Marija Kolesnikowa in Hausarrest entlassen wurde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Oktober 2020 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 19.10.2020 • 00:03 Uhr

22:58 von Sisyphos3

«und fordern ... das können die Weißrussen, etwas fordern Neuwahlen ebenso wie die Bauanleitung der Guillotine» Würden sie die Bauanleitung für die Guillotine haben wollen. Müssten sie nur im Internet nachschauen, wie man so was bauen kann. Sooo neu ist die Guillotine als Erfindung nun ja nicht mehr … heutzutage. Internet soll es auch in Belarus schon geben. Wenn nicht Lukaschenko auch hier Lügenmärchen zur Volksverdummung nach außerhalb von Belarus als Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Man weiß es halt nicht. Und zählt sich selbst mit einfarbigen Spekulation-Schäfchen, die vor Tränengas aus Minsk fliehen, in den Schlaf. Bis das ganze Spekulations-Schlamassel schon morgen früh beim Zähneputzen wieder losgeht. Da fordern die in Belarus dann unerwartet besseres Wetter im kommenden Winter. Weniger Schnee ist auch besser für Guillotinen. Besseres Wetter kann Lukaschenko noch weniger als Politik. Obwohl weniger als gar nix eigntlich unmöglich ist. Nur Lakaschenko kann das … das war's.