Zerstörtes Schiff und Gebäude nach der Explosion im Hafen von Beirut | Bildquelle: AFP

Nach der Explosion 16 Hafenarbeiter in Beirut festgenommen

Stand: 06.08.2020 21:56 Uhr

Zwei Tage nach der verheerenden Explosion in Beirut haben libanesische Behörden 16 Menschen festgenommen. Unterdessen laufen weitere Hilfen für den Libanon an. Gleichzeitig wächst aber auch der Druck auf die Regierung.

Im Zuge der Ermittlungen zur Explosionskatastrophe in der libanesischen Hauptstadt Beirut mit mehr als 130 Toten sind 16 Hafenarbeiter festgenommen worden. Das teilte der amtierende Militärrichter Fadi Akiki laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur NNA mit. Demnach seien bislang 18 Personen verhört worden. Dabei handelt es sich um Hafen- und Zollbeamte sowie um Angestellte, die für die Wartung des Hangars verantwortlich gewesen seien, wo 2750 Tonnen Ammoniumnitrat jahrelang gelagert wurden. Die Ermittlung sei kurz nach der Explosion am Dienstagabend eingeleitet worden und sie werde weiterhin alle Verdächtigen in dem Fall berücksichtigen.

Unterdessen ging die Suche nach Überlebenden der Katastrophe weiter. Noch immer werden dem Roten Kreuz zufolge rund 100 Menschen vermisst. Auch die Hilfe Deutschlands und anderer Länder sowie internationaler Organisationen lief weiter an.

Die Weltgesundheitsorganisation brachte 20 Tonnen Hilfsgüter ins Land, um Hunderte Menschen mit Brand- und anderen Verletzungen zu versorgen. Die EU sagte Nothilfe in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro zu, um etwa medizinische Ausrüstung zu finanzieren. Die USA drei Flugzeugladungen mit Essen, Wasser und medizinischem Material nach Beirut. Auch Israel, mit dem der Libanon keine diplomatischen Beziehungen pflegt, will bei der Versorgung von Opfern helfen.

Macron plant Spendenkonferenz

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte eine internationale Spendenkonferenz für den Libanon an. Bei der Konferenz solle es darum gehen, eine internationale Finanzierung für Medikamente, medizinische Behandlung oder Nahrungsmittel sicherzustellen. Dabei seien Europäer, Amerikaner und Länder der Region gefordert, sagte Macron bei einem Besuch der libanesischen Hauptstadt. Hier hatte er sich als erster ausländischer Staatschef ein Bild von der Zerstörung in Beirut gemacht.

Der Libanon war früher Teil des französischen Mandatsgebiets im Nahen Osten, die beiden Länder sind immer noch eng verbunden. Macron versprach, dass seine Regierung die Konferenz "in den kommenden Tagen" organisieren werde. Das eingesammelte Geld solle ohne Umwege den Menschen, den Hilfsorganisationen und den Einsatzkräften vor Ort zugute kommen.

Reformen gefordert

Gleichzeitig forderte der französische Präsident eine unabhängige Untersuchung der Katastrophe. Nötig sei eine "offene und transparente" internationale Untersuchung, sagte er. Nur so könne verhindert werden, dass "Dinge geheim gehalten werden" und Zweifel aufkommen.

Emmanuel Macron besucht die Unglücksstelle in Beirut | Bildquelle: DALATI NOHRA HANDOUT/EPA-EFE/Shu
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Frankreichs Präsident Macron besuchte die Unglücksstelle in Beirut. Als frühere Mandatsmacht ist Frankreich dem Libanon weiterhin eng verbunden.

Mit deutlichen Worten rief Macron die libanesische Regierung zu Maßnahmen gegen die ausufernde Korruption im Land auf. Er sprach von einer "historischen Verantwortung" der Führung. Die "politische, moralische, wirtschaftliche und finanzielle Krise" müsse mit "extrem schnellen Reaktionen" bewältigt werden.

Beirut nach der Katastrophe: Forderungen nach politischem Wandel
tagesthemen 22:35 Uhr, 06.08.2020, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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IWF: Hilfen gegen Reformen

Auch von anderer Seite wächst der Reformdruck auf die libanesische Regierung. So will auch der Internationale Währungsfonds (IWF) dem Land nach der Katastrophe helfen - besteht aber im Gegenzug für ein Hilfspaket auf nötigen Wirtsschaftsreformen. Der IWF "prüft alle Möglichkeiten, dem libanesischen Volk zu helfen", erklärte die IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Infolge der Katastrophe sei es umso dringlicher, der "tiefen wirtschaftlichen und sozialen Krise" in dem Land zu begegnen.

Wegen einer Wirtschaftskrise war der Libanon bereits vor der verheerenden Explosion im Gespräch mit dem IWF für ein Rettungspaket, das vermutlich mehrere Milliarden Dollar umfassen würde. "Es ist entscheidend, die Sackgasse in den Diskussionen um wichtige Reformen zu überwinden und ein weitgehendes Paket zusammenzustellen, um die Wirtschaft wieder zu beleben", erklärte nun Georgiewa. Zudem müsse damit Transparenz und Vertrauen für die Zukunft der Wirtschaft des Landes geschaffen werden, erklärte Georgiewa.

Libanon - "Land von strategischer Bedeutung"

Um dem Libanon aber schnell und unmittelbar nach der Katastrophe zu helfen, haben auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel zu zusätzlicher Unterstützung aufgerufen. "Das dramatische Ereignis wird erhebliche wirtschaftliche Folgen für ein Land haben, das bereits zuvor vor vielen Herausforderungen stand, die durch die Covid-19-Pandemie noch einmal verschärft wurden", schrieben sie in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten.

Man müsse auch daran denken, dass der Libanon ein Land von strategischer Bedeutung sei, das die meisten Flüchtlinge pro Kopf aufnehme. "Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, jetzt zu handeln, um die Folgen dieser Tragödie einzudämmen", schrieben von der Leyen und Michel. Um die Effizienz und schnelle Umsetzung von Hilfen zu gewährleisten, schlugen die EU-Spitzen vor, einen europäischen Koordinierungsmechanismus einzurichten. Man sei bereit, die möglichen Synergien sicherzustellen, heißt es in dem Brief.

Macron macht Druck in Beirut
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
07.08.2020 05:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. August 2020 um 22:30 Uhr.

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