Ein vom Zyklon Idai beschädigtes Kirchengebäude in einem Viertel in Beira. | Bildquelle: AP

Zerstörung in Mosambik Hoffnung für die "Stadt ohne Dächer"

Stand: 27.03.2019 13:13 Uhr

Nach Zyklon "Idai" gibt es in Mosambik erste Cholera-Fälle. Auch in der Stadt Beira ist die Lage weiter angespannt. Zusammen haben Bewohner und Hilfsorganisationen mit dem Wiederaufbau begonnen.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

An allen Ecken hört man ein Hämmern und Klopfen - die Geräusche des Wiederaufbaus. "Die Stadt ohne Dächer", so nennen die Menschen Beira inzwischen. Mit einfachem Werkzeug zimmern die Leute ihre Häuser wieder zusammen, so wie Kelvin Fernando Vasco Da Souza. "Es ist nicht einfach, die Häuser wieder aufzubauen, aber wir sehnen uns nach einem normalen Leben", sagt er.

An Normalität ist allerdings noch lange nicht zu denken, denn weiterhin sind die Hubschrauber fast pausenlos im Einsatz. Noch immer fliegen die Helfer los, um Menschen zu retten, auch an Tag zwölf nach dem Zyklon. Immer noch transportieren sie Hilfsgüter - und damit wird auch noch lange nicht Schluss sein.

Überschwemmte Häuser in der Nähe von Beira. | Bildquelle: REUTERS
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Allein in Mosambik vernichtete "Idai" die Ernte auf 400.000 Hektar Land.

"Das Leben kehrt zurück"

Obwohl einiges schon passiert ist. Bäume seien aus dem Weg geräumt worden und auf fast allen Straßen könne man wieder laufen und fahren, so Beiras Bürgermeister Daviz Simango. "Grob funktioniert alles wieder. Elektrizität fehlt noch und es gibt nicht genug Wasser, aber das Leben kehrt zurück. Wir dürfen Beira nicht fallen lassen." Die Stadt sei nicht nur wichtig für Mosambik, sondern auch für andere Länder. Viele Schiffsrouten beginnen im Hafen von Beira.

Hafen und Flughafen sind wieder offen, doch im Grunde fängt Beira bei Null an. Die ersten Cholerafälle sind bestätigt, obwohl die Wasserversorgung zu einem Großteil wieder funktioniert. Jetzt heißt es, die Stromversorgung aufzubauen. Denn einiges ist schon wieder fast normal: Die Kinder gehen in die Schule und Märkte verkaufen Lebensmittel, wenn auch zu deutlich höheren Preisen als noch vor zwei Wochen.

Hilfsorganisationen und Bewohner arbeiten zusammen

Das ist es auch, was Andreas Zinggl von Caritas Sorgen bereitet. "In Schulen und Zelten schlafen die Menschen, die aus Wassermassen gerettet wurden. Viele sind traumatisiert, vermissen Angehörige, wissen nicht, wo künftig ihr Zuhause sein wird."

Und trotz der Verzweiflung klingt Cate Turton von der britischen Hilfsorganisation UKAid recht positiv. Man habe mit einem Hubschrauber Lebensmittel an einen Ort 20 Minuten südlich von Beira gebracht, zu einer Schule, wo seit dem Zyklon noch niemand gewesen sei. "Es war phantastisch zu sehen, wie gut die Leute organisiert waren." Die Haushalte, die am stärksten betroffen waren, seien zuerst versorgt worden.

Hilfslieferungen angekündigt

Knapp zwei Wochen nach Durchzug des Zyklons "Idai" sind in Mosambik die ersten Cholera-Fälle aufgetreten. Bislang seien fünf Fälle bestätigt worden, sagte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums. Die Erkrankten stammten aus Beira und den angrenzenden Gebieten. 

Begleitet von sintflutartigem Regen war "Idai" in der Nacht zum 15. März über Mosambik, Simbabwe und Malawi im südlichen Afrika hinweggezogen und hatte verheerende Überschwemmungen ausgelöst. In Mosambik und Simbabwe starben mehr als 700 Menschen. Laut Welternährungsprogramm sind von der Katastrophe drei Millionen Menschen in allen drei Ländern betroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation kündigte die Lieferung von 900.000 Impfdosen gegen Cholera an. Angesichts des Brackwassers und der schlechten sanitären Lage in den Katastrophengebieten fürchten Experten neben Cholera auch Typhus- und Malaria-Epidemien.

Neues Zeitalter durch Klimawandel

Gut zwei Millionen Menschen sind von Zyklon "Idai" betroffen, auch in Simbabwe und Malawi. Beiras Bürgermeister Simango ist sich sicher, man habe es nun mit dem Klimawandel zu tun, mit häufigeren Regenfällen und Überflutungen. In Mosambik beginne ein neues Zeitalter.

Ganz sicher freut sich niemand in Beira über die dunklen Wolken, die derzeit wieder über die Stadt ziehen. Neuer Regen ist für heute und die nächsten Tage angekündigt.

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Nach Zyklon "Idai": Tausende Menschen kämpfen in Mosambik, Simbabwe und Malawi um ihr Leben

Blick auf überflutetes Gebiet in Mosambik

Knapp eine Woche nach dem Zyklon "Idai" kämpfen Tausende Menschen in den Katastrophengebieten in Mosambik, Simbabwe und Malawi um ihr Leben. Besonders stark betroffen ist Mosambik. Hunderttausende sind obdachlos geworden. | Bildquelle: AFP

Fast wie Stunde Null - Beira erfindet sich nach Zyklon Idai neu
Jana Genth, ARD Johannesburg
27.03.2019 11:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. März 2019 um 12:45 Uhr.

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