Trauergemeinde in Vietnam | Bildquelle: AFP

Tod im Kühllaster Erste Opfer in Vietnam beigesetzt

Stand: 28.11.2019 13:43 Uhr

Fünf Wochen nach dem Fund von 39 toten Vietnamesen in einem Kühllaster in England sind die ersten Opfer beigesetzt worden. Für die Familien ist es eine Erleichterung, dass sie ihre Toten bestatten können.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Erst kam die Hoffnung auf ein neues Leben, der Aufbruch ins Ungewisse – und dann kam für die Angehörigen lange nur leidvolles Warten: Fünf Wochen, nachdem 39 Vietnamesen tot in einem Kühllaster in Großbritannien gefunden wurden, finden die ersten ihre ewige Ruhe in der Heimat. Im ländlichen Zentralvietnam beerdigen die Familien ihre Töchter, Söhne, Ehemänner und Ehefrauen.

"Wir machen uns jetzt keine Sorgen mehr, vorher hatten wir immer Angst, dass er nicht mehr nach Hause käme - aber jetzt ist er da, und damit ist der Wunsch unserer Familie erfüllt." 

So sagt es der Onkel eines der Opfer, des 18-jährigen Hoang Van Tiep, der Nachrichtenagentur Reuters. Sie können ihn heute nach katholischen Bräuchen bestatten - und das bringe der Familie Frieden: "Jetzt wird der Priester für seine Seele beten." Auch der Vater des Verstorbenen empfindet so etwas wie Erleichterung, trotz des grausamen Endes, das das Leben seines Sohnes nahm.

Katholische Kirche in Zentralvietnam | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/REX
galerie

Die Familien empfinden Erleichterung darüber, dass sie ihre Toten in der Heimat beerdigen können.

Als sich die Nachricht von den 39 Toten verbreitete, als die Vermutung immer konkreter wurde, dass sie alle aus Vietnam stammten, da litten die Angehörigen und bangten, ob wirklich ihre Kinder und Partner unter den Opfern wären. Und als die Identitäten feststanden, nahm das schreckliche Warten immer noch kein Ende, so Tieps Vater: "Als er noch dort war und die Dinge geklärt werden mussten, war ich sehr traurig, denn ich wartete jeden Tag nur darauf, dass er nach Hause käme. Aber ich bin glücklich, dass er jetzt wieder hier ist."

Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa

Sein Sohn hatte wie viele andere illegale Migranten auch die gefährliche Reise nach Europa angetreten, um für sich und seine Angehörigen ein besseres Leben zu ermöglichen. 18.000 Vietnamesen machen sich jüngsten Schätzungen zufolge Jahr für Jahr nach Europa auf; sie vertrauen sich für viel Geld Menschenschmugglern an, zwischen 9000 und 40.000 Euro kostet die Tour. Dann enden sie oft als ausgebeutete Arbeiter auf illegalen Cannabisplantagen oder Geflügelfarmen, in Restaurants oder in Nagelstudios. Doch das nehmen viele in Kauf - in ihren Heimatprovinzen drohen ihnen Armut, Arbeitslosigkeit oder schlecht bezahlte Niedriglohnjobs, nichts, womit sie ihre Familie ernähren könnten.

Viele Familien nun hochverschuldet

Viele dieser Familien mussten sich jetzt verschulden - neben dem Geld für die illegale Reise nach Großbritannien sitzen sie auf den Kosten für die Leichenüberführung. Der Vater von Nguyen Van Hung erzählt, die Familie sei katholisch und habe seinen Leichnam nach Vietnam holen wollen. Feuerbestattungen gebe es nur selten. Man habe ihnen gesagt, dass es günstiger wäre, Hung verbrennen zu lassen und nur seine Asche zurückzubringen. Aber das habe die Familie nicht gewollt. Der Vater hofft auf eine Art von Frieden. "Über einen Monat war ich nur sehr traurig und konnte nichts essen. Mein Sohn starb weit weg von hier. Wir haben viel zu lange auf ihn warten müssen." Nun seien alle sehr erschöpft.

Erste Opfer aus Kühllaster in Großbritannien in ihrer Heimat beigesetzt
Lena Bodewein, ARD Singapur
28.11.2019 14:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. November 2019 um 14:08 Uhr.

Darstellung: