Bedford-Strohm am Hafen | Bildquelle: dpa

Bedford-Strohm besucht "Sea-Watch 3" EKD-Ratschef unterstützt Seenotretter

Stand: 03.06.2019 05:00 Uhr

Bei einem Besuch auf Sizilien spricht Bedford-Strohm privaten Flüchtlingshelfern Mut zu, die Migranten auf dem Mittelmeer aus Seenot retten. Damit kritisiert er auch die italienische Regierung.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Es ist windig im Hafen von Licata auf Sizilien, als der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm darauf wartet, an Bord der "Sea-Watch 3" gehen zu können. Das Boot der deutschen Seenotrettungsorganisation SeaWatch liegt immer noch hinter Gittern, also in einem abgetrennten Teil des Hafens vor Anker.

Bis vor kurzem war das Schiff noch von italienischen Behörden beschlagnahmt gewesen - es hatte vor ein paar Wochen Migranten in Seenot vor der libyschen Küste an Bord genommen und nach Italien gebracht. Jetzt ist die "Sea-Watch 3" wieder frei, nach Angaben der NGO sei festgestellt worden, dass man sich an alle Gesetze gehalten habe.

SeaWatch und Bedford-Strohm | Bildquelle: dpa
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Bedford-Strohm mit SeaWatch-Sprecherin Giorgia Linardi und Kapitän Arturo Centore.

Aber so frei, dass Heinrich Bedford-Strohm an Bord gehen kann, ist es offenbar doch noch nicht, das stellt sich bei einem Gespräch mit dem Kapitän der "Sea-Watch 3" heraus. Die Küstenwache habe ihm gerade gesagt, es sei nicht möglich, an Bord zu gehen, erklärt Kapitän Arturo Centore Heinrich Bedford-Strohm vor Pressevertretern. Weil das Boot immer noch in einem besonders geschützten Bereich des Hafens liege.

Bedford-Strohm fordert Ende der strafrechtlichen Verfolgung

Für den EKD-Ratsvorsitzenden kommt das Verbot überraschend: "Jetzt seh ich’s nur durch die Gittertür hier, aber die Crew hat mich empfangen und ich möchte meine ausdrückliche Unterstützung auch der Crew hier mit auf den Weg geben", sagt er. "Ich freue mich, dass das Boot jetzt wieder fahren darf. Aber das ist natürlich nur ein Punktsieg, das ist noch kein Ende der Kriminalisierung der Menschen, die hier zivile Seenotrettung machen."

Man solle nicht die Menschen, die andere vor dem Ertrinken bewahren, strafrechtlich verfolgen, sondern denjenigen klar widersprechen, die Seenotrettung verhindern, sagt Bedford-Strohm dem ARD-Studio Rom.

Damit dürfte er unter anderem Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega meinen - der hatte durchgesetzt, dass das Land seine Häfen weitgehend für Hilfsorganisationen sperrt und fordert immer wieder öffentlich, die privaten Seenotretter zu verhaften.

"Das Verhalten und auch das Reden des italienischen Innenministers ist aus meiner Sicht in tiefem Widerspruch zu allem, wofür das Christentum steht. Man kann nicht Menschen einfach im Meer ertrinken lassen, die Hilfe brauchen. Egal, aus welchen Gründen sie sich in diese Situation begeben haben", so der EKD-Ratsvorsitzende. "Es gehört zu den Grundpflichten des Menschseins und erst recht zu den christlichen Grundpflichten, dass man Menschen, die in Seenot sind, hilft."

"Wir hatten viele kleine Kinder dabei"

Dies sei ein Aufruf an die politisch Verantwortlichen in Europa, an die Institutionen der EU, sagt Bedford-Strohm. Dass sie dafür sorgen, dass die NGOs nicht mehr kriminalisiert werden, dass Menschen nicht mehr an die libysche Küstenwache übergeben werden und dann in Lagern landen, die Menschenrechtsstandards verletzen - und dass es überhaupt wieder eine offizielle Seenotrettungsmission im Mittelmeer gibt. Die EU hat die nämlich weitgehend eingestellt.

Ganz ähnlich sehen das auch die Crew-Mitglieder der "Sea-Watch 3", zum Beispiel Sören Moje: "Wir hatten bei der letzten Rettung viele kleine Kinder dabei, das hat mich sehr traurig gemacht, dass die so im Stich gelassen werden. Das gilt für alle Menschen, aber besonders bei den Kindern geht einem das doch schon sehr nah."

Und auch an diesem Tag meldet die internationale Organisation für Migration, dass ein Boot voller Migranten im Mittelmeer untergegangen ist, dass eine Frau und ein Baby dabei ertrunken sind. Die Überlebenden seien zurück in die libyschen Lager gebracht worden.

Er hoffe, dass sich in Europa eine klare Mehrheit forme, die Flüchtlinge wirklich als Menschen sehe, sagt Heinrich Bedford-Strohm dem ARD-Studio Rom. Dann steigt er selbst in ein Schlauchboot.  Um das Gitter im Hafen zu umfahren und die Sea-Watch 3, die er nicht betreten darf, wenigstens aus der Nähe zu sehen.

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm besucht Sea-Watch 3
Lisa Weiß, ARD Rom
02.06.2019 23:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. Juni 2019 um 06:49 Uhr.

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