Das Organisationskomitee der Fußball-WM 2006

Affäre um WM-Vergabe Schweiz nimmt Ex-DFB-Funktionäre ins Visier

Stand: 01.09.2016 15:14 Uhr

War die WM 2006 gekauft oder nicht? Dieser Frage geht nun auch die Schweizer Bundesanwaltschaft nach und eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Chef der deutschen WM-Bewerbung Beckenbauer. Auch gegen die Ex-Funktionäre Zwanziger, Niersbach und Schmidt wird ermittelt.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 nicht nur gegen den ehemaligen Chef der deutschen Bewerbung, Franz Beckenbauer. Laut der Behörde werde auch gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie den ehemaligen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt bereits seit November 2015 ermittelt. Sie alle gehörten dem Organisationskomitee der Weltmeisterschaft an.

In enger Koordination und Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden Österreichs sowie Deutschlands hätten heute an insgesamt acht Orten zeitgleich Hausdurchsuchungen stattgefunden, hieß es weiter. "Zudem wurden verschiedene Beschuldigte durch die Bundesanwaltschaft, oder im Auftrag der Bundesanwaltschaft einvernommen."

Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet, dass gegen Beckenbauer wegen des Verdachts der Untreue und Geldwäsche ermittelt werde. Grund dafür sollen eine Reihe dubioser Zahlungsströme zwischen 2002 und 2005 sein, in einer Höhe von mehr als zehn Millionen Schweizer Franken.

Beckenbauer - Schweiz - Katar

Im Untersuchungsbericht zum Skandal, der den damaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach das Amt kostete, hatte die Kanzlei Freshfields aufgedeckt, dass eine ominöse Millionen-Zahlung nach Katar im Jahr 2002 über ein Konto von Beckenbauer und dessen früheren Manager Robert Schwan lief. Demnach flossen damals sechs Millionen Schweizer Franken vom Beckenbauer/Schwan-Konto an eine Schweizer Anwaltskanzlei, die das Geld an die Firma KEMCO Scaffolding Co. weiterleitete. Später kamen noch weitere Zahlungen dazu. Nach Angaben der Freshfields-Ermittler gehörte diese Firma dem damaligen FIFA-Vize Mohammed bin Hammam, der mittlerweile wegen Korruption lebenslang gesperrt ist.

Mitglieder des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, Wolfgang NIersbach und Franz Beckenbauer
galerie

Präsident des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Franz Beckenbauer (re.) im Gespräch mit Wolfgang Niersbach, dem damaligen Vizepräsidenten und Pressechef des Komitees.

Unklar ist bis heute, was danach mit dem Geld passierte, und warum Beckenbauer und Schwan diese Zahlungskette auslösten. Ein Teil des Geldes soll aber später wieder an Beckenbauer zurückgeflossen sein. Er hatte stets erklärt, von den Zahlungen nichts gewusst zu haben.

Zwanziger sieht Ermittlungen gelassen

Bislang ermittelte nur die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen Steuerhinterziehung. Da die Transaktionen über die Schweiz liefen, schaltete sich nun die Schweizer Bundesanwaltschaft ein. Für "ungetreue Geschäftsordnung" drohen in der Schweiz eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Gefängnis, in besonderen Fällen sogar bis zu fünf Jahre Haft.

Beckenbauer ließ über seine Anwälte mitteilten, dass er die Ermittlungen der Schweizer Behörden unterstützt habe, "seit er davon Kenntnis hatte". Auch an der heutigen Durchsuchung habe er konstruktiv mitgewirkt und werde weiterhin genauso mit allen beteiligten Behörden kooperieren.

Zwanziger sieht nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa den Ermittlungen gelassen entgegen. "Das hat keine Substanz", sagte er und verwies in diesem Zusammenhang auf den Untersuchungsbericht der Kanzlei Freshfields. "Da steht ganz eindeutig drin, dass ich von diesen Vorgängen nichts gewusst habe."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. September 2016 um 15:15 Uhr.

Darstellung: