Bauern mit ihren Traktoren auf dem Weg nach Bonn | Bildquelle: AFP

Landwirte Mit dem Trecker zum Protest

Stand: 22.10.2019 02:10 Uhr

In vielen deutschen Städten protestieren heute Landwirte. Bei der zentralen Kundgebung in Bonn werden 10.000 Bauern erwartet. Sie sind unzufrieden mit der aus ihrer Sicht falschen Agrarpolitik.

Von Friederike Hofmann, WDR

"Ich habe einen Beruf angefangen, der Spaß macht und mir am Herzen liegt, aber jetzt weiß ich gar nicht mehr, ob er eine Zukunft hat", sagt Ansgar Becker vor der Sandfort. Mit seiner Familie führt er in dritter Generation einen Hof im südlichen Münsterland. Sie haben Felder, 60 Kühe und 700 Schweine. Heute will er sich den Protesten der Bauern in Münster anschließen.

Friederike Hofmann, WDR, zu den Forderungen der Landwirte
tagesschau 12:00 Uhr, 22.10.2019

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In vielen Städten in Deutschland gehen heute Bauern mit ihren Landmaschinen auf die Straße. Die Initiative "Land schafft Verbindung" hat in 17 Städten Proteste angekündigt, die größte davon in Bonn, wo das Bundeslandwirtschaftsministerium sitzt. In dem Aktionsbündnis haben sich innerhalb weniger Wochen nach eigenen Angaben mehrere zehntausend Landwirte - abseits von Verbänden - zusammengeschlossen, vor allem in sozialen Medien.

Bauern mit ihren Traktoren auf dem Weg nach Bonn | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX
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Bauern mit ihren Traktoren in Bonn

Protest gegen das Agrarpaket

Der Protest der Landwirte richtet sich insbesondere gegen das Agrarpaket der Bundesregierung, das Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Anfang September vorgestellt hatten und das von dem Aktionsbündnis als "ideologisch anmutend" bezeichnet wird. Beim Agrarpaket geht es darum, den Unkrautvernichter Glyphosat einzuschränken. Außerdem soll es mehr Geld für Umwelt- und Klimaschutz geben, ein Tierschutzlabel und ein Aktionsprogramm für den Insektenschutz. Die Initiative befürchtet, dass das Agrarpaket bäuerliche Familienbetriebe gefährde, so die Initiative.

Auch eine Verschärfung der Düngeverordnung wird von dem Aktionsbündnis kritisiert, da diese mehr schade als nütze. Die Landwirte kritisieren außerdem, dass sie als "Buhmann der Politik" und vieler Nichtregierungsorganisationen gesehen werden. "Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören zur Tagesordnung", schreiben sie in ihrem Aufruf zu den Kundgebungen. "Wir sind keine Tierschänder und Umweltverschmutzer", erklärt die Initiative.

Umweltschützer wollen grundlegenden Wandel in Agrarpolitik

Umweltschutzverbände kritisieren regelmäßig, dass Landwirte vor Problemen wie dem Insektensterben oder der Nitratbelastung die Augen verschließen und nicht an Lösungen arbeiten. Sie fordern einen grundlegenden Wandel in der Agrarpolitik. 

Für Ansgar Becker vor der Sandfort ist Wertschätzung ein großes Thema. "Wir werden als Landwirte für sehr viel verantwortlich gemacht", sagt er, zum Beispiel beim Insektensterben. "Gerade ich als Landwirt habe ja ein großes Interesse, Insektensterben zu verhindern, da sie ja auch enorm wichtig für die Bestäubung von Pflanzen sind". An seinen Feldern hat er daher Blühstreifen angelegt.

Landwirte demonstrieren mit Treckern
tagesschau 12:00 Uhr, 22.10.2019

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Es hat sich viel Frust angestaut

Prof. Dr. Alfons Balmann vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien hat Verständnis für die Proteste der Bauern. Da habe sich viel Frust angestaut - vor allem, weil politisch in den letzten Jahren zu wenig passiert sei, sagt er.

"Probleme im Agrarbereich sind definitiv da", so Balmann. Die Landwirtschaft müsse sich selbst kritisch mit Problemen und "schwarzen Schafen" in der Branche auseinandersetzen. Aber: "Viele der aktuellen Politikvorschläge stellen Landwirte vor Probleme, ohne dass es wirkliche Besserungen gibt." Er sieht einige Politikvorschläge als praxisfern an, zum Beispiel die angestrebten Einschränkungen beim Pflanzenschutz: "Da werden an die Landwirte unrealistische Vorgaben seitens Umweltverbänden und Politik gemacht - und die Landwirte selbst nicht gefragt."

Zudem herrsche in vielen Bereichen große Unsicherheit, was künftig wie geregelt wird, zum Beispiel in der Sauenhaltung. Der unsichere rechtliche Rahmen erschwere es vielen Bauern in bessere Haltungsbedingungen für die Tiere zu investieren.  

Experte: Politik der letzten Jahre ein Problem  

Er sieht ein großes Problem in der Politik der letzten Jahre: "Da lange politisch wenig unternommen wurde, müssen mit den jetzigen Maßnahmen zwischenzeitlich entstandene Schäden repariert werden." Beim Thema Überdüngung sind klare Regeln und stärkere Kontrollenaufgeschoben worden. "Landwirte zahlen jetzt einen hohen Preis für Politikversagen."

Hinzu kämen ökonomische Schwierigkeiten in der Branche: "In den letzten Jahren hat es relativ niedrige Preise für tierische Produkte und teilweise mehrere schlechten Ernten gegeben. Da gibt es natürlich ökonomischen Frust."

Zahlreiche Landwirte haben als Zeichen des Protestes grüne Kreuze am Rande ihrer Felder aufgestellt. | Bildquelle: dpa
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Zahlreiche Landwirte haben als Zeichen des Protestes grüne Kreuze am Rande ihrer Felder aufgestellt.

Balmann, der auch im wissenschaftlichen Beirat für das Landwirtschaftsministerium tätig ist, empfiehlt das EU-Subventionssystem zu verändern. Durch ein Bonussystem sollten Landwirte Anreize bekommen, so zu wirtschaften, das die Kritik an ihnen gar nicht entsteht. "Das Geld sollte gezielter eingesetzt werden", so Balmann. 

Regeln erschweren Arbeit

Landwirt Becker vor der Sandfort steht in der täglichen Praxis vor dem Problem, dass ihm viele Regeln das Arbeiten zunehmend schwer machen: "So viele Regelungen und Vorgaben kann man sich nicht leisten". Und: Als es zum Beispiel eine neue Vorgabe für Spaltböden, also den Boden in Ställen, gegeben hätte, sei die Situation für die Tiere schlechter geworden. „So etwas kann ich nicht verstehen.“

Auf dem Hof hat er schon ein grünes Kreuz, das er bald an einem seiner Feldern aufstellen möchte. Solche grünen Kreuze sieht man inzwischen auf zahlreichen Äckern in Deutschland, eine weitere Initiative der Bauern. Initiiert hatte das ein Landwirt aus dem nordrhein-westfälischen Rommerskirchen. Die grünen Kreuze sollten als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden, so die Initiatoren. Für Becker vor der Sandfort steht etwas grundsätzliches dahinter: "Mit dem Kreuz will ich meine Zukunftsängste ausdrücken."

Kritik am Agrarpaket der Bundesregierung
Claudia Paß, ARD Berlin
22.10.2019 10:10 Uhr

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Friederike Hofmann, WDR

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