Auf dem Ziffernblatt einer Uhr in New York rennt eine von Banksy gemalte Ratte entlang. | Bildquelle: AFP

Neue Banksy-Werke aufgetaucht Rattenrennen und politischer Protest

Stand: 17.03.2018 08:45 Uhr

Banksy ist offenbar zurück in New York. Fünf Jahre nach seinem letzten Aufenthalt in der Metropole sind zwei neue Werke des Street-Art-Künstlers aufgetaucht. Fans und Medien sind begeistert.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Es ist ein ehemaliges Bankgebäude an der Kreuzung von 14. Straße und sechster Avenue im Süden Manhattans. Davor stehen die Schaulustigen, die Köpfe in den Nacken gelegt. Direkt über dem Eingang des Gebäudes hängt eine Uhr. Auf dem Ziffernblatt rennt in der Wölbung oberhalb der Sechs nun eine gemalte Ratte entlang.

Einer der Betrachter interpretiert das Bild so: "Es ist ein altes Gebäude, und dann die Ratte da oben - so ist New York halt. Die fetten Ratten fressen den Käse." Das ist eine Erklärung von vielen. Der Wettlauf mit der Zeit ist eine andere beliebte Theorie - zumal das einstöckige Gebäude abgerissen und durch ein 13-stöckiges Hochhaus ersetzt wird. Bis dahin ist es ein wunderschönes bisschen Kunst.

Nach fast fünf Jahren Pause hat der mysteriöse Street-Art-Künstler mit dem Fantasie-Namen Banksy offenbar wieder in New York zugeschlagen. Ob lokale Fernsehsender wie "NBC New York" oder die Zeitung "New York Times" - sie alle berichten.

Auf einem Wandbild von Banksy ist die türkische Künstlerin Zehra Dogan hinter Gitterstäben zu sehen. | Bildquelle: AP
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Auf einem Wandbild kritisiert Banksy die Inhaftierung der türkischen Künstlerin Zehra Dogan.

Solidarität mit Zehra Dogan

Dass die jüngsten Wandbilder auf der Instagram-Seite des Künstlers aufgetaucht sind, gilt als Beglaubigung ihrer Echtheit. Es sind gleich zwei: Neben der rennenden Ratte gilt auch ein gigantisches, über 20 Meter langes Mauerbild an der Ecke Houston und Bowery als Werk des Briten.

Darauf zu sehen ist eine lange Strichliste für viele, viele Tage. Hinter einem der Strich-Blöcke taucht das Gesicht der türkischen Journalistin und Künstlerin Zehra Dogan wie hinter Gittern auf. Per Instagram schreibt Banksy: "Fast drei Jahre ins Gefängnis bloß für ein Gemälde".

Dogan wurde in der Türkei wegen eines Ölgemäldes verurteilt, das die Zerstörung einer mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadt zeigt. Für Kunst ins Gefängnis  - allemal ein Grund für Protest, so empfindet es auch dieser New Yorker: "Als Weltenbürger sollte man sich doch ausdrücken dürfen - auf welche Weise auch immer. So etwas hier, das ist nicht richtig."

In einer schriftlichen Stellungnahme an die "New York Times" erklärt Banksy, er fühle mit Dogan. "Ich habe viel mehr Sachen gemalt, die eine Haftstrafe wert gewesen wären."

Zahlreiche Schaulustige versammeln sich vor dem Banksy-Werk, das eine Ratte in einer Uhr zeigt. | Bildquelle: REUTERS
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Zahlreiche Banksy-Fans pilgern zu den Werken des mysteriösen Künstlers.

Rückkehr nach fünf Jahren

Im Oktober 2013 hatte sich der "Titan der Straßenkunst", wie die "New York Times" ihn nennt, einen Monat lang in New York aufgehalten und Dutzende Werke geschaffen. Über seine Identität wird nach wie vor viel spekuliert. Wandstücke mit seinen Graffitis erzielen teils mehr als 100.000 Dollar.

Banksy-Fans jedenfalls haben nun zwei neue Pilgerstätten in der Weltstadt - schön, ihn zurück zu haben, sagt einer.

Neue Banksy-Werke in New York
Kai Clement, ARD New York
17.03.2018 07:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 17. März 2018 um 07:09 Uhr.

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