Eingestürztes Gebäude in Dhaka

Nach Einsturz in Bangladesch Behörden schließen 18 Textilfabriken

Stand: 08.05.2013 18:33 Uhr

Nach dem verheerenden Fabrikeinsturz in Bangladesch sind in dem Land 18 Textilwerke aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Auch die Arbeit in weiteren Fabriken solle eingestellt werden, sagte Textilminister Abdul Latif Siddique.

Insgesamt 16 Fabriken seien in der Hauptstadt Dhaka und zwei weitere in der Stadt Chittagong im Südosten des Landes geschlossen worden, sagte der Minister weiter. Bangladesch verpflichte sich, die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation einzuhalten.

Zahlreiche Fabrikgebäude mit Baumängeln

Viele Fabriken hätten sich nicht an die Bauvorgaben gehalten, sagte der Minister. Siddique sitzt einem neu eingerichteten Komitee vor, das die rund 4500 Fabriken des Landes überprüfen soll, um weitere Unglücke zu vermeiden.

Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer der Katastrophe auf über 800. Die Armee teilte mit, dass mittlerweile 790 Leichen aus den Trümmern des Gebäudes in Savar, einem Vorort von Dhaka, geborgen worden seien. 13 Menschen seien in Krankenhäusern an ihren Verletzungen gestorben. Es sei damit zu rechnen, dass noch weitere Leichen in den Trümmern gefunden würden, teilte die Armee weiter mit.

Eingestürztes Gebäude in Dhaka

Ein Tag nach dem Unglück: Zahlreiche Helfer versuchen, Überlebende aus den Trümmern zu retten.

Bislang seien rund 70 Prozent der Überreste des Gebäudes abgetragen. Mit schwerem Gerät würden derzeit die Trümmer des dritten Geschosses beseitigt, hieß es. Viele Leichen werden demnach in Abschnitten gefunden, in denen sich Treppenhäuser befanden, die als Fluchtwege dienten. Das Hochhaus, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt.

Zwölf Festnahmen

Bisher wurden 2437 Menschen nach offiziellen Angaben lebend geborgen. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen.

Arbeiter hatten angegeben, trotz sichtbarer Schäden am Gebäude zur Arbeit gezwungen worden zu sein. Den Ermittlungen zufolge führten durch große Generatoren hervorgerufene Erschütterungen zu dem Einsturz. Das Unglück sorgte für massive Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in den Textilfabriken Bangladeschs.

Kik produzierte bis 2013 in der Fabrik

Der Textildiscounter Kik räumte unterdessen ein, Kleidung aus der eingestürzten Bekleidungsfabrik bis kurz vor der Katastrophe bezogen zu haben. Nach neuen Medienberichten über Funde von Kik-Kleidung in den Fabriktrümmern erklärte die Handelskette, dass ein Importeur des Unternehmens bis Anfang des Jahres dort produziert habe. "Die Textilfunde stammen aus dieser Zeit", erklärte das Unternehmen zu einem Bericht von Panorama.