Weltbankpräsident Jim Yong Kim (2. v. l.) und IWF-Direktorin Christine Lagarde (M.) mit anderen Teilnehmern bei der Jahrestagung auf Bali. | Bildquelle: dpa

Finanztagung auf Bali Für künftige Krisen gewappnet?

Stand: 11.10.2018 09:49 Uhr

Kurz nach dem 10. Jahrestag der Lehman-Pleite treffen sich auf Bali IWF und Weltbank zur Jahrestagung. Das Treffen steht unter dem Eindruck hoher Schulden und aggressiv geführter Handelskonflikte.

Von Christian Feld, ARD-Hauptstadtstudio, z. Zt. Bali, Indonesien

Ausgerechnet Indonesien. Ist ein Land, das gerade von einem Tsunami getroffen wurde, der geeignete Ort, um das weltweit größte Finanztreffen auszurichten? Diese Frage dürfte sich so manche Delegation zuletzt gestellt haben, selbst wenn das Tagungszentrum auf der Insel Bali weit entfernt ist von der Katastrophenregion. Die Bilder von Zerstörung, Tausenden Toten und Vermissten sind bedrückend.

Während der deutsche Finanzminister mit seiner Delegation zur Tagung flog, bebte die Erde nordwestlich von Bali erneut. Doch die indonesische Regierung hatte großes Interesse daran, dass das lange geplante Jahrestreffen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank nicht verlegt wird.

Und so werden auf Bali gut 20.000 Fachleute aus 189 Ländern erwartet, unter anderem die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), Vertreter von Banken und Unternehmen. Sie alle werden über den Zustand des weltweiten Finanzsystems diskutieren.

Warnung vor Gefahren im Finanzsektor

Auch Gerhard Schick ist im Tagungszentrum in Nusa Dua dabei. Der Finanz-Fachmann sitzt zurzeit noch für die Grünen im Bundestag. Zum Jahresende wird er sein Mandat niederlegen, um sich ganz um die von ihm initiierte "Bürgerbewegung Finanzwende" zu kümmern. Die überparteiliche Organisation will dafür sorgen, dass die komplexe Finanzwelt für Verbraucher verständlich wird, will eine starke Gegenstimme zu mächtigen Branchenverbänden werden.

Zehn Jahre ist die Pleite der US-Bank Lehman her - als das Finanzsystem die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund zu reißen drohte. Es gebe anständige Akteure und sinnvolle Entwicklungen wie die Bankenunion der EU, sagt Schick im Gespräch mit tagesschau.de. Dennoch sieht er im Finanzsektor nach wie vor große Gefahren: "Manche am Finanzmarkt meinen, sie können bis hin zur Kriminalität tun, was sie wollen, weil der Staat nicht auf Augenhöhe ist. Dieses Problem ist noch nicht überwunden."

Keine Befriedung zwischen USA und China

Vor Risiken und einem immer höheren Schuldenberg hatte schon vorab der Internationale Währungsfonds in seinem Weltwirtschafts-Ausblick gewarnt. Ein Faktor, der nicht nur dem IWF Sorgen macht: aggressiv geführte Handelskonflikte. Zwar konnte die EU-Kommission vorerst verhindern, dass die USA Strafzölle auf europäische Pkw verhängen. Doch dass der Sojabohnen-Deal den US-Präsidenten langfristig beruhigt, ist nicht garantiert.

Zwischen den USA und China ist keine Befriedung erkennbar. Wechselseitig belasten sich beide Regierungen mit Zöllen und Drohungen. Kurz vor dem Treffen auf Bali verschärft US-Finanzminister Mnuchin noch einmal den Ton. "Während wir auf Handelsthemen schauen, ist es keine Frage, dass wir sicherstellen wollen, dass China keine Abwertungen vornimmt, um sich Wettbewerbsvorteile zu schaffen", sagte er der "Financial Times". Ein im Vergleich zum Dollar schwächerer Yuan macht chinesische Waren für ausländische Käufer attraktiver. IWF-Chefin Christine Lagarde mahnt, das internationale Handelssystem nicht zu zerstören: "Wir müssen zusammenarbeiten, um eine Deeskalation zu erreichen und die aktuellen Handelsstreitigkeiten zu lösen".

Für Diskussionen wird auf Bali auch die bedrohliche öffentliche und private Schuldenlast sorgen. Sie liegt laut IWF bei 182 Billionen Dollar, das sind 182.000 Milliarden. Ein Wert, der 60 Prozent höher ist als noch vor der Finanzkrise von 2008/2009. Die Sorge ist, dass vielen Ländern im Falle eines neuen Schocks die Möglichkeiten fehlen, effektiv gegenzusteuern. Und so heißt es vor der Tagung aus dem Haus von Finanzminister Scholz: Es sei entscheidend, dass es genug "Feuerkraft gibt, um reagieren zu können".

Lagarde kritisiert US-Wirtschaftspolitik
tagesschau 12:00 Uhr, 11.10.2018, Sandra Ratzow, ARD Singapur, z.zt. Bali

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Fehlt der politische Wille?

Hat die Finanzwelt die richtigen Konsequenzen aus der großen Krise gezogen? Gerhard Schick von der "Bürgerbewegung Finanzwende" ist da skeptisch. Eigentlich müsse es jetzt, zehn Jahre nach der Lehman-Pleite, einen erneuten Anlauf geben zu mehr Regulierung. Doch das sei damals nur unter dem Druck der konkreten Ereignisse möglich gewesen, momentan sieht er den politischen Willen nicht: "Es ist zu befürchten, dass es erst eine neue Zuspitzung der Finanzkrise braucht, bis eine solche neue Regulierungsagenda durchsetzbar ist."

Ein solches Horror-Szenario ist - bei allen Sorgen - aktuell nicht in Sicht. Und so können die Teilnehmer auf Bali jenseits des akuten Krisenmodus darüber diskutieren, wie sie sich für zukünftige Krisen besser rüsten können - wann auch immer diese kommen mögen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

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