Alek Sigley | Bildquelle: AP

Nach Ausweisung Pjöngjang wirft Australier Spionage vor

Stand: 06.07.2019 16:32 Uhr

Anstiftung zu Verbrechen und Spionage: Nordkorea erhebt schwere Vorwürfe gegen einen mittlerweile ausgewiesenen australischen Studenten. Der 29-Jährige war nach einigen Tagen in Gewahrsam freigelassen worden.

Zwei Tage nach seiner Ausreise hat Nordkorea einem zuvor aus der Haft entlassenen und ausgewiesenen australischen Studenten staatsfeindliche Umtriebe vorgeworfen. Als Gründe für die Festnahme des 29-jährigen Alek Sigley nannten die Medien des abgeschotteten Staates Anstiftung zu Verbrechen gegen Nordkorea über das Internet sowie Spionage. Er habe "seine Spionageaktionen ehrlich gestanden", hieß es.

Am Donnerstag hatte Australiens Premierminister Scott Morrison mitgeteilt, Sigley sei in Sicherheit. Der Student war aus Nordkorea über China nach Japan gereist, wo seine Frau lebt. Sigley, der an der Universität Pjöngjang koreanische Literatur studierte und eine Reiseagentur betrieb, hatte zuvor tagelang als vermisst gegolten.

Alek Sigley | Bildquelle: REUTERS
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Die Erleichterung ist ihm anzusehen: Alek Sigley bei der Ankunft auf dem Flughafen in Tokio.

An seiner Freilassung war die schwedische Regierung maßgeblich beteiligt. Australien hat - wie viele andere westliche Länder - in Nordkorea keine eigene Botschaft, sondern lässt sich dort von Schweden vertreten.

"Unpolitische Kolumnen" über Leben in Nordkorea

Sigley war für NK News in Seoul tätig. Der Chef des auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenportals, Chad O'Carroll, erklärte, der Australier habe in seinen beliebten Kolumnen einen "unpolitischen und kenntnisreichen Blick auf das Leben in Pjöngjang präsentiert". Der 29-Jährige hatte auch in sozialen Netzwerken von seinen Erfahrungen in Nordkorea berichtet und behauptet, als einer der wenigen ausländischen Studenten in Pjöngjang außergewöhnliche Freiheiten zu haben.

Premierminister Morrison vor dem Parlament in Canberra | Bildquelle: AP
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Premierminister Morrisson informierte am Donnerstag in Canberra über das Schicksal des australischen Studenten.

Morrison dankt schwedische Behörden

Premier Morrison dankte den schwedischen Behörden für ihre Hilfe in der Sache. Er hatte sich zuvor am Rande des G20-Gipfels in Japan "sehr besorgt" über das Verschwinden des 29-Jährigen gezeigt und Schweden um Hilfe gebeten.

Gewahrsam möglicherweise wegen Trump-Besuch

Ein Nordkorea-Experte der Universität in Canberra, Leonid Petrov, sagte, Sigley sei möglicherweise wegen der diplomatischen Aktivitäten vor dem kurzfristig zustande gekommenen Treffen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump isoliert worden. "Es war eine heikle Zeit in Nordkorea nach dem Besuch (des chinesischen Präsidenten Xi Jinping) und vor dem Besuch von Donald Trump", sagte er.

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