Der australische Student Alek Sigley kommt in Peking am Flughafen an. | Bildquelle: REUTERS

Nordkorea Australischer Student wieder frei

Stand: 04.07.2019 15:46 Uhr

Seit Anfang der Woche galt er als vermisst: In Nordkorea ist nun ein australischer Student aus dem Gewahrsam entlassen worden. Der 29-Jährige befinde sich in Sicherheit, es gehe ihm gut, sagte Australiens Premierminister Morrison.

Ein in Nordkorea verschwundener australischer Student ist wieder frei. Der australische Premierminister Scott Morrison teilte mit, er sei wohlauf aus dem Gewahrsam entlassen und gesund in die australische Botschaft in Peking gebracht worden. Der Student selbst, Alek Sigley, sagte, es gehe ihm sehr gut. Fragen nach seinem Schicksal beantwortete er nicht.

Der Student aus Perth galt seit Anfang der Woche als vermisst. Er hatte zuletzt am 24. Juni Kontakt zu seiner Familie und Freunden. Südkoreanische Medien hatten berichtet, er sei verhaftet worden. Morrisons Erklärung war die erste, die diese Annahme bestätigte.

Familie und Freunde erleichtert

Sigley studierte koreanische Literatur an der Kim-Il-Sung-Universität in Pjöngjang und arbeitete als Fremdenführer für ein von ihm gegründetes Unternehmen. Sein Vater kommentierte in Perth, sein Sohn sei gut behandelt worden. Bald werde er seine japanische Frau in Tokio treffen.

Der 29-Jährige hatte in sozialen Netzwerken aktiv von seinen Erfahrungen in Nordkorea berichtet und behauptet, als einer der wenigen ausländischen Studenten in Pjöngjang außergewöhnliche Freiheiten zu haben. Eine Kommilitonin Sigleys in Sydney sagte, er sei ein junger aufstrebender Wissenschaftler und sehr engagiert im Studium. Sie bezweifle, dass er aus Sicht des Regimes etwas Falsches getan habe.

Premierminister Morrison vor dem Parlament in Canberra | Bildquelle: AP
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Premierminister Morrisson informierte in Canberra über das Schicksal des australischen Studenten.

Morrison: Dank an schwedische Behörden

Morrison dankte den schwedischen Behörden für ihre Hilfe in der Sache. Er hatte sich zuvor am Rande des G20-Gipfels in Japan "sehr besorgt" über das Verschwinden des 29-Jährigen gezeigt und Schweden um Hilfe gebeten.

Australien hat wie viele andere westliche Länder keine eigene Botschaft in Nordkorea, sondern lässt sich dort von Schweden vertreten. Die schwedische Außenministerin Margot Wallström teilte mit, sie habe im Kontakt mit dem australischen Sondergesandten für Nordkorea, Kent Harstedt, gestanden "und diesen Fall auf höchster Ebene" in Nordkorea zur Sprache gebracht. Sie sei glücklich und erleichtert, dass das Problem mit der Freilassung Sigleys gelöst worden sei.

Dass er nun frei sei, mache den Wert von diskreten Gesprächen hinter den Kulissen deutlich, um komplexe Fälle in enger Partnerschaft mit anderen Regierungen zu lösen, sagte Morrisson.

Gewahrsam möglicherweise wegen Trump-Besuch

Ein Nordkorea-Experte der Universität in Canberra, Leonid Petrov, sagte, Sigley sei möglicherweise wegen der diplomatischen Aktivitäten vor dem kurzfristig zustande gekommenen Treffen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump isoliert worden. "Es war eine heikle Zeit in Nordkorea nach dem Besuch (des chinesischen Präsidenten Xi Jinping) und vor dem Besuch von Donald Trump", sagte er.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 04. Juli 2019 um 15:39 Uhr.

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