Donald Trump am Telefon in seinem Golf-Resort Mar-a-Lago in Florida | Bildquelle: AFP

Russland-Ermittlungen Trump wollte Hilfe aus Australien

Stand: 01.10.2019 07:34 Uhr

Offenbar hat US-Präsident Trump nicht nur in der Ukraine um Hilfe bei innenpolitischen Problemen gebeten. Auch in Australien meldete sich Trump per Telefon. Dabei ging es um die Russland-Ermittlungen.

Wegen seines Telefonats mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj droht US-Präsident Donald Trump ein Amtsenhebungsverfahren. Mehrere Medien berichten nun, dass die Bitte nach einem innenpolitischen Gefallen an Selenskyj nicht die einzige Anfrage an ausländische Staatschefs war. Laut "New York Times" bat Trump auch die australische Regierung um Unterstützung.

Während es im Gespräch mit Selenskyj um Ermittlungen gegen seinen demokratischen Widersacher Joe Biden ging, hatte das Gespräch mit Australiens Premierminister Scott Morrison einen anderen Inhalt: Laut dem Bericht ging es um die Russland-Ermittlungen - bei denen eine Einmischung aus Moskau in den US-Wahlkampf 2016 überprüft wird. Dem Bericht zufolge habe Trump den australischen Premier Morrison gebeten, in der Sache mit Justizminister William Barr zusammenzuarbeiten. Laut "NYT" hoffte Trump auf Informationen, welche die Glaubwürdigkeit der Mueller-Untersuchung schwächen.

Gespräch unter Verschluss gehalten

Die Mitschrift des Gesprächs mit Morrison sei - analog zu dem umstrittenen Telefonat Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj - in einem besonders gesicherten System aufbewahrt worden, um die Konversation möglichst geheim zu halten, berichtet die "NYT".

Ein Sprecher der australischen Regierung bestätigte auf dpa-Anfrage das Gespräch zwischen Trump und Morrison. Die australische Regierung sei immer bereit gewesen, die Bemühungen zu unterstützen, die dazu beitrügen, "mehr Licht in Angelegenheiten zu bringen, die überprüft würden", sagte er. "Der Premierminister bestätigte diese Bereitschaft noch einmal im Gespräch mit dem (US-)Präsidenten."

Australien trat Russland-Ermittlungen los

Welche Rolle spielte Australien bei den Russland-Ermittlungen? Die US-Bundespolizei FBI hatte ihre Ermittlungen zu möglichen Verbindungen zwischen Russland und Trumps Wahlkampagne 2016 erst nach einem Tipp des australischen Geheimdienstes begonnen.

Trump hatte in den Ermittlungen stets als politisch motivierte "Hexenjagd" bezeichnet. Sein Justizminister Barr beauftragte vor einigen Monaten den Staatsanwalt John Durham mit der Prüfung der Ursprünge der Russland-Untersuchung. Hintergrund sind unter anderem Vorwürfe aus dem Umfeld Trumps, wonach dessen Wahlkampfteam 2016 bespitzelt worden sei.

Durham prüft unter anderem, wie es zu Spionageabwehr-Ermittlungen zu Trumps Kampagne kam und welche Rolle verschiedene Länder dabei spielten. Das Telefonat zwischen Trump und Morrison könnte ein Beitrag zu diesen Ermittlungen gewesen sein.

Die "Washington Post" berichtet darüber hinaus, Justizminister Barr habe eine Reihe ausländischer Geheimdienstvertreter getroffen, um Informationen zu erhalten, welche die Mueller-Ermittlungen diskreditieren könnten. Begleitet wurde er dabei demnach teilweise von Durham. Laut "Washington Post" wirft das die Frage auf, ob Barr sein Amt missbraucht, um den in Bedrängnis geratenen Trump politisch zu unterstützen.

Trump unter Druck

Welche Tragweite die Bitte Trumps an die australische Regierung hat, ist bisher unklar. Fest steht nur, dass die Enthüllungen über den Vorgang zu einer Zeit kommen, in der der US-Präsident durch die Ukraine-Affäre unter Druck steht. Die US-Demokraten werfen Trump Machtmissbrauch und Verfassungsbruch vor und prüfen ein Impeachment-Verfahren.

Trump bat auch Australien um Hilfe
Martin Ganslmeier, ARD Washington
01.10.2019 07:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Oktober 2019 um 07:00 Uhr.

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