Australien Regen Farmer | Bildquelle: dpa

Nach den Bränden in Australien "Das Beste, was uns passiert ist"

Stand: 12.02.2020 08:54 Uhr

"Grün ist die schönste Farbe": Nach monatelangen Bränden regnet es jetzt in Australien. Farmer haben wieder Hoffnung - doch nicht überall.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Strahlende Gesichter unter Kapuzen, Farmer, die berichten, dass ihre zweijährigen Schafe zum ersten Mal grünes Gras sehen, und ein Feuerwehrhauptmann, der endlich mal keine Katastrophenmeldung zu den Waldbränden verkünden muss: "Was für ein willkommenes Geschenk der Regen der vergangenen Tage war, und die Vorhersage ist auch gut. Es wird weiter regnen - vor allem im Südosten von New South Wales, wo noch einige Feuer brennen", sagt Shane Fitzsimmons, Chef der Feuerwehr im Bundesstaat New South Wales. "Es ist das Beste, was uns in dieser Zeit passiert ist, und viele Menschen können jetzt endlich durchatmen und sich etwas ausruhen."

Tosende Bäche und Wassermassen

Die beiden so genannten Megafeuer in New South Wales und an der Grenze zum südlicher gelegenen Bundesstaat Victoria sind gelöscht. Sie hatten seit November rund eine Million Hektar Fläche vernichtet. Doch so groß die Freude ist, so laut sind auch die Warnungen: "Achtung, auch kleine Kanäle können zu reißenden Strömen werden, passen Sie gut auf Ihre Kinder auf", ruft die Feuerwehr per Twitter auf.

Australien Regen | Bildquelle: JOEL CARRETT/EPA-EFE/REX
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Der heftige Regen führt zu Überschwemmungen, die Feuerwehr warnt die Menschen vor den Gefahren.

Hunderte Menschen waren durch tosende Bäche, über die Ufer getretene Flüsse und Kanäle in Gefahr geraten, ein Mann war von den Wassermassen von der Straße gerissen worden und hatte sich zehn Stunden lang an einem Baum festgeklammert.

"Ich grinse von einem Ohr zum anderen", sagt Rinderfarmer Sam White. "Ich glaube, die Dürre geht zumindest hier in unserer Gegend langsam dem Ende zu."

Farmer haben wieder Hoffnung

In großen Bereichen im Landesinneren Australiens hat es mehrere Jahre nicht nachhaltig geregnet. Weiden sind vertrocknet, Tiere haben gelitten, es gab viele Selbstmorde unter Farmern - der nachhaltige Regen ist ein Geschenk.

"Es hebt die Moral so sehr an, ich kann es gar nicht sagen. Grün sprießt hervor aus dem Braun, Grün beruhigt die Seele, es ist die schönste Farbe." Farmerin Wendy Henning lebt in einer Gegend, die jahrelang kein Grün gesehen hat. "Es ist surreal, ich kann es noch gar nicht begreifen, nach so langer Zeit hat es endlich geregnet."

Ihr ist klar, dass die Dürre damit noch nicht endgültig vorbei ist, aber vor einer Woche sahen sie überhaupt keine Chance mehr, ihre Farm zu halten. Jetzt hat Wendy ihre Kinder im internat angerufen und gesagt, dass alles in Ordnung ist - sie haben wieder Hoffnung.

Aber auch neuer Ärger

Doch währenddessen gehen andere Landstriche leer aus, dort hält die fatale Trockenheit an. Und eine Entscheidung der Landesregierung von New South Wales sorgt für Missgunst: Sie hat den Farmern im Norden des Bundesstaates gestattet, die Überschwemmungsflächen anzuzapfen und das Wasser in die Tanks ihrer Farmen zu pumpen. Das heißt für viele andere: Bei ihnen wird weniger Wasser - wenn überhaupt etwas - ankommen. Und der Unterlauf des Darling Rivers leidet weiter. Der Fluss ist kaum noch vorhanden, und immer wieder sterben massenweise Fische.

Bringt der Regen den Segen für Australien?
Lena Bodewein, ARD Singapur
12.02.2020 09:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 12. Februar 2020 um 10:21 Uhr.

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