Ein Wandbild, das den australischen Premierminister Scott Morrison inmitten von Buschfeuerflammen zeigt | Bildquelle: JAMES ROSS/EPA-EFE/REX

Australische Murdoch-Medien Eine unheilige Allianz

Stand: 17.01.2020 10:22 Uhr

Auch im Zeichen der Buschbrände können sich Premier Morrison und die Murdoch-Medien aufeinander verlassen. Sie förderten Australiens Kohle-Industrie und spielten den Klimawandel herunter. Doch dagegen regt sich nun Widerstand.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

29 Tote, 2500 zerstörte Häuser und eine verbrannte Fläche in der Größe von etwa einem Drittel der Bundesrepublik: Monatelange Feuer haben den Osten Australiens verheert. Auch in den UNESCO-geschützten Blue Mountains richteten die Flammen großen Schaden an. 80 Prozent der Wälder seien dort vom Feuer betroffen, teilte die Umweltbehörde mit.

Blick auf verbrannte Bäume in den "Blue Mountains" | Bildquelle: AFP
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80 Prozent der Wälder in den Blue Montains sind vom Feuer betroffen.

Immerhin halten nun starke Gewitter mit heftigen Regenfällen die Buschbrände im Zaum. Die Niederschläge sorgen zudem für etwas Erleichterung bei den Landwirten, die unter der anhaltenden Dürre leiden. Der Regen in den Bundesstaaten Victoria, New South Wales und Queensland, die zu den am stärksten betroffenen Gegenden zählen, soll laut Vorhersagen noch das ganze Wochenende anhalten.   

Die Geschichte zu den apokalyptischen Waldbränden hatte einen absurden Prolog mit dem heutigen Premier Scott Morrison in einer mittlerweile berühmt-berüchtigten Szene: "Das ist Kohle", mit diesen Worten hielt er noch als Schatzkanzler großmäulig einen Kohlebrocken im Parlament in die Höhe. Hier kommt die erste dicke Lüge in dieser Saga. Denn Morrison fuhr fort: "Nichts, wovor man Angst haben müsste."

Scott Morrison | Bildquelle: MICK TSIKAS/EPA-EFE/REX
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Australiens Premier Scott Morrison: Die Verbindungen zwischen seiner Partei und den Murdoch-Medien sind eng.

Morrison ist im Interesse der Kohlelobby

Scott Morrison wurde Premierminister mithilfe des erzkonservativen Flügels der Liberalen Partei, als der damalige Amtsinhaber Malcolm Turnbull plante, die CO2-Emissionssteuer wieder einzuführen. Das war nicht im Interesse der Kohlelobby. Aber so jemand wie Morrison schon. Der Sturz von Turnbull wurde unterstützt von Medien-Mogul Rupert Murdoch, erklärt Michael Mann, Professor für Atmosphären-Wissenschaften in einem Interview mit dem Radiosender ABC. "Murdoch hat sein Medien-Imperium benutzt, um Politiker zu verhindern, die er nicht gewählt sehen wollte."

Diese Strategie habe auch Turnbull getroffen, der sehr fortschrittliche Ansichten zum Klimawandel vertrat. Am Ende sei das Murdoch-Imperium über ihn hergefallen und er wurde durch Scott Morrison ersetzt. "Der ist nach Meinung vieler nur ein Lakai für die Interessen der fossilen Brennstoffe, besonders der Kohleindustrie", sagt Mann. Morrisons Regierung habe im Prinzip das Fortkommen des Klimagipfels von Madrid sabotiert. Er habe seine Bemühungen um die Kohle verdoppelt, wenn er eigentlich die Emissionen Australiens rapide reduzieren sollte.

Verbindungen zwischen Murdoch-Presse und Liberalen Partei

Australiens Bevölkerung ist zu einem Großteil News Corp ausgeliefert, dem Medien-Imperium von Rupert Murdoch: Er be- und vertreibt Fernsehsender wie Skynews, landesweit erscheinende Boulevardzeitungen, mit dem "Australian" auch eine sogenannte seriöse Tageszeitung, dazu Regional- und Lokalzeitungen. In einigen Bundesstaaten gibt es ausschließlich Murdoch-Presseprodukte.

Und die transportieren eine Botschaft, wie Professor Mann darlegt: "Ich denke, das Murdoch-Medien-Imperium arbeitet Hand in Hand mit der Liberalen Regierung zusammen. Sie pusht fossile Brennstoffe , sie attackiert die Wissenschaft hinter dem Klimawandel und verhindert Versuche, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen."

Die Verbindungen zwischen der Murdoch-Presse und der Liberalen Partei sind eng, wie Journalist Michael West im Auftrag von Greenpeace herausgearbeitet hat: Entweder sind ehemalige Murdoch-Journalisten als Berater um Scott Morrison herum positioniert oder seine Mitarbeiter sind auf Posten in der News Corp gewechselt.

Rupert Murdoch | Bildquelle: AP
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Australiens Bevölkerung ist zu einem Großteil News Corp ausgeliefert, dem Medien-Imperium von Rupert Murdoch.

Für die Kohlelobby vorteilhafte Berichterstattung und Politik ließen sich so einfach durchsetzen. So plärrten die Kommentatoren des Murdoch-Senders Skynews laut: "Die Angst vor dem Klimawandel hat nichts mit dem Klima zu tun und auch nichts mit dem Wetter, sondern nur damit, dass der Sender ABC und andere uns die ganze Zeit predigen, dass wir Angst haben sollten."

"Eine Fehlinformations-Kampagne"

Diese Haltung lässt sich angesichts der australischen Apokalypse, angesichts der heftigsten Wald- und Buschbrandsaison, die das Land je erlebt hat, schlecht aufrecht erhalten. Also schob eine neue Kampagne die Schuld zum einen Teil den Grünen in die Schuhe, die Maßnahmen zur Brandbekämpfung verhindern wollten. Zum anderen Brandstiftern - doch nur ein Prozent der Hunderte von Bränden ließen sich nach Angaben der Polizei darauf zurückführen.

Das sei "eine Fehlinformations-Kampagne, die versucht die Aufmerksamkeit vom wahren Problem nämlich Klimawandel auf Brandstiftung zu lenken, einschließlich irreleitender Fakten" Schrieb eine leitende Angestellte Murdochs News Corp in einer E-Mail an ihren Vorsitzenden, mit Kopie an alle Mitarbeiter.

Emily Townsend hatte gekündigt, wollte das aber noch loswerden: "Ich finde es skrupellos, weiter für dieses Unternehmen zu arbeiten und zu wissen, dass ich zur Leugnung des Klimawandels und zu Lügen beitrage." Die Berichterstattung, die sie im "Australian", dem "Daily Telegraph" und der "Herald Sun" erlebt habe, sei nicht nur unverantwortlich, sondern gefährlich und schädlich für die Gemeinschaft und den "wunderschönen Planeten".

Kritik von Murdochs Sohn

Auch Rupert Murdochs Sohn James hat sich öffentlich gegen die Berichterstattung der News Corp gewandt: Seine Frau und er seien frustriert über Teile der Berichterstattung von News Corp und Fox über die Klimakrise, besonders über das fortdauernde Leugnen durch die australischen Nachrichtenkanäle - angesichts der offensichtlichen Beweise für das Gegenteil.

Sprich: Hört auf zu leugnen, das Land brennt und der Klimawandel ist Wirklichkeit und beides hängt zusammen. "Das sei ein bemerkenswerter Schritt gewesen", meint Medienjournalistin Margaret Simons. Sie beobachtet aber seit einiger Zeit eine Abnahme des Einflusses der Murdoch-Presse. "Trotzdem sind sie noch sehr dominant und was sie zur öffentlichen Debatte machen, bestimmt, worüber in Australien geredet wird, und das Klima der Politik." Eine unheilige Allianz.

Feuer, Lügen, Medien: Die Waldbrände und Murdochs Imperium
Lena Bodewein, ARD Singapur
17.01.2020 08:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Januar 2020 um 18:40 Uhr.

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