Häufig ertrinken Boatpeople auf ihrer riskanten Flucht.

Australiens Flüchtlingspolitik Ein TV-Drama zur Abschreckung

Stand: 11.04.2015 00:13 Uhr

Australien setzt auf Abschreckung: Mit einem TV-Drama soll Asylsuchenden die Lust auf eine Flucht über das Meer nach Australien vergehen. Umgerechnet 2,8 Millionen Euro kostet der Film, ausgestrahlt werden soll er in Ländern wie Syrien oder Irak.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Es soll ein richtiges TV-Drama werden, mit einem Erzählstrang, der realistisch die Gefahren im Leben eines Flüchtlings nachzeichnen soll, so das australische Einwanderungsministerium. Nur eines scheint allerdings bisher wirklich festzustehen: das Ende des Abschreckungsfilms. Bootsflüchtlinge, die von skrupellosen Menschenschmugglern auf einen seeuntauglichen Kahn verfrachtet werden und auf dem Weg nach Australien ertrinken.

Vier Millionen australische Dollar, umgerechnet gut 2,8 Millionen Euro, lässt sich Australiens Regierung den Film kosten. Premier Tony Abbott will damit sein Wahlkampfversprechen von 2013 unterstreichen. "Stop the Boats", also "Stoppt die Boote", kein Flüchtlingsboot soll mehr auf den Sand der australischen Strände auflaufen.

Die Produktionsfirma "Put it out there pictures" der Australierin Trudi-Ann Tierney bekam im vergangenen Monat den Auftrag, vor allem wegen eines Propagandafilms über Afghanistan. Den hatte die Regisseurin 2014 im Auftrag der US-Regierung gedreht. "Das war ein Versuch, ein ideales Afghanistan zu zeigen, eines, das wir alle sehen wollen. Mein Team stand zu der Botschaft, deswegen war es für uns keine Propaganda, sondern ein Weg hin zu einem besseren Afghanistan", erklärte sie jüngst.

Einer der teuersten Fantasyfilme seit "Herr der Ringe"?

Beim ihrem neuen Filmprojekt wird es mit der Begründung schwieriger. Flüchtlingen aus Irak, Syrien oder eben auch Afghanistan soll dramatisch vor Augen geführt werden, dass der einzig sinnvolle Weg, Asyl zu suchen, über die Bewerbung an der australischen Botschaft des Heimatlandes läuft. "Es besteht das Risiko, dass es am Ende einer der teuersten Fantasyfilme seit 'Herr der Ringe' wird", warnt William Maley von der Australian National University. Es sei schließlich bekannt, dass die meisten Anträge von der Botschaft abgelehnt würden.

Ein Asylbewerber vor einem australischen Flüchtlingslager auf der Manus-Insel
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Ein Asylbewerber vor einem australischen Flüchtlingslager auf der Manus-Insel

Zehntausende Bootsflüchtlinge waren in den vergangenen Jahren über Indonesien nach Australien gekommen, Hunderte ertranken. Wer die Küste des gelobten Landes erreichte, wurde von den Behörden in Lagern weit entfernt von Australien untergebracht, in Papua-Neuguinea etwa.

Zweifel am Sinn des Projekts

Aber all das wirkte aus australischer Sicht offenbar noch nicht abschreckend genug. Daher nun, wie vorher bereits eine Anzeigenserie in afghanischen oder irakischen Zeitungen, dieses TV-Drama für den Export in die Herkunftsländer. Es werde nichts bringen, sagt Afghanistan-Experte Maley. "Viele Menschen werden es nicht riskieren, ein Jahr lang auf die Bearbeitung ihres Antrags zu warten, während sie in Lebensgefahr schweben." Deshalb würden die Menschenschmuggler weiter attraktiv bleiben.

Während Filmemacherin Tierney weiter zu ihrem Projekt steht und hofft, mit dem kommenden Werk Menschen etwa vor Enttäuschungen oder sogar dem Tod bewahren zu können, meint Experte Maley, die vier Millionen australische Dollar wären wohl beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen besser angelegt. Auch könnte mit dem Geld beispielsweise die Bearbeitung von Asylanträgen beschleunigt werden.

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