Flüchtlingspolitik in Australien "Bitte hinten anstellen"

Stand: 20.10.2013 13:01 Uhr

Mehr als 15.000 Bootsflüchtlinge sind in diesem Jahr an Australiens Küsten gestrandet. Doch sie sind unerwünscht: Die Regierung schiebt die Migranten auf entlegene Pazifikinseln ab. Der Vorwurf: Die Flüchtlinge hielten sich nicht an das reguläre Verfahren.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Immer wieder kentern überladene Fischkutter mit mehr als 100 Flüchtlingen an Bord, meist vor der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel. Menschenschmuggler haben die Asylsuchenden in Indonesien auf die altersschwachen Kähne gebracht, die Fahrt endet häufig tödlich. Ein Überlebender berichtet von der gefährlichen Überfahrt: "Wir waren drei Tage auf dem Boot, dann brach es auseinander. Danach trieben wir vier Tage im Wasser, ohne Schwimmweste, ohne alles. Wir danken Gott, dass wir überlebt haben."

Boostflüchtlinge aus Sri Lanka
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Tausende Flüchtlinge haben sich in diesem Jahr schon mit altersschwachen Schiffen auf den beschwerlichen Weg nach Australien gemacht.

Weit mehr als 15.000 Bootsflüchtlinge sind allein in diesem Jahr an Australiens Küsten angekommen. Alle Abschreckungsmaßnahmen, mit denen Australiens wechselnde Regierungen die Flüchtlinge fernzuhalten versuchten, waren erfolglos: Per Video drohte ein Regierungssprecher den Migranten mit der Ankündigung, sie in Lagern auf Papua-Neuguinea unterzubringen - Familien nicht ausgenommen. Die Botschaft sollte den Menschen aus Afghanistan, Irak oder Sri Lanka den Mut nehmen. Es half nichts: Wer vor politischer Verfolgung flieht, tut dies auch, wenn die Zukunftsaussichten weniger rosig sind.

Keine Flüchtlinge mehr auf australischem Boden

Menschen protestieren in Sydney gegen die neue Flüchtlingspolitik der Labor Partei (ALP)
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Menschen protestieren in Sydney gegen die Flüchtlingspolitik der Labor Partei (ALP).

Daraufhin verschärfte Labor den Kurs und kündigte an, dass die Asylsuchenden auch nach einer Anerkennung als politischer Flüchtling auf Nauru oder Papua-Neuguinea bleiben müssten. Sie würden keine Chance erhalten, einen Fuß auf australischen Boden zu setzen.

Tony Abbott, Kandidat der Konservativen, verstieg sich im Wahlkampf zur Werbung für das herrliche Nauru. Die Insel sei freundlich und ein guter Platz zum Leben, sagte er: "Mit der Zeit werden die Einrichtungen dort verbessert, im Moment sind die Häuser leider niedergebrannt." Nauru hat 9000 Einwohner. 5000 Flüchtlinge sollen nach dem Willen der australischen Regierung einmal dort leben - eine unvorstellbare Situation.

Flüchtlingsboote sollen zurück nach Indonesien geschickt werden

Inzwischen hat die neue konservative Regierung unter Abbott angekündigt, alle Flüchtlingsboote zurück nach Indonesien zu schicken. Bislang wurde diese Drohung aber noch nicht umgesetzt.

Hinter der australischen Haltung steckt der Vorwurf, die Bootsflüchtlinge seien "Queue-jumper", Vordrängler, die anderen Asylsuchenden, die sich an das reguläre Verfahren halten, die Plätze wegnehmen. Das Verfahren: Asylsuchende müssen einen Antrag in der australischen Botschaft ihres Heimatlandes stellen und dann dort warten.

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