Ein teilweise abgebranntes Schild steht vor verkohlten Bäumen | Bildquelle: Holger Senzel

Buschbrände in Australien "Wir wollen es dem Monster heimzahlen"

Stand: 09.01.2020 12:32 Uhr

"The Monster" - Das Megafeuer in den Blue Mountains in Australien ist zumindest eingedämmt. Die Feuerwehrleute feiern einen kleinen Erfolg inmitten der großen Katastrophe.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur, zzt. Sydney

Die Rot- und Blaulichter der gewaltigen Löschtrucks zucken diffus im grauen Dunst, Bulldozer planieren zum letzten Mal den fast einen Kilometer breiten Erdstreifen. Die Stimmung unter den Feuerwehrleuten in ihren knallgeben Jacken ist gelöst. "Wir haben das Monster gezähmt", freut sich Fire Captain Sean Augussi.

"The Monster" - so nennen sie das Megafeuer, das seit Ende September in den Blue Mountains wütet, auf über eine halbe Million Hektar hat es sich ausgedehnt - eine Fläche weiter als der Großraum Berlin steht in Flammen. Das Monster brennt zwar noch, aber es ist eingedämmt, unter Kontrolle.

Ein Feuerwehrmann steht neben brennenden Bäumen | Bildquelle: AP
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Funkenflug lässt immer wieder neue Feuer entstehen.

"Es ist ein sehr heißes Feuer. Und wegen des Windes war es sehr schnell. Der hat hier ständig gewechselt und die Flammen vor sich hergetrieben. Acht, neun, zehn Kilometer in der Stunde. Das Feuer ist quasi in den Blue Mountains herumgereist - und wir immer mit."

Die Helfer fürchten "Amber Attacks", Funkenflug

Eine neue Hitzewelle wird erwartet in New South Wales und Victoria. Mehr als 40 Grad Celsius. Dann wird sich zeigen, ob die Frontlinie in den Blue Mountains standhält oder das Monster sie überrennt. Denn durch Bodenhitze entsteht meist auch Wind, und der ist gefährlich.

"Amber Attacks" fürchten die Firefighter denn auch ganz besonders - Funkenangriffe. Das Hauptfeuer verhungert an der Schneise, findet keine Nahrung mehr im penibel von allem Brennbaren geräumten Landstreifen. Aber die Funken trägt der Wind einfach über die Schneise hinweg, bis zu zwölf Kilometer weit, ins ausgedorrte Unterholz. Ein Funken reicht, um ein neues Monster entstehen zu lassen.

Niedergebrannte Bäume und Gerätschaften | Bildquelle: Holger Senzel
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Seit September brennt es in Australien.

"Dieses Feuer sind anders als alle, was ich je in 26 Jahren bei der Fire Brigade erlebt habe" - erzählt ein Feuerwehrmann. "Allein diese Größe - das macht mich immer noch sprachlos." Durch die extreme Trockenheit sei der Busch sehr leicht entzündlich. Und die Möglichkeiten, das Feuer zu kontrollieren, seien gering. "Das hier ist körperlich und mental unglaublich herausfordernd, aber wir sind ein gutes Team, wir passen aufeinander auf. Und wir haben alle das Bedürfnis, dem Feuer heimzuzahlen, was es uns angetan hat."

Australier verlieren wegen der verheerenden Buschbrände das Vertrauen in die Politik
tagesthemen 22:15 Uhr, 09.01.2020, Sandra Ratzow, ARD Singapur, zzt. Cobargo/Australien

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Trotz Feuers eine glückliche Gemeinde

An der wieder geöffneten Hauptstraße zwischen verkohlten Baumstümpfen wirbt ein halb verbranntes Schild für ein Frühstücks-Café. Dort verkaufen sie selbstgemachte Marmelade und Apfelkuchen - die Blue Montains sind berühmtes Obstanbaugebiet. Viele Plantagen habe das Feuer vernichtet - trotzdem seien sie eine glückliche Gemeinde, sagt die Kellnerin Mary:

"Wir haben hier immerhin noch eine Infrastruktur. Geschäfte, ein funktionierendes Telefonnetz, Straßen, Elektrizität. In vielen anderen Gemeinden ist die gesamte Infrastruktur zerstört. Es sind ja nicht nur die Häuser der Leute - sondern Schulen, Geschäfte, alles weg."

Rauchschwaden steigen über Stokes Bay auf Kangaroo Island in den Himmel | Bildquelle: DAVID MARIUZ/EPA-EFE/REX
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Auch auf Kangaroo Island haben die Feuer gewütet.

Premier Morrison steht in der Kritik

Premierminister Scott Morrison hat Kangaroo Island besucht - ein auch bei deutschen Urlaubern beliebtes Erholungs- und Naturschutzgebiet, Heimat für Wildtiere wie Seelöwen und Koalas, Pinguinkolonien. Die Feuer haben auch hier heftig gewütet.

Und seit der massiven Kritik an seinem Krisenmanagement ist der Regierungschef pausenlos unterwegs in den Katastrophengebieten - schaut sich Trümmer an, spricht Menschen Mut zu. "Wenigstens haben wir keine Verluste an Menschenleben zu beklagen", sagt Morrison bei seinem Besuch zwischen verkohlten Ruinen. Einen Moment herrscht betretenes Schweigen - es gab zwei Tote bei den Feuern auf Kangaroo Island.

Ein Monster wird gezähmt - Eindrücke von Australiens Feuerfront
Holger Senzel, ARD Singapur
09.01.2020 12:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Januar 2020 um 12:00 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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