Polizisten und FBI-Agenten untersuchen den Tatort einer Bombenexplosion in Austin.  | Bildquelle: dpa

Fünf explodierte Pakete Austin in Angst vor dem Serienbomber

Stand: 20.03.2018 13:11 Uhr

In Austin geht die Angst um. Seit Monatsbeginn explodierten dort bereits vier Paketbomben. Nun detonierte ein fünftes Paket. Die Polizei tappt noch im Dunkeln. Sie vermutet einen Serientäter.

Die US-Metropole Austin wird von einer unheimlichen Serie von Bombenexplosionen erschüttert. Vier Paketbomben sind in diesem Monat schon detoniert. Sie töteten zwei Menschen, vier wurden verletzt - zwei von ihnen schwer. Heute explodierte eine fünfte - in einem Gebäude des Transportdienstes FedEx in Schertz. Auch diese Kiste sollte wohl in der texanischen Stadt detonieren.

Die Ermittler tappen noch im Dunkeln. Kein Täter, kein Motiv. Die ersten drei Bomben waren auf Türschwellen abgelegt, die vierte wartete am Straßenrand, versehen mit einem Stolperdraht. Die fünfte war in Austin aufgegeben worden und an einen Empfänger in Austin addressiert - dass sie im 100 Kilometer entfernten Schertz hochging, scheint lediglich der Fed-Ex-Logistik geschuldet.

500 Ermittler im Einsatz

Logo des Logistikonzerns FedEx
galerie

Das fünfte Paket explodierte in einem Gebäude von FedEx.

In dem Gebäude des Transportdienstes befanden sich zum Zeitpunkt der Detonation 75 Menschen, einer erlitt nach Informationen des US-Senders ABC leichte Verletzungen. Das FBI geht davon aus, dass der Fall "möglicherweise im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen" in Austin steht.

Dort sind mehr als 500 Ermittler im Einsatz, um die rätselhafte Serie zu lösen. 100.000 Dollar Belohnung setzte die Polizei für Hinweise aus, dazu kommen 15.000 Dollar vom Gouverneur.

Polizei: Neue Stufe der Bedrohung

Die Polizei sprach nach der vierten Bombenexplosion am Sonntagabend von einer neuen Stufe der Bedrohung. Denn das Paket war mit einem Stolperdraht aus Auslöser versehen. So etwas könne nicht jeder, sagte Frederick Milanowski von der Bundespolizeibehörde ATF. Jede Berührung lasse einen gespannten Draht auslösen.

Die ersten drei Bomben waren - wie jetzt die fünfte - adressiert, die vierte nicht. Die Polizei appellierte direkt an den oder die Täter, mit den Ermittlern in Kontakt zu treten und etwaige Forderungen zu übermitteln. Bürgermeister Steve Adler mahnte zugleich die Einwohner:"Fassen Sie nichts an, wenn Sie etwas sehen. Pakete, Rücksäcke, gar nichts. Die Sorgen sind berechtigt und sehr real."

Pressekonferenz mit der Polizei von Austin | Bildquelle: AP
galerie

Die Polizei sprach nach der vierten Bombenexplosion am Sonntagabend von einer neuen Stufe der Bedrohung.

Erste Bomben deuteten auf Hassverbrechen hin

Bei der ersten Bombenexplosion am 2. März starb Stephan House, 39 Jahre alt. Am 12. März tötete die zweite Bombe Draylen Mason, er wurde nur 17 Jahre alt. Seine Mutter wurde schwer verletzt. Am gleichen Tag verletzte das dritte Paket eine 75 Jahre alte Frau. Sie wurde womöglich nur zufällig getroffen, denn das Paket war an eine andere Person addressiert. Vielleicht hatte die Frau es dort hintragen wollen.

Die 75-Jährige ist hispanischer Abstammung, die anderen Opfer Afroamerikaner. Das legte ein Hassverbrechen nahe, rassistische Hintergründe, aber die Polizei schloss auch andere Motive nicht aus. Bombe vier passte nicht ins Muster. Straßenrand statt Türschwelle, kein exakter Adressat, und die Opfer waren Weiße, zwei Männer in den Zwanzigern. Bomben eins bis drei explodierten im Osten der Stadt, Bombe vier im Südwesten, in einem Wohngebiet.

Polizei appelliert an Bombenbauer

Austin genießt den Ruf, eine der cooleren Städte der USA zu sein. Mitten im sonst oft konservativen Texas gelegen, beherbergt sie die größte Uni der USA mit mehr als 50.000 Studierenden, hat viele Live-Clubs, Bars und Bühnen. Weiße stellen knapp die Hälfte der fast 800.000 Bewohner, Hispanics mehr als ein Drittel, Afroamerikaner unter zehn Prozent. Die Stadt boomt kräftig, größte Arbeitgeber sind Internet- und Elektronikkonzerne.

Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass die Taten etwas mit der Trendmesse South by Southwest zu tun haben. Am Samstag war ein Konzert der Band "The Roots" abgesagt worden, weil es eine Bombendrohung gab. In dem Zusammenhang nahm die Polizei einen Verdächtigen fest. Sie appellierte an den Bombenbauer: "Wir wollen verstehen, was Sie zu diesem Punkt brachte."

Mit Informationen von Martina Buttler, ARD-Studio Washington, zurzeit Austin.

Vierter Bombenanschlag in wenigen Tagen in Austin
Martina Buttler, ARD Washington
20.03.2018 18:21 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. März 2018 um 07:24 Uhr.

Darstellung: