Der deutsche Außenminister Heiko Maas und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow | Bildquelle: dpa

Maas in Moskau "Das offene Wort suchen"

Stand: 11.08.2020 19:38 Uhr

Erstmals seit der Corona-Krise trafen sich der deutsche und der russische Außenminister wieder persönlich. Neben den Protesten in Belarus ging es auch um den Mord im Berliner Tiergarten.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Es gab viel zu besprechen beim ersten persönlichen Treffen des deutschen Außenministers Heiko Maas und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Auf der Tagesordnung standen die großen Krisen und Konflikte - von Syrien über Libyen bis hin zur Ostukraine.

Es ging aber auch um den Tiergarten-Mord, die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und die andauernden Proteste in Belarus nach der Präsidentenwahl. Dort hatte sich die Gallionsfigur der Opposition, Swetlana Tichanowskaja, nach Litauen abgesetzt. Wie es scheint, aus Angst vor Repressionen.

Direktes Gespräch statt Videoschalte

Nicht immer ging es bei Begegnungen zwischen dem deutschen und dem russischen Außenminister harmonisch zu. Dieses Treffen aber war beiden wichtig. Und das war zu spüren.

Er sei sehr froh, erklärte Russlands Außenminister Sergej Lawrow, dass man ganz offen auch über kontroverse Themen habe reden können. Und zwar anders als zu den Hochzeiten von Corona nicht per Videoschalte, sondern direkt, "einfach weil Deutschland und wir Partner und gute Freunde sind. Und wir wollen nicht, dass diese Zusammenarbeit von irgendwas überschattet wird", so Lawrow.

Mehr Schatten als Licht

Schatten hatte es zuletzt im deutsch-russischen Verhältnis allerdings mehr als Licht gegeben. Der Mord im Kleinen Tiergarten in Berlin, so Außenminister Maas, habe das Verhältnis belastet. Auch der Verdacht, dass Russland hinter den Hackerangriffen auf den Bundestag stehen könnte, wiegt schwer. Maas appelliert:

"Dort, wo es Klärungsbedarf gibt, ist es gut, das offene Wort zu suchen. So haben wir das auch in der Vergangenheit immer gehandhabt. Und deshalb habe ich auch noch einmal deutlich gemacht, dass wir die Sicherheit der Menschen in Deutschland online wie offline ohne Kompromisse schützen werden."  

Schützen - in diesem Punkt sind sich beide einig - werde man auf jeden Fall gemeinsame Projekte, wie die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zum Beispiel. Lawrow kritisierte den beispiellosen Sanktionsdruck seitens der Vereinigten Staaten:

"Die Teilnehmer des Projektes Nord Stream 2, einschließlich der russischen, deutschen und anderen Teilnehmer sind trotzdem fest entschlossen, dieses Projekt zu vollenden. Und wie ich es sehe, gibt es gute Gründe zu glauben, dass es in der nächsten Zeit auch vollendet wird."

Noch lange nicht am Ziel ist man mit Blick auf die Krisen und Konflikte in der Welt. Angefangen bei Libyen, über Syrien bis hin zur Ostukraine. Hier will man trotz aller Hindernisse und Differenzen weiter an politischen Lösungen arbeiten.

Maas fordert Freilassung belarussischer Demonstranten

Auch das Thema Belarus kam zur Sprache. Maas forderte die umgehende Freilassung friedlicher Demonstranten und Journalisten. Angesichts der Lage im Land müsse die Europäische Union über das Wiederinkraftsetzen von Sanktionen nachdenken. "Und dies dann auch sehr zügig", so Maas.  

In Belarus halten die Proteste an. Der Wahlstab von Swetlana Tichanowskaja, die Präsident Lukaschenko im Wahlkampf so erfolgreich Paroli geboten hatte, erklärte sich mit den friedlichen Demonstranten solidarisch.

Tichanowskaja selbst hat das Land verlassen. Offenbar auf großen Druck hin. In einem Video, in dem sie die Gründe für ihre Entscheidung nur andeutet, wirkt sie wie eine gebrochene Frau.

Außenminister Maas in Moskau - Von Nordstream II bis Belarus
Christina Nagel, ARD Moskau
11.08.2020 17:28 Uhr

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Über dieses Thema berichten die tagesthemen am 11. August 2020 um 22:15 Uhr.

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