Heiko Maas in Beirut | dpa

Maas fordert Reformen "So kann es im Libanon nicht weitergehen"

Stand: 12.08.2020 19:00 Uhr

Außenminister Maas ist mit einer Million Euro Soforthilfe in den Libanon gereist. Weiteres Geld soll folgen - wenn das Land Wirtschaftsreformen erlässt und die Korruption bekämpft.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Direkt nach seiner Ankunft im Libanon besuchte Außenminister Heiko Maas den Hafen von Beirut genau an jener Stelle, an der sich vor acht Tagen die gigantische Explosion ereignete. Das Maß an Verwüstung sei unvorstellbar, sagte der Minister sichtlich schockiert. Deutschland und die Europäische Union seien bereit dazu, dem Land zu helfen.

Der Minister betonte aber auch, dass es im Libanon nicht viel gebe, das so bleiben könne, wie es ist. Er glaube nicht, dass das Ausland bereit dazu sei, in dem krisengeschüttelten Land zu investieren, wenn es keine Reformen geben würde. Bei den Themen Wirtschaftsreformen und Korruptionsbekämpfung müssten den Worten nun Taten folgen.

Maas: "Die Wut der Menschen ist nachvollziehbar"

"Wir wollen, dass das Geld auch dort ankommt, wo es gebraucht wird und nicht in irgendwelchen Kanälen versickert, von denen es im Libanon leider zu viele gibt", so Maas. In Europa gebe es viel Interesse für den Libanon. Investoren bräuchten aber Rechtssicherheit. Auch an die Regierung richtete sich Maas mit mahnenden Worten:

Ansonsten hoffen wir, dass die politisch Verantwortlichen hier die Zeichen der Zeit erkannt haben. Die Wut der Menschen ist nachvollziehbar. Ich glaube, jeder im Libanon muss erkennen, dass es so nicht weitergehen kann.

20 Millionen Euro hatte Deutschland bereits als Soforthilfe zugesagt, eine Million davon überreichte Maas bei seiner Ankunft einem Vertreter des libanesischen Roten Kreuzes in Form eines Schecks. Er brachte außerdem Hygieneartikel mit, sie gehören zu einer Hilfslieferung des Deutschen Roten Kreuzes in Höhe von 1,5 Millionen Euro, die das Auswärtige Amt finanziert hat.

Hilfe muss schnell ins Land kommen

Derzeit ist es besonders wichtig, dass Hilfe schnell und unbürokratisch ins Land kommt. Es sei ein Wettlauf mit der Zeit, besonders wenn es um die Versorgung mit Lebensmitteln geht, erklärte Elisabeth Byrs, eine Sprecherin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen. Ihre Organisation würde jetzt Getreide und Mehl in einer Menge ins Land schaffen, die drei Monate reiche. Die erste Lieferung treffe innerhalb der nächsten zehn Tage ein.  

"Das ist eine gewaltige logistische Herausforderung. Wir müssen schnell sein, um die besonders bedürftigen Familien versorgen zu können", sagt Byrs. "Sie brauchen sofort unsere Hilfe. Trotzdem bleibt das alles eine Aufgabe, die nicht innerhalb weniger Tagen zu bewältigen ist."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2020 um 19:00 Uhr.