Boko-Haram-Terroristen Anfang Januar in der Nähe der Stadt Maiduguri (Screenshot aus einem Video von Boko Haram) | Bildquelle: AFP

Erneut Mädchen vermisst Die Angst vor Boko Haram ist immer da

Stand: 22.02.2018 21:12 Uhr

Nach dem Überfall auf eine Schule sind einige der von Boko-Haram-Terroristen entführten Mädchen wieder frei. Viele werden jedoch noch vermisst.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

Die Angst vor Boko Haram - hier im Norden Nigerias ist sie immer da. Als die Nachricht vom Überfall auf das Internat von Dapchi die Stadt Maiduguri erreicht, tritt diese Angst wieder offen zutage.

Viele Nigerianer fühlen sich erinnert an die Tragödie von Chibok. Im April 2014 hatte Boko Haram dort mehr als 270 Mädchen entführt. Mittlerweile sind 164 von ihnen freigelassen worden oder konnten fliehen. Die verbleibenden Mädchen sind immer noch in der Gewalt der Terrorgruppe.

Aus dieser Schule in Dapchi wurden zahlreiche Mädchen entführt. | Bildquelle: REUTERS
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Aus dieser Schule in Dapchi wurden zahlreiche Mädchen entführt.

Die Erinnerung an Chibok ist noch frisch

"Als ich die Nachricht von Dapchi erhielt, habe ich große Angst bekommen", sagt der Student Ibrahim Saleh, 17 Jahre alt. "Meine Schwestern sind auch auf einem Internat und die Erinnerung an die Chibok-Mädchen ist immer noch frisch."

An den Straßenständen wird jetzt viel darüber gesprochen. "Ich bin sehr besorgt, ich bin auch Mutter", sagt eine Frau. "Das zeigt doch, dass wir vom Frieden noch weit entfernt sind." Nur zu gut erinnern sie sich hier daran, wie es war, als Boko Haram die Stadt beherrschte.

In den Jahren 2014 und 2015 war es Boko Haram gelungen, größere Gebiete im Bundesstaat Borno einzunehmen, auch die Hauptstadt Maiduguri und einige Armeestützpunkte. "Es war schlimm, nie wusste man, wer gehört dazu und wer nicht. Wir lebten in Angst", sagt Ismail Alfa Abdulrahim.

Screenshot aus dem Boko-Haram-Video (Archiv) | Bildquelle: REUTERS
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Screenshot aus einem Boko-Haram-Video, das die in Chibok entführten Mädchen zeigen soll. (Archiv)

Zahl der Selbstmordanschläge verdoppelt

Boko Haram versucht seit dem Jahr 2009 im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias einen "islamischen Gottesstaat" zu errichten. In dem Konflikt sollen bereits mehr als 20.000 Menschen gestorben sein, mehr als zwei Millionen wurden vertrieben, die große Mehrheit von ihnen lebt immer noch in Flüchtlingslagern.

Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari beteuert immer wieder, dass Boko Haram geschlagen sei, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Zwar wurde die Terrorgruppe zurückgedrängt, doch die Menschen sind längst noch nicht sicher.

Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari (2. v. re.) empfängt das "Chibok-Mädchen" Amina Ali und ihre kleine Tochter. | Bildquelle: AP
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Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari (2. v. re.) empfängt das "Chibok-Mädchen" Amina Ali und ihre kleine Tochter.

Eine umfassende Recherche der BBC aus dem Januar zeigt, dass die Terrorgruppe immer noch sehr gefährlich ist. Nach ihren Erkenntnissen tötete Boko Haram allein im Jahr 2017 mehr als 900 Menschen. Die Zahl der Selbstmordattentate verdoppelte sich laut BBC 2017 gegenüber dem Vorjahr sogar.

Militäreinsätze allein reichen nicht

Viele Menschen sterben bei Überfällen der Terrorgruppe oder durch Selbstmordattentäter und Attentäterinnen, die von den Islamisten indoktriniert wurden und die dann in großen Menschenmengen ihre Sprengstoffgürtel zünden.

Erst am vergangenen Freitag sprengten sich drei junge Frauen in der Stadt Konduga auf einem Fischmarkt in Stücke. Zwar geht das nigerianische Militär seit Amtsantritt von Präsident Buhari verstärkt gegen die Terrorgruppe vor, doch der Kampf ist schwierig. Buharis Truppen konnten sie zurückdrängen, doch Boko Haram hält immer noch Rückzugsbiete - und hat Unterstützer in der Bevölkerung.

Der Kampf gleicht einem nicht enden wollenden Guerilla-Krieg, der kaum zu gewinnen ist. Militäreinsätze allein seien nicht genug, sagen Sicherheitsexperten. Wichtig sei auch, dass die Regierung mehr tue, um die Bevölkerung für sich zu gewinnen.

Ein Markt in der Stadt Maiduguri nach dem Anschlag einer Selbstmordattentäterin im August 2017 | Bildquelle: AFP
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Ein Markt in der Stadt Maiduguri nach dem Anschlag einer Selbstmordattentäterin im August 2017

Ein Graben um die Stadt

Die Menschen in Borno müssen mit der alltäglichen Gefahr leben. Um Maiduguri herum haben sie einen Graben gezogen, damit die Terroristen nicht in die Stadt gelangen. An den Eingängen ins Zentrum liegen Checkpoints - auch, um Maiduguri vor Selbstmordattentätern zu schützen. "Wir müssen wachsam sein", sagt Hassan Ladan. Er verdient sein Geld an der Straße, hilft beim Beladen und Entladen von Lastwagen. "Die Gefahr ist immer da. Unsere Regierung muss noch mehr tun, damit das endlich aufhört, und Boko Haram Geschichte wird."

Wieder Angst vor Entführungen durch Boko Haram
Alexander Göbel, ARD Rabat
23.02.2018 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2018 um 22:00 Uhr.

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