Emmanuel Macron | AFP

Frankreichs Atomversuche im Südpazifik "Die Nation hat eine Schuld"

Stand: 28.07.2021 14:10 Uhr

25 Jahre nach den letzten Atomtests Frankreichs im Südpazifik hat Staatschef Macron eine bessere Entschädigung der Opfer in Aussicht gestellt. Er gestand auch eine Schuld ein - um Vergebung bat er allerdings nicht.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat eine Schuld seines Landes gegenüber den Opfern von Atom-Versuchen in Französisch-Polynesien eingestanden. "Die Nation hat eine Schuld gegenüber Französisch-Polynesien", sagte Macron bei einem Besuch in dem französischen Überseegebiet. Allerdings verzichtete der Staatschef darauf - wie von Opfer-Verbänden gefordert - um Vergebung zu bitten.

Aufklärung und "Opfer ausfindig machen"

"Die Schuld ist die Tatsache, dass wir diese Tests durchgeführt haben", sagte Macron bei einer Rede in der Hauptstadt Papeete. "Insbesondere die zwischen 1966 und 1974, die nicht als sauber bezeichnet werden können." Er räumte ein, dass das Thema das "Vertrauen" zwischen Papeete und Paris beeinträchtige. Macron versprach Aufklärung und kündigte an, dass Opfer künftig besser entschädigt würden. Vertreter des französischen Staats sollten auch in die entferntesten Gegenden gehen, um Opfer ausfindig zu machen und ihnen bei der Beantragung von Entschädigungszahlungen zu helfen.

Ein Atompilz steigt nach der Explosion einer Atombombe 1971 über der französischen Pazifikinsel Mururoa in die Höhe. | picture-alliance / dpa

Frankreich hatte auf den Südsee-Atollen Mururoa und Fangataufa insgesamt 193 Atomwaffentests durchgeführt. Bild: picture-alliance / dpa

193 Atomtests und zahlreiche Krebserkrankungen

Frankreich hatte zwischen 1966 und 1996 auf dem Mururoa-Atoll und dem Fangataufa-Atoll in Französisch-Polynesien 193 Atomwaffentests unternommen. Zahlreiche Krebserkrankungen in der Region werden mit den umstrittenen Tests in Verbindung gebracht.

Die Opfervereinigung "193" - in Anlehnung an die Anzahl der Atomwaffentests - hatte zuvor eine Entschuldigung des Staatschefs gefordert. So wie Macron die Kolonisierung Algeriens als Verbrechen anerkannt habe, müsse er auch die Atomtests im Pazifik als "kriminell und eine Form der Kolonisierung" anerkennen, sagte der Vorsitzende der Vereinigung, Pater Auguste Uebe-Carlson.

"Keinerlei Fortschritt, nur Demagogie"

Das Wort "Entschuldigung" nahm Macron in seiner Rede nicht in den Mund. Tatsächlich verteidigte er grundsätzlich die Entscheidung seiner Amtsvorgänger ausgehend von Charles De Gaulle, Frankreich zu einer Atommacht zu machen. Dies habe auch dem Schutz von Französisch-Polynesien gedient, sagte Macron in Papeete.

Opfer-Vertreter Uebe-Carlson übte scharfe Kritik: "Es gibt keinerlei Fortschritt in dieser Rede, nur Demagogie." Der französische Staat verbreite weiterhin Lügen.

Für Macron ist es die erste Reise in das französische Überseegebiet. Ein für 2020 geplanter Besuch musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.