Titan II ICBM Interkontinentalrakete | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Niedrigster Stand seit 1967 USA veröffentlichen wieder Zahl der Atomsprengköpfe

Stand: 06.10.2021 07:44 Uhr

Zum ersten Mal seit vier Jahren veröffentlichen die USA wieder die Zahl ihrer Atomsprengköpfe: Es seien noch 3750. US-Präsident Biden möchte die Rüstungskontrollgespräche mit Russland wieder aufnehmen.

Nachdem der ehemalige US-Präsident Donald Trump die Zahl im September 2017 zum Militärgeheimnis erklärt hatte, hat die US-Regierung unter Joe Biden nun erstmalig wieder die Anzahl der Atomsprengköpfe veröffentlicht. Das Außenministerium teilte mit, dass am 30. September im vergangenen Jahr 3750 einsatzbereite und nicht einsatzbereite atomare Sprengköpfe im Besitz der USA waren.

Nach Angaben des Außenministeriums sind das 55 Sprengköpfe weniger als ein Jahr zuvor und 72 weniger als im September 2017. Zu der genannten Zahl kommen allerdings 2000 ausgemusterte Atomsprengköpfe hinzu. Sie sollen zurückgebaut werden.

Insgesamt ist es die niedrigste Zahl an nuklearen Sprengköpfen seit dem Höhepunkt des Kalten Kriegs mit der Sowjetunion.1967 hielten die USA 31.255 Atomsprengköpfe.

US-Außenministerium: Transparenz ist wichtig

Die Regierung unter Trump hatte die Abrüstungsvereinbarungen mit Russland in der letzten Legislaturperiode reduziert und stieg aus dem INF-Vertrag über die atomare Abrüstung bei Mittelstreckenraketen aus. Außerdem stockten die Verhandlungen über eine Verlängerung des New START-Vertrag zur Verringerung strategischer Waffen mit Russland - Trump trat damals erfolglos für eine Einbeziehung Chinas in das Vertragswerk ein.

Kurz nach seinem Amtsantritt unterzeichnete US-Präsident Biden den New START-Vertrag, der sonst am 5. Februar ausgelaufen wäre. Washington und Moskau verpflichten sich in dem Abkommen dazu, die Zahl der Atomsprengköpfe jeweils auf 1550 zu reduzieren.

Abrüstungsgespräche zwischen Russland und den USA

Biden will Rüstungskontrollgespräche mit Russland wieder aufnehmen. Transparenz bei den staatlichen Atomwaffenbeständen sei "wichtig für die Nichtweiterverbreitung und Abrüstungsbemühungen", so das US-Außenministerium.

Vergangene Woche gab es bereits Gespräche zwischen russischen und US-Diplomaten in Genf. Hinter verschlossenen Türen wurde über Nachfolgeabkommen für New START und über konventionelle Waffen beraten. Ein Teilnehmer der US-Seite fand die Gespräche „produktiv“. Beide Länder sehen die Gespräche als positives Zeichen.

Einer Zählung des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI in Stockholm vom Januar zufolge halten die USA 5550, Russland 6255, China 350, Frankreich 290 und Großbritannien 225 Atomsprengköpfe. Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea hätten zusammen rund 460 Atomsprengköpfe. SIPRI zählt auch ausgemusterte Sprengköpfe mit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Oktober 2021 um 08:00 Uhr.

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Moderation 06.10.2021 • 14:05 Uhr

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