Protest vor deutschem Konsulat in St. Petersburg | Bildquelle: Jevgenih Rudnij, ARD-Studio Mosk

Atomtransport nach Russland Streit über den strahlenden Abfall

Stand: 26.11.2019 14:24 Uhr

Per Gesetz darf kein radioaktiver Abfall aus Deutschland ins Ausland transportiert werden. Doch nun erreicht eine Ladung Uranabfall Russland - alles eine Frage der Deklarierung.

Von Mathea Schülke, WDR

In der russischen Hafenstadt Sankt Petersburg ist ein umstrittener Uranabfall-Transport aus dem nordrhein-westfälischen Gronau angekommen. In Deutschland und Russland protestieren Atomkraftgegner seit Wochen gegen die hochgiftigen, strahlenden Lieferungen. Sie haben Zweifel an der sicheren Lagerung in Russland.

Das Schiff mit dem deutschen Uranabfall kam nach Angaben des russischen Journalisten Ewgenij Rudnij am Vormittag am Außenhafen in Sankt Petersburg an. Gestern hatten Atomkraftgegner vor dem deutschen Konsulat dagegen protestiert: "Russland hat selbst genug eigenen atomaren Müll, wir brauchen den aus Deutschland nicht", kritisierte die lokale Umweltschützerin, Elena Schendera.

Das Frachtschiff "Mikhail Dudin" | Bildquelle: REUTERS
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Angaben von Greenpeace zufolge wurde der Uranabfall auf dem Schiff "Mikhail Dudin" transportiert.

Proteste in Deutschland und Russland

Die strahlende Fracht war am 18. November zunächst mit dem Zug von der Urananreicherungsanlage in Gronau gestartet. Kurz nach der Abfahrt war der Transport acht Stunden lang von Atomkraftgegnern blockiert worden.

Am Wochenende und am Montag hatten auch russische Atomkraftgegner in sieben Städten - darunter Moskau, Sankt Petersburg, Tscheljabinsk und Archangelsk - gegen die deutschen Transporte protestiert. Eine Petition von Greenpeace in Russland mit der Überschrift "Russland ist keine Müllhalde" haben schon mehr als 43.000 Menschen unterzeichnet.

Umstrittene Lieferungen von Uran nach Russland
tagesschau 12:00 Uhr, 26.11.2019, Demian von Osten, ARD Moskau

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Transporte wurden 2009 zunächst eingestellt

Geliefert wird das sogenannte Uranhexafluorid, ein Abfallstoff, der bei der Anreicherung von Uran für Atomkraftwerke anfällt. Er ist hochgiftig und schwach radioaktiv. Dass ihn die Firma Urenco bereits seit Mai wieder nach Russland transportiert, wurde erst im Oktober durch Nachfragen von Umweltschützern bekannt. Laut Verträgen mit dem russischen Atomkonzern ROSATOM sollen bis 2022 rund 12.000 Tonnen des Materials nach Russland gehen.

Recherchen des WDR haben zudem ergeben, dass der britische Teil des deutsch-britisch-niederländischen Gemeinschaftsunternehmens Urenco schon seit 2016 wieder Uranhexafluorid nach Russland liefert.

Entsprechende Transporte gab es schon einmal: von 1996 bis 2009. Nach Protesten in Deutschland und Russland wurden sie damals eingestellt. Zuvor hatten russische Umweltschützer dokumentiert, dass Tausende Uran-Fässer unter freiem Himmel bei extremen Temperaturen lagerten, rosteten und drohten undicht zu werden. "Wir haben nicht die Hoffnung, dass sich daran in den vergangenen zehn Jahren etwas geändert hat", sagt Alexandra Korolewa von der russischen Umweltorganisation "Ecodefense".

Kein Abfall, sondern "Wertstoff"

Die Firma Urenco hingegen teilte uns mit, "dass sie nur Länder beliefert, die vergleichbare Sicherheitsvorschriften vorweisen können". Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen die Sicherheit aber zuletzt vor acht Jahren überprüft. ROSATOM gab auf unsere Anfragen keine Stellungnahme ab.

Laut deutschem Atomgesetz dürfen radioaktive Abfälle nicht exportiert werden. Urenco spricht von einem "Wertstoff", "der einen wirtschaftlichen Vermögenswert darstellt" und in Russland wieder angereichert werden soll. Das gelingt allerdings nur zu einem sehr kleinen Teil, etwa zu zehn bis 20 Prozent. Dieser Teil geht anschließend nach Deutschland zurück. Der große Rest von 80 bis 90 Prozent bleibt aber in Russland - als strahlender, giftiger Abfall.

Aktivisten protestieren gegen die Ankunft eines Frachtschiffes "Mikhail Dudin", Sankt Petersburg. | Bildquelle: REUTERS
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Nicht nur in Deutschland, auch in Russland protestierten Aktivisten gegen den Uranabfall-Transport.

"Generationen werden mit ihrer Gesundheit bezahlen"

Der Nuklearexperte Christoph Pistner vom Öko-Institut ist deshalb überzeugt, dass die Entsorgungsfrage ein "treibender Faktor" für den Transport ist: "Die Anlage befreit sich damit von Mengen, für die sie sonst hier Zwischen- beziehungsweise Entsorgungskapazitäten schaffen müsste."

Der Vorsitzende der russischen Umweltorganisation "Ecodefense" wirft Urenco "billige Entsorgung" vor:

"Wir finden, dass es unmoralisch und zynisch ist, solche Abfälle in andere Länder zu transportieren, weil das in Russland dazu führt, dass ganze Generationen mit ihrer Gesundheit werden bezahlen müssen."

Umweltministerium: Keine Verstöße in Russland bekannt

Das Bundesumweltministerium sieht in den Transporten kein Problem. Man habe keine Kenntnis, dass Russland gegen internationale Standards verstoße. Die Fraktionen der Linkspartei und der Grünen sowie russische und deutsche Atomkraftgegner fordern den sofortigen Stopp der Transporte und die Schließung der Urananreicherungsanlage in Gronau.

Der nun in Sankt Petersburg angekommene Uranabfall soll vom Schiff auf einen Zug umgeladen und weitere rund 4000 Kilometer nach Novouralsk gebracht werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. November 2019 um 12:00 Uhr.

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