Atlantikküste in Südengland | picture alliance / Zoonar

Forscher in Potsdam Sorgen um Meeresströmung im Atlantik

Stand: 05.08.2021 18:32 Uhr

Eine Meeresströmung im Atlantik hat möglicherweise so stark an Stabilität verloren, dass es zu einem Zusammenbruch dieses Systems kommen könnte. Forscher warnen vor weltweiten Konsequenzen für das Wetter.

Eine wichtige Strömung im Atlantik hat möglicherweise an Stabilität verloren. Das geht aus einer Studie im Fachjournal "Nature Climate Change" hervor, über die das daran beteiligte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) informierte. Gewarnt wird vor Konsequenzen für Wettersysteme weltweit.

In der Studie geht es um die Atlantische Umwälzströmung (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC), zu der auch der Golfstrom gehört. Diese Umwälzströmung transportiere warme Wassermassen aus den Tropen an der Meeresoberfläche nach Norden und kaltes Wasser am Meeresboden nach Süden. Für die relativ milden Temperaturen in Europa sei das von großer Bedeutung.

Zusammenbruch könnte schwerwiegende Folgen haben

"Die AMOC ist eines der wichtigsten Zirkulationssysteme unseres Planeten", erläuterte der Autor der Studie, Niklas Boers. Er verwies darauf, dass diese Umwälzströmung in der Erdgeschichte bereits neben dem aktuellen starken Zustand auch einen alternativen, wesentlich schwächeren Zustand eingenommen habe. Zwischen diesen beiden Zuständen seien "grundsätzlich auch abrupte Übergänge" möglich. Ein kompletter Zusammenbruch dieses Strömungssystems könnte aber schwerwiegende Folgen haben.

Derzeit ist das Strömungssystem der Studie zufolge "so schwach ist wie nie zuvor in den vergangenen Tausend Jahren". Unklar war laut Boers bisher, ob damit lediglich eine Änderung des mittleren Zirkulationszustands einhergehe oder ein tatsächlicher Verlust an dynamischer Stabilität.

Der Unterschied sei entscheidend, betonte Boers, denn eine Verringerung der dynamischen Stabilität würde bedeuten, dass ein "in der Praxis wahrscheinlich unumkehrbarer Übergang zum schwachen Zirkulationsmodus stattfinden könnte". Mehrere Indizien deuten laut Boers darauf hin, dass die Abschwächung "wahrscheinlich das Herannahen einer kritischen Schwelle bedeutet, jenseits derer das Zirkulationssystem zusammenbrechen könnte".

Mehr Süßwasser durch Grönland-Eis

Für die Entwicklung seien eine Reihe von Faktoren von Bedeutung, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Dazu gehöre der Süßwasser-Zufluss durch das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds, durch das schmelzende Meereis, durch zunehmende Niederschläge und durch Wasser aus Flüssen. Süßwasser verringere die Tendenz des Wassers im Nordatlantik, von der Oberfläche in größere Tiefen abzusinken, was einer der Antreiber der Umwälzung sei.

Klimawandel ist beteiligt

"Ich hätte nicht erwartet, dass die zusätzlichen Mengen an Süßwasser, die im Laufe des letzten Jahrhunderts in den Ozean flossen, bereits eine solche Reaktion der AMOC hervorrufen würden", erklärte Boers. Daher müssten vorhandene Modelle "dringend mit den vorliegenden Beobachtungen in Einklang" gebracht werden, um zu beurteilen, wie weit die Umwälzströmung tatsächlich noch vom kritischen Schwellwert entfernt sei.

Auch wenn die jeweilige Bedeutung der verschiedenen Faktoren noch weiter untersucht werden müsse, stünden sie jedenfalls "mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel in Verbindung".

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 05. August 2021 um 19:00 Uhr.

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