Astronauten-Nahrung | Bildquelle: dpa

Essen auf der ISS Want some Spätzle?

Stand: 19.03.2018 17:36 Uhr

Ein glibbriges, kaum zu bestimmendes Etwas aus der Tube: So hat man sich früher Weltraumnahrung vorgestellt. Wenn Alexander Gerst im Juni zur ISS startet, geht es kulinarisch anders zu. Dann heißt es im All: Want some Spätzle?

Von Eckart Aretz, tagesschau.de

Ältere, hartgesottene Astronauten, die die Raumfahrt noch als wilden Ritt in rüttelnden Raketen kennen, mögen darüber müde schmunzeln: Der zeitgenössische Aufenthalt im All hält allerlei Annehmlichkeiten bereit und ist auch darauf ausgerichtet, kulinarisch nach den Sternen zu greifen.

Nehmen wir als Beispiel Alexander Gerst, der sich selbst gerne Astro-Alex nennt. Ein Mann des Volkes also, und als solcher will er auch auf der Internationalen Raumstation ISS mit seinen Mitreisenden Serena Aunon-Chancellor und Sergej Prokopjew auf seine Lieblingsspeisen nicht verzichten, die durchaus deftig sind.

Im Juni geht es vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur wieder ins All, aber schon vorher schickt die Europäische Raumfahrtagentur ESA sechs "Bonus-Food-Varianten" zur Raumstation, die eigens für und mit Gerst kreiert wurden.

Da wäre zum Beispiel die bewährte schwäbische Kombination von Linsen, Spätzle und Würstchen. Ausgesprochen proteinreich ist das, denn so mag es Astro-Alex.

Ein näherer Blick in die Dose zeigt: Hier wurde mit Fleischbrät nicht geknausert. In der Dosenfutter-Reklame würde man sagen: mit ganzen Stückchen. Ebenfalls mit an Bord kommen auf seinen Wunsch Maultaschen mit Spinat und Hühnerrahm-Geschnetzeltes.

Und all das reichlich, denn Gerst soll auch mal einen für eine Mitreisenden raushauen dürfen. Man sieht sich ja vor lauter Experimenten an Bord sonst so selten. Dafür darf er dann darauf hoffen, seinerseits eingeladen zu werden. Wer gibt, dem wird gegeben - das gilt gerade in luftiger Höhe.

Ob's allerdings auf der ISS genau so schmeckt wie hienieden, ist nicht gesichert. Vielmehr weiß man sogar ziemlich genau, dass es in der Schwerelosigkeit anders mundet als auf Erden. Also muss schon vorher beherzt gewürzt werden, damit es in der ISS wegen anhaltend faden Essens nicht zu Ausschreitungen kommt.

Apropos salziges Essen: Andreas Mogensen, immerhin der erste Däne im Weltall, bekommt als Bonusessen lecker Corned Beef, Vanillerand mit Rharbarber und Weltraumwürfeln - was immer das auch sein mag. Selbstverständlich gebietet es die Höflichkeit im Weltraum und auf engem Raum, nicht länger nachzufragen.

Allerdings: Nur á la carte geht auch im All nicht, die ESA ist schließlich kein Kochstudio, und so gehen mit der Wunschnahrung auch 16 Standardmenus mit nach oben. Der geübte Camper erkennt: Die Dosen, liebvoll gefüllt von der Lufthansa-Tochter LSG, würden auch auf einem Espitkocher passen. Geht im All natürlich nicht. Dort muss man sie zwischen zwei Wärmeplatten spannen, eine halbe Stunde warten und dann nicht überhastet auslöffeln. Die LSG versichert im übrigen: Es schmeckt auch kalt.

Zum Schluss kommen wir auf den Anfang zurück, auf Alexander Gerst, der uns den Anlass gegeben hat für diese heiteren Zeilen. Diese Meldung wäre nicht vollständig ohne ein großflächiges Bild von ihm und der Zusicherung: Herr Gerst muss keinen Müll raustragen! Denn all die leergelöffelten Dosen, Strohhalme, Krümelreste und was sonst an Bord noch so anfällt, werden in einen Sack gekloppt und dann in einem fliegenden Müllcontainer einfach vor die Tür geschmissen. Wie früher in der Kommune. Irgendwo in den unendlichen Weiten des Weltraums verglüht er dann ganz leise, wie eine kurz aufleuchtende Abfall-Sternschnuppe. Gar nicht so schlecht, so ein Leben im Weltraum ...

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 19. März 2018 um 18:00 Uhr.

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