Astronaut Alexander Gerst am 12.06.2014 blickt durch ein Fenster in der ISS in den Weltraum | dpa

Gersts Training fürs All Erst die Qualen, dann die Sterne

Stand: 05.06.2018 12:10 Uhr

Morgen startet Alexander Gerst mit einer Rakete zur ISS. Für das Leben auf dem Außenposten der Menschheit hat der deutsche Astronaut zwei Jahre lang trainiert - und ist dabei an seine Grenzen gegangen.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Wer in den Weltraum will, muss durch eine Ausbildung, die man sich kaum härter vorstellen kann. Körperlich und psychisch werden die Raumfahrer an ihre Grenzen gebracht - und das monatelang. Sie trainieren komplizierte Manöver, wie das Andocken an die Raumstation. Und sie müssen auf jeden Notfall vorbereitet sein. Alexander Gerst hat die Steuerung des "Sojus"-Raumschiffs im Simulator trainiert - im russischen Kosmonautentrainingszentrum bei Moskau.

Markus Sambale ARD-Studio Moskau

"Da gibt es schon auch immer wieder Tage, wo man aus dem Trainer rauskommt, und man ist völlig schweißnass gebadet", sagt er. "Vor allem dann, wenn die Ventilation für den Raumanzug ausfällt, das gibt es auch. Dann sitzt man fast drei Stunden ohne Ventilation kurz vorm Überhitzen, und man verliert zwei Liter Wasser."

Gewappnet für die Katastrophe

Die Raumfahrer erleben im Simulator verschiedene Katastrophenszenarien. Bei einem Feuer an Bord kommt es auf jede Sekunde an. In einer riesigen Zentrifuge werden die Raumfahrer einem Vielfachen der normalen Belastung ausgesetzt. Neben der körperlichen Fitness ist ständig der Kopf gefragt.

Um dieses Raumschiff überhaupt steuern zu können, müsse man ein Jahr lang Theorien über sich ergehen lassen, zum Teil bis ins tiefste Detail, sagt Gerst. Er musste die Schaltpläne für alle Systeme studieren.

Das Training für Gerst und seine Kollegen fand nicht nur im legendären "Sternenstädtchen" in der Nähe von Moskau statt, sondern auch bei der NASA in Houston. Und in Köln, im Europäischen Astronautenzentrum. Dort wurden vor allem die wissenschaftlichen Experimente vorbereitet, die an Bord der Internationalen Raumstation betreut werden.

Alexander Gerst bei einem Außeneinsatz während seiner ersten ISS-Mission | dpa

Während seiner ersten ISS-Mission befand sich Alexander Gerst auf einem Außeneinsatz. Bild: dpa

Verantwortung für die gesamte Raumstation

Dass man während der Trainingszeit nicht alles behalten könne, sei normal, erklärt Alexander Gerst. "Die Kunst des Astronautendaseins ist ja, dass man unnütze Informationen von nützlichen trennt und filtert." Man trainiere jahrelang, und man bekomme so viele Details zu hören, die man sich niemals merken könne. "Wir sind ja auch nur ganz normale Menschen, aber wir müssen unterscheiden, was wichtig ist und was nicht."

Was Gerst bei der Ausbildung diesmal geholfen hat: Er war vor vier Jahren schon einmal im Weltall und weiß deshalb besser, worauf es ankommt. "Vor meinem ersten Flug konnte ich das noch nicht so genau abschätzen", sagt er. Er habe im Zweifelsfall lieber versucht, sich ein bisschen mehr zu merken, "das ist natürlich anstrengender." Das habe er jetzt besser gelöst. "Und dadurch habe ich Kapazitäten frei."

Zusätzliche Kapazitäten braucht Gerst in der Tat für eine besondere Aufgabe: Er wird auf der ISS für einige Monate das Kommando übernehmen. Was es heißt, die Verantwortung für die gesamte Raumstation zu haben und ein Team zu führen - auch das gehörte für Gerst diesmal zur Vorbereitung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Juni 2018 um 06:38 Uhr.