10. Todestag von Astrid Lindgren Sie machte Kindern die Welt, wie sie ihnen gefällt

Stand: 28.01.2012 00:26 Uhr

Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga oder Karlsson vom Dach - alle diese Helden erweckte sie zum Leben: Astrid Lindgren. Heute vor zehn Jahren ist die schwedische Kinderbuchautorin gestorben. Doch vergessen hat sie - vor allem in ihrem Heimatland - niemand.

Von Albrecht Breitschuh, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Trauerzug für Astrid Lindgren
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Lindgrens Trauerzug glich einem Staatsbegrägnis: Zehntausende säumten die Straßen in Stockholm.

"Danke, Astrid, danke für alles, was du uns gegeben hast. Du warst Schwedens am meisten gelesene und beliebteste Schriftstellerin. Du hast wie wenige die Kinder gesehen - in ihrer Not, in ihrer Kraft, in ihrem ganzen Wert. Du hast Millionen Kindern in aller Welt eine Stimme gegeben." Das sagte der tief bewegte Ministerpräsident Schwedens, Göran Persson, zum Tode der beliebten Kinderbuchautorin.

Zehn Jahre ist das nun her, aber im schwedischen Alltag ist Astrid Lindgren so präsent, dass es dieses Todestages nicht bedarf, um an sie zu erinnern.

Ihre Geschichten sind unsterblich

Eine Rede mit dem Titel "Niemals Gewalt", die sie 1978 in der Frankfurter Paulskirche hielt, als sie mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, wird nun neu verlegt. In Schweden lacht einen das Erbe Astrid Lindgrens ohnehin in fast jedem Buch- oder Spielzeugladen an. Es gibt kein Souvenirgeschäft in der Altstadt von Stockholm, das keine Pippi-Langstrumpf-Perücken im Angebot hätte.

Lindgrens Tochter will die Wohnung zum Museum machen

Aber auch ihre Wohnung in Dalagatan 46 sieht noch so aus, als wäre die Hausherrin nur mal kurz die Zeitung holen. Lennart Holmberg, der Besitzer ihres Stammrestaurants "Vasahof", hat die Schlüssel in Verwahrung und führt Besucher herum: "Hier hat Astrid Lindgren gelebt. Da war das Schlafzimmer, hier das Arbeitszimmer, da drüben, am Fenster, steht ihre Schreibmaschine. Hier die Bilder, all die schönen Sachen, da drüben, da hängt das erste Bild von Pippi", sagt Holmberg.

Wohnung von Astrid Lindgren in Stockholm
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Bald für die Öffentlichkeit geöffnet? Lindgrens Wohnung in Stockholm.

Schon zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2007 gab es die Idee, aus ihrer Wohnung einmal ein Museum werden zu lassen. Umgesetzt ist die Idee bis heute nicht, auch wenn Lindgrens Familie weiter daran arbeitet. Immerhin seien in der Wohnung die meisten ihrer Bücher geschrieben worden, sagt ihre Tochter Ingrid Nyman. Die Mutter verließ die Wohnung nicht gerne. Anders als ihre Romanhelden sei Astrid Lindgren ein Stubenhocker gewesen.

"Ich kann sie ganz deutlich vor mir sehen, wie sie da im Flur sitzt. Den haben wir als Esszimmer benutzt. Es war eine Vier-Zimmer-Wohnung mit einem großen Flur", erzählt ihre Tochter. Und weiter: "Da sehe ich sie vor mir, wie sie da am Esstisch sitzt; beim Frühstück, beim Mittag, beim Abendbrot. Normalerweise lag sie immer auf dem Bett und schrieb Bücher."

Ein Kinderbuchpreis erinnert jährlich an die beliebte Schriftstellerin

"Pippi Langstrumpf" | Bildquelle: picture alliance /
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"Pippi Langstrumpf" ist Lindgrens bekannteste Heldin. Ihr voller Name ist: "Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf"

Michel aus Lönneberga, Madita, Pippi, die Gebrüder Löwenherz - kleine Heldinnen und Helden, die alle einmal die Wohnung in Dalagatan 46 verließen, um die Kinder in der ganzen Welt zu verzaubern. Und auch Karlsson, dessen Büro gleich um die Ecke im Vasaviertel auf dem Dach ist, hat viele Kinder beeindruckt.     

Welche Wertschätzung Astrid Lindgren in Schweden heute noch genießt, zeigt sich jährlich, wenn der nach ihr benannte Kinderbuchpreis vergeben wird. Gestiftet wird er von der Regierung und ist mit 545.000 Euro der am höchsten dotierte Preis für Kinder- und Jugendliteratur weltweit. Für so viel Geld hätte selbst Pippi tief in ihren Goldkoffer greifen müssen. 

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