Zwei leere Ampullen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca. | AFP

Impfstofflieferung EU macht Druck auf AstraZeneca

Stand: 23.03.2021 15:48 Uhr

300 Millionen Impfstoffdosen hat die EU bei AstraZeneca bestellt - geliefert wurde bislang nur ein Bruchteil. Brüssel will nun alle "zur Verfügung stehenden Mittel" nutzen, um die bestellten Dosen zu bekommen.

Für den Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca wird ein Ausfuhrstopp der EU wohl immer wahrscheinlicher. Im EU-Parlament kündigte die Kommission ein entschiedenes Vorgehen gegen die Lieferausfälle an. "Wir werden handeln" und "alle Instrumente nutzen, die uns zur Verfügung stehen, um die Dosen zu bekommen", sagte die für Gesundheit zuständige Generaldirektorin Sandra Gallina. Wie genau dies aussehen könnte, ließ die Italienerin allerdings offen.

AstraZeneca hängt mit seinen Lieferungen an die EU deutlich hinterher. Statt der ursprünglich anvisierten 120 Millionen Impfdosen sollen im ersten Quartal nur 30 Millionen kommen, im zweiten Quartal 70 statt 180 Millionen Dosen.

"Ja, es ist eine Schande"

Die Lieferausfälle und der holprige Impfstart hätten dem Ansehen der EU-Institutionen erheblich geschadet, sagte Gallina. "Diese schlechte Performance von AstraZeneca hat ein Reputationsproblem für uns alle geschaffen, sei es die Kommission oder die Mitgliedsstaaten. Ja, es ist eine Schande." Viele Menschen stürben, weil der Impfstoff nicht geliefert werde.

Die EU-Kommission, welche die Impfstoffbeschaffung im Namen der Mitgliedstaaten organisiert, steht wegen der allgemeinen Knappheit von Corona-Impfstoffen in der Kritik.

Von fünf Anlagen läuft nur eine

AstraZeneca begründet die Lieferengpässe damit, dass die Probleme hauptsächlich in Produktionsstätten in der EU aufgetreten seien. Gallina sagte dagegen, dass das Unternehmen den europäischen Markt laut Vertrag aus fünf Produktionsstätten versorgen müsse. Stattdessen produziere es nur in einem einzigen Werk.

Ein anderes Werk aus dem Vertrag müsse noch von der Europäischen Arzneimittel-Agentur zugelassen werden. Dieses Verfahren sei gerade erst vom Unternehmen gestartet worden. "Es ist klar, dass es unmöglich ist, einen Vertrag zu erfüllen, wenn man von fünf Anlagen nur eine laufen hat."

Keine Exportverbote für andere Hersteller

Brüssel liegt vor allem im Streit mit Großbritannien, das von Lieferproblemen bei AstraZeneca bislang deutlich weniger betroffen ist und zugleich große Mengen Impfstoff anderer Hersteller aus der EU importiert. Im Zentrum der Debatte um Exportbeschränkungen steht nun ein Werk in den Niederlanden, das bald die Produktion von AstraZeneca-Impfstoff aufnehmen soll. Die EU und Großbritannien beanspruchen die künftige Produktion nach Angaben aus Brüssel und London jeweils für sich.

Kommissionsvertreterin Gallina schloss aus, dass die EU auch Impfstoffexporte anderer Hersteller blockieren würde. BioNTech/Pfizer und Moderna etwa würden ihre Verpflichtungen gegenüber der EU erfüllen, "und das ist, was für uns zählt", sagte die Italienerin.

Exportstopp auch Thema beim EU-Gipfel

Das Thema dürfte auch beim Videogipfel der EU-Staats- und Regierungschef am Donnerstag und Freitag zur Sprache kommen. Ein niederländischer Regierungsvertreter sprach sich grundsätzlich für einen Kompromiss aus. Ein Ausfuhrverbot wäre ein "Lose-Lose-Szenario". Den Haag werde aber der Kommission in ihrer Entscheidung folgen - und notfalls den Exportstopp durchsetzen, fügte er hinzu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Unterstützung zu. Sie sprach sich aber auch gegen "generelle Exportverbote" für Corona-Impfstoffe aus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. März 2021 um 15:06 Uhr.