Das Foto zeigt das Logo des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie AstraZeneca setzt Impfstoff-Tests aus

Stand: 09.09.2020 04:57 Uhr

Bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Corona gibt es einen möglichen Dämpfer. Der Pharmakonzern AstraZeneca hat die letzte Testphase gestoppt, weil ein Proband erkrankt ist.

Der Pharmakonzern AstraZeneca hat die klinische Studie für seinen Corona-Impfstoff vorsorglich gestoppt, nachdem bei einem der Teilnehmer gesundheitliche Probleme aufgetreten sind. Das sei eine Routinemaßnahme für solche Fälle, teilte das britische Unternehmen mit. "In großen Versuchsreihen treten Erkrankungen zufällig auf, müssen aber von unabhängiger Seite untersucht werden, um das gründlich zu überprüfen."

AstraZeneca werde die Untersuchung beschleunigen, damit sich das Zulassungsverfahren für den Impfstoff so wenig wie möglich verzögere, hieß es weiter. Bei der Überprüfung geht es letztlich darum festzustellen, ob die gesundheitlichen Probleme vom Impfstoff ausgelöst wurden. Während des Stopps sollen keine weiteren Studienteilnehmer geimpft und bisher geimpfte Personen weiterhin beobachtet werden.

Konzern geht von Einzelfall aus

AstraZeneca geht von einem Einzelfall aus und nannte keine Einzelheiten zu den aufgetreten Nebenwirkungen bei dem Probanden, lediglich von "einer potenziell unerklärlichen Krankheit". Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich bei dem gesundheitlichen Problem um Transverse Myelitis handele - eine Entzündung, die das Rückenmark treffe und von Vireninfektionen ausgelöst werden könne.

Der Impfstoff befindet sich derzeit in der dritten und abschließenden Studien-Phase. AstraZenecas Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen und soll das Immunsystem auf Trab bringen, damit es SARS-CoV-2 im Falle einer Infektion unschädlich machen kann.

Tests in mehreren Ländern

Im August hatte der Pharma-Riese begonnen, 30.000 Probanden in den USA für seine größte Studie an dem Impfstoffkandidaten zu rekrutieren. Getestet wird das von der Universität Oxford produzierte Vakzin auch an Tausenden Menschen in Großbritannien, kleinere Studien gibt es in Brasilien und Südafrika.

Groß angelegte letzte Testphasen laufen auch für zwei weitere Impfstoffkandidaten: Einer wird von Moderna Inc. hergestellt, der andere vom Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und dessen US-Partner Pfizer. Diese zwei Impfstoffaspiranten wirken anders als das Mittel von AstraZeneca.

Keine Kompromisse in Sachen Sicherheit

AstraZeneca und acht weitere Pharma- und Biotech-Unternehmen hatten erst am Dienstag versichert, dass sie bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs keine Kompromisse bei der Sicherheit machen werden.

Dieser ungewöhnliche Schritt folgte mit Blick auf Bedenken, dass es vor allem in den USA politischen Druck zwecks einer Eil-Zulassung erster Impfstoffe vor der Präsidentenwahl am 3. November geben könnte. US-Präsident Donald Trump verspricht fast täglich, dass es bis Jahresende oder möglicherweise schon bis zur Wahl einen Impfstoff geben werde.

Proband krank: AstraZeneca stoppt Tests mit Corona-Impfstoff
Claudia Sarre, ARD Washington
09.09.2020 06:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. September 2020 um 04:56 Uhr.

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