Das Foto zeigt das Logo des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie AstraZeneca setzt Impfstoff-Tests fort

Stand: 12.09.2020 17:38 Uhr

Die Universität Oxford will die Tests eines Corona-Impfstoffs des Pharmakonzerns AstraZeneca wieder aufnehmen. Der Verdacht, dass eine Probandin unter möglichen schweren Nebenwirkungen leide, sei ausgeräumt worden.

Nach einer mehrtägigen Unterbrechung hat die Universität Oxford eine Wiederaufnahme der Tests für ihre Corona-Impfstoffentwicklung mit dem Pharmakonzern AstraZeneca angekündigt. Die Studie war ausgesetzt worden, weil bei einer britischen Probandin mögliche Nebenwirkungen vermeldet worden waren.

Bei großen Studien wie dieser entspreche es den Erwartungen, dass manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich nicht wohl fühlten, und jeder Fall müsse sorgsam untersucht werden, um eine vorsichtige Einschätzung der Sicherheit sicherzustellen, teilte die britische Hochschule mit.

Ein Sprecher von AstraZeneca hatte in den vergangenen Tagen erklärt, dass bei einem Probanden ernste neurologische Symptome aufgetreten seien, weswegen die Studie ausgesetzt worden sei. Das sei eine Routinemaßnahme für solche Fälle, teilte das britische Unternehmen mit. "In großen Versuchsreihen treten Erkrankungen zufällig auf, müssen aber von unabhängiger Seite untersucht werden, um das gründlich zu überprüfen."

Multiple Sklerose soll Auslöser sein

Nun stellte sich jedoch heraus, dass es sich um einen nicht diagnostizierten Fall von Multipler Sklerose handelte, der nicht mit dem Impfstoff in Zusammenhang stand, teilte die Universität Oxford mit.

Soumya Swaminathan, Chefwissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation, sagte, die UN-Gesundheitsbehörde sei nicht übermäßig besorgt über die Unterbrechung der Impfstoffstudie. Er nannte sie einen "Weckruf", der die die Weltgemeinschaft an unvermeidliche Höhen und Tiefen der medizinischen Forschung erinnere.

Der Impfstoff befindet sich derzeit in der dritten und abschließenden Studien-Phase. AstraZenecas Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen und soll das Immunsystem auf Trab bringen, damit es Sars-CoV-2 im Falle einer Infektion unschädlich machen kann.

Tests in mehreren Ländern

Im August hatte der Pharma-Riese begonnen, 30.000 Probanden in den USA für seine größte Studie an dem Impfstoffkandidaten zu rekrutieren. Getestet wird das von der Universität Oxford produzierte Vakzin auch an Tausenden Menschen in Großbritannien, kleinere Studien gibt es in Brasilien und Südafrika.

Groß angelegte letzte Testphasen laufen auch für zwei weitere Impfstoffkandidaten: Einer wird von Moderna Inc. hergestellt, der andere vom Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und dessen US-Partner Pfizer. Diese zwei Impfstoffaspiranten wirken anders als das Mittel von AstraZeneca.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 12. September 2020 um 16:58 Uhr.

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