Erdnaher Asteroid - Animation der Firma "Planetary Resources"

Forschungsprojekt der EU Raketen im Kampf gegen Asteroiden?

Stand: 16.07.2012 15:46 Uhr

Er hat eine Energie von etwa 100.000 Hiroshima-Bomben und soll im Jahr 2029 knapp an der Erde vorbeischrammen: Der Asteroid Apophis. Die EU erforscht, wie sich Asteroiden beeinflussen und umlenken lassen. Denn die Gefahr eines Einschlags ist Experten zufolge alles andere als Science-Fiction.

Von Birgit Schmeitzner, BR-Hörfunkstudio Brüssel

Hollywood berauscht sich immer wieder an Horrorszenarien. Was tun, wenn ein Asteroid auf die Erde zurast, Millionen Menschen um ihr Leben fürchten müssen und man sich bang fragt: Wer wird überleben?

Nun könnte man meinen: Gut ausgedachte Fiktion - das schauen wir uns im Kino an und gruseln uns ein bisschen - aber Realität wird das nie. Doch am 13. April 2029 wird der Asteroid Apophis hart an der Erde vorbeischrammen, irgendwo in rund 36.000 Kilometern Höhe zwischen Atmosphäre und unseren Fernsehsatelliten.

EU-Projekt: Schutz gegen Asteroiden-Einschlag
B. Schmeitzner, BR Brüssel
16.07.2012 14:37 Uhr

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Abwehrstrategien gegen eine reale Gefahr

"Im Prinzip ist das ein Streifschuss", sagt Hartwig Bischoff. Der 63-jährige Nuklear- und Raumfahrtexperte der EU-Kommission ist die treibende Kraft hinter einem Projekt, das Abwehrstrategien entwickeln soll. Denn die Gefahr ist real, dass irgendwann ein Brocken mit mehreren hundert Metern Durchmesser nicht an der Erde vorbeirast, sondern aufprallt - mit katastrophalen Folgen. "Apophis hat eine Einschlagenergie von etwa 100.000 Hiroshima-Bomben." Was also tun?

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Erdnahe Asteroiden: Die EU erforscht Abwehrstrategien gegen die Gefahr aus dem All.

Antworten soll ein internationales Team von Wissenschaftlern finden. Und allein schon das ist eine Sensation: Die Europäer holten die Amerikaner mit ins Boot. Die Russen und auch die Chinesen meldeten schon ihr Interesse an. Koordiniert wird das EU-Projekt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin.

Forschungsgelder, die nicht ausreichen

Erst einmal hat Brüssel dafür vier Millionen Euro locker gemacht. Das Ziel lautet: Asteroiden entdecken und Möglichkeiten finden, ihre Bahn zu beeinflussen und sie von der Erde wegzulenken - Aktionen, die viele Milliarden Euro kosten würden.

Bischoff zufolge könnte man einen Asteroiden mit Raketen aus der Bahn schieben. "Sie bringen eine große Masse, eine Rakete, in die Nähe von einem Asteroiden und schieben ihn dann mit sehr kleinen Raketentriebwerken aus der Bahn."

Das dauert allerdings ein paar Jahre. Und wenn nichts anderes mehr hilft, dann kann man natürlich etwas explodieren lassen, notfalls auch eine Atombombe - so wie im Kinohit Armageddon - einen Film, den natürlich auch Hartwig Bischoff gesehen hat. "Man muss da ein wenig lächeln, wenn Bruce Willis den Bohrer ansetzt und versucht, eine Atombombe zu vergraben. Aber ansonsten ist das eine medienwirksame Aufklärung." Und das sei gut - denn die Gefahren, die von den Gesteinsbrocken im All ausgehen, ist für viele unwirklich und abstrakt.

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Ausbeutung von Asteroiden

Ein US-amerikanisches Unternehmen will Rohstoffe künftig im All sammeln (25.04.2012).

Erdnahe Asteroiden - Animation der Firma "Planetary Resources"

Die Idee klingt verrückt: die Ausbeutung von rohstoffreichen Asteroiden mittels Robotern. Binnen zehn Jahren will die US-Firma "Planetary Resources" so weit sein, die Schätze im Weltall zu heben.

Nur die Finanzkrise im Blick?

Experten wie Bischoff würden sich wünschen, dass die Politik gegensteuern würde. Die Bewältigung der aktuellen Finanzkrise sei wichtig, sagt er. Aber hier gehe es doch um unseren Lebensraum. Da wundere er sich manchmal schon.

"Wir streiten uns über viele Sachen, die eigentlich unwichtig sind. Aber in diesem Fall haben wir keine Alternative, keinen Plan B!" Nur wann er eintritt, das lässt sich eben nur schwer vorhersagen. Das kann in 100.000 Jahren sein, in 20 oder in einem.

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