Wikileaks-Gründer Julian Assange schaut durch ein Fenster in der Londoner Botschaft von Ecuador. | Bildquelle: AFP

WikiLeaks-Gründer Ecuador will Assange loswerden

Stand: 27.07.2018 14:16 Uhr

Ecuadors Präsident Moreno spricht offenbar mit der britischen Regierung über die Zukunft von WikiLeaks-Gründer Assange. Dieser lebt seit 2012 in der Londoner Botschaft des Landes - und muss sie wohl bald verlassen.

WikiLeaks-Gründer Julian Assange wird möglicherweise bald aus der ecuadorianischen Botschaft in London geworfen. Ecuadors Präsident Lenin Moreno bestätigte, dass er bereits Gespräche mit der britischen Regierung über die Zukunft von Assange führe. Bei einer Veranstaltung in Madrid sagte er auch, Assange müsse letztendlich die Botschaft verlassen. "Was wir aber nicht wollen, ist, dass sein Leben in Gefahr gerät", sagte Moreno.

Ein Sprecher der britischen Regierung bestätigte zwar, dass weiter über die Zukunft Assanges diskutiert werde - bei Morenos jüngstem Besuch in London sei dies aber kein Thema gewesen.

Spekulationen seit dem Wochenende

Moreno befindet sich derzeit auf einer Reise nach Großbritannien und Spanien. Bereits am Wochenende war über Assanges Lage spekuliert worden, nachdem der britische Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald über Pläne berichtete, Assange das Asyl zu entziehen. Moreno wolle auf seiner Reise auch eine Vereinbarung mit Großbritannien aushandeln und Assange der britischen Polizei übergeben.

Das ecuadorianische Außenministerium teilte daraufhin mit, dass es bei dem Besuch in London nicht um das Asyl von Assange gehen werde. "Der ecuadorianische Staat wird nur mit den Anwälten des Betroffenen und der britischen Regierung über das Asyl von Assange sprechen", so das Ministerium. Bei dem komplexen Thema rechne man nicht mit einer kurzfristigen Lösung.

Greenwald bezog sich bei seinem Bericht auf Kreise aus dem Umfeld des ecuadorianischen Außenministeriums und des Präsidialamtes. Der "Intercept"-Journalist war seinerzeit maßgeblich an der Aufarbeitung der Unterlagen des Informanten Edward Snowden beteiligt, der eine Internet-Überwachung gigantischen Ausmaßes durch den US-Geheimdienst NSA enthüllt hatte.

Vor wenigen Tagen schrieb auch die Chefredakteurin des russischen Auslandssenders "Russia Today", Margarita Simonjan, bei Twitter, Assange könne ihren Quellen zufolge in den kommenden Wochen oder sogar Tagen an Großbritannien übergeben werden.

Julian Assange vor der Flagge Ecuadors | Bildquelle: dpa
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Julian Assange lebt seit mehr als sechs Jahren in der Botschaft Ecuadors.

Britische Behörden wollen Assange festnehmen

Assange lebt seit gut sechs Jahren in der ecuadorianischen Botschaft. Er war dorthin geflüchtet, um einer Festnahme und Auslieferung nach Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Die schwedische Justiz stellte ihre Ermittlungen zwar im Mai vergangenen Jahres ein, die britischen Behörden erklärten aber, dass sie ihn beim Verlassen der Botschaft trotzdem festnehmen würden - weil er durch die Flucht in die Landesvertretung das Gesetz verletzt habe.

Der frühere linksgerichtete ecuadorianische Präsident Rafael Correa hatte Assange das Botschaftsasyl aus humanitären Gründen gewährt. Correas Nachfolger Moreno wollte aber den Zustand beenden und verschaffte Assange die Staatsbürgerschaft des südamerikanischen Landes. Der Versuch, Assange als ecuadorianischen Diplomaten zu akkreditieren, scheiterte am Widerstand der Briten.

Assange hatte stets erklärt, er befürchte am Ende eine Auslieferung in die USA, wenn er die Botschaft verlassen sollte. Washington macht ihn für die Veröffentlichung brisanter US-Dokumente aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak über die WikiLeaks-Plattform verantwortlich.

Wachsende Spannungen mit den Gastgebern

Assange hatte auch schon angekündigt, sein Exil aufzugeben und freiwillig in die USA zu gehen, falls Whistleblowerin Chelsea Manning freikomme. Sie gilt als eine Quelle für einige der bekanntesten frühen WikiLeaks-Enthüllungen. Als Manning nach der vorherigen Begnadigung durch US-Präsident Barack Obama im Mai vergangenen Jahres das Gefängnis verließ, feierte der WikiLeaks-Gründer dies zwar als Sieg, ließ seiner Ankündigung aber keine Taten folgen.

Zwischen Assange und den Behörden Ecuadors gab es bereits Spannungen. So verlor er den Zugang zum Internet, nachdem er die spanische Regierung im Streit mit der Provinz Katalonien kritisiert und damit gegen die Forderung seiner Gastgeber verstoßen hatte, sich mit politischen Botschaften zurückzuhalten. Trotzdem bürgerte ihn Ecuador im Januar ein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Juli 2018 um 04:00 Uhr.

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