Geschlossener Wildtiermarkt in Wuhan (Archivbild aus dem Januar 2020) | Bildquelle: AFP

Suche nach Corona-Ursprung WHO-Experten dürfen jetzt doch nach China

Stand: 11.01.2021 08:39 Uhr

Tagelang rangen WHO und Chinas Regierung darum, wann und unter welchen Bedingungen ein internationales Expertenteam einreisen darf. Jetzt gibt es eine Einigung. Unklar ist aber, ob die Forscher nach Wuhan dürfen.

Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen am Donnerstag in China eintreffen, um die Ursprünge der Coronavirus-Pandemie zu erforschen. Das gaben die Behörden in Peking bekannt. Die Gruppe werde mit chinesischen Kollegen zusammenkommen, hieß es in einer knappen Ankündigung der Nationalen Gesundheitskommission. Ob die WHO-Experten nach Wuhan reisen, wo das Virus Ende 2019 entdeckt wurde, geht aus der Erklärung nicht hervor. Allerdings hatte der Vizechef der Kommission am Samstag gesagt, die Gruppe werde auch nach Wuhan reisen.

Über den Besuch war lange verhandelt worden. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte sich vergangene Woche enttäuscht über die Verzögerung des seit langem geplanten Besuchs. Mitglieder des internationalen Teams hätten sich schon auf den Weg nach China gemacht, als das dortige Außenministerium erklärte, das Land sei für einen Besuch offen, arbeite aber noch an "nötigen Prozeduren und relevanten konkreten Plänen". Zudem sah Peking weiteren Diskussionsbedarf hinsichtlich der "genauen Gestaltung" der Untersuchungen.

Vereinte Nationen betonen führende Rolle der WHO

UN-Sprecher Stéphane Dujarric erklärte, Generalsekretär António Guterres unterstütze die Bemühungen der WHO, ein Forscherteam nach China zu bringen. Die WHO habe die Führung bei der Bekämpfung der Pandemie. Daher sei es sehr wichtig, dass sie auch eine führende Rolle bei der Suche nach den Ursachen, damit sich die Welt besser auf die nächste Pandemie vorbereiten könne.

Das Virus war Ende 2019 erstmals in der zentralchinesischen Stadt Wuhan aufgetreten, von wo aus es sich in der ganzen Welt ausbreitete. Wie der Erreger von Tieren - vermutlich Fledermäusen - auf den Menschen übersprang, ist bis heute unklar.

China international unter Druck

Für China ist die WHO-Mission heikel. Die Regierung sieht sich international mit Vorwürfen konfrontiert, China wolle eine Verantwortung für den Ausbruch der Pandemie vertuschen. Zunächst hatte sie eine unabhängige internationale Untersuchung der Ursprünge des Virus verweigert.

China sät zudem Zweifel daran, dass das Virus überhaupt aus dem Land stammt. Außenminister Wang Yi wiederholte kürzlich die Ansicht, dass "die Pandemie wahrscheinlich an mehreren Punkten auf der Welt begann". Zugleich präsentiert sich die chinesische Führung als Sieger im Kampf gegen das Virus.

China lässt WHO-Experten nun doch einreisen
Ruth Kirchner, ARD Peking
11.01.2021 10:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 11. Januar 2021 um 10:09 Uhr.

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