Helfer im Waldbrandgebiet in Sibirien | AP

Waldbrände in Russland Nur Regen würde helfen

Stand: 21.07.2021 09:01 Uhr

In der sibirischen Region Jakutien wüten mehr als 200 Waldbrände. Millionen Hektar stehen in Flammen. Viele Siedlungen und Städte in Russland haben mit dem Rauch und der Hitze zu kämpfen.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Dass es in den weitläufigen, zum Teil kaum zugänglichen Wäldern der Taiga in Sibirien und im Fernen Osten im Sommer brennt, ist keine Seltenheit. Doch mit jedem Jahr, so scheint es, wird es schlimmer. Extreme Hitze und Trockenheit haben vor allem in Jakutien verheerende Waldbrände ausgelöst. Dörfer und Städte sind von den Flammen bedroht. Dichter Qualm macht den Anwohnern zu schaffen. 

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Die Bilder aus dem Hubschrauber des Katastrophenschutzes lassen das Ausmaß der Waldbrände erahnen. So weit das Auge reicht, fressen sich die Flammen in einer weit geschwungenen Linie in den dichten Wald hinein, sie lassen dicke Rauchwolken hinter sich. 

Millionen Hektar in Flammen

Die Lage sei schlimmer als je zuvor, sagt der Waldexperte Nikolaj Schmatkow bei Radio Sputnik. Er setzt sich im Namen der internationalen Organisation FSC für nachhaltige Forstwirtschaft ein: "Millionen Hektar Wald brennen ab. Millionen Hektar Taiga. Gestern hat die Behörde AviaLesOchrana erklärt, dass allein in Jakutien seit Jahresbeginn 2,3 Millionen Hektar verbrannt sind. Aktuell brennt eine Fläche von 653.000 Hektar. Das sind gigantische Zahlen." Dazu müssen noch die Waldflächen dazugerechnet werden, die brennen, aber zu abgelegen sind, um gelöscht zu werden.

Es ist ein weiterer verheerender Waldbrandsommer in Sibirien und im Fernen Osten. Begünstigt von extremer Trockenheit und einer lang andauernden Hitzewelle. "Und ständig hoffen alle auf ein Wunder", sagt Schmatkow, "dass es regnen wird, dass es kalt wird. Dass die Brände von selbst ausgehen."

Ein fast aussichtsloser Kampf

Wo immer möglich sind Löschflugzeuge im Einsatz. Am Boden versuchen Tausende Feuerwehrleute und Freiwillige verzweifelt, die Flammen aufzuhalten. Sie graben Schneisen und versuchen, mit Spritzen Glutnester zu löschen - ein Kampf, der schier aussichtslos erscheint, auch, weil der Wind sich ständig dreht.

Helfer im Waldbrandgebiet in Sibirien | dpa

Die Feuerwehrleute und Helfer haben oft nur unzureichende Ausrüstung - und sind erschöpft. Bild: dpa

"Wir gehen in die eine Richtung und löschen. Und wenn wir zurückgehen, brennt der gelöschte Teil schon wieder", berichtet ein Feuerwehrmann in den lokalen sozialen Medien. Anders als sonst, sagt der Bürgermeister von Jakutzk, Jewgenij Grigorjew, im Fernsehsender Doschd, seien die Brände nicht irgendwo weit entfernt, "sondern direkt in der Nähe von Siedlungen. Das macht die Lage mit dem Rauch erheblich schwieriger."

Giftiger Rauch liegt über der Region

Beißender Qualm liegt über den Siedlungen in Jakutien. Die Sonne taucht den rauchgeschwängerten Himmel in ein gespenstisch wirkendes Orange. Die Konzentration gesundheitsgefährdender Stoffe in der Luft, warnen Umweltschützer, sei extrem hoch. Dem Qualm zu entkommen sei so gut wie unmöglich, sagen die Menschen vor Ort. ""Es ist schwer zu atmen. Der Brandgeruch ist überall", berichten zwei Frauen. "Auch zu Hause, selbst wenn man die Fenster nicht aufmacht." "Wenn man lange draußen ist, dann wird einem schwindlig", berichtet ein Mann. "Man bekommt sofort Kopfschmerzen. Zu Hause hilft nur der Luftbefeuchter."

Rauch über Jakutsk | AP

Die Großstadt Jakutsk ist von dichten Rauchschwaden eingehüllt. Bild: AP

Der Rauch macht auch den Einsatzkräften das Leben schwer. Dazu kommen die unfassbare Hitze an den Brandorten und die glühende Erde.  Statt des üblichen Lamentos brauche es, so der Waldexperte Schmatkow, endlich harte politische Entscheidungen: "Die Hälfte unseres Territoriums besteht aus Wald. Und jeder Mensch ist abhängig vom Wald, von seinen Umweltfunktionen, von seiner Klimafunktion."

Der Wald sei mehr als ein Rohstofflager. Statt nur über Klimawandel zu reden, brauche man ganz praktisch mehr Geld für eine vernünftige Forstwirtschaft und für einen ordentlichen Brandschutz.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juli 2021 um 05:44 Uhr.