Die Fahnen von Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten | AP

Jemen-Konflikt Raketenangriff auf Emirate bei Israel-Besuch

Stand: 31.01.2022 13:35 Uhr

Die jemenitischen Huthi-Rebellen haben die Vereinigten Arabischen Emirate erneut mit einer Rakete angegriffen. Die Attacke richtete sich auch gegen das israelische Staatsoberhaupt, das derzeit in den Emiraten zu Besuch ist.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Die jemenitischen Huthi-Aufständischen haben erneut aus dem Jemen heraus die Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen. Das Geschoss sei abgefangen und zerstört worden, heißt es aus den Emiraten. Die Überreste des Geschosses seien in unbewohntem Gebiet niedergegangen.

Björn Blaschke ARD-Studio Kairo

Pikant ist, dass die Huthis während des Besuchs des israelischen Staatsoberhauptes auf die Emirate schossen. Ein Sprecher der Huthis erklärte, dass es einen Zusammenhang gibt: Sie hätten auf die Emirate gefeuert, weil sie sich am Jemenkrieg beteiligten, und weil sie gleichzeitig auf Seiten Israels gegen die "Achse des Widerstandes" stünden.

"Achse des Widerstandes" sieht sich im Kampf gegen Israel

Mohamed Al Bukheiti ist Mitglied des Politbüros der Huthi-Bewegung. "Heute werden die Emirate nicht nur als Konfliktpartei im Jemen gesehen, sondern als Gegner des Widerstandes", sagt er.

Die "Achse des Widerstandes" oder einfach nur "der Widerstand", so nennen sich all die Kräfte, die sich im Kampf gegen Israel und seine Verbündeten sehen: Der Iran, Syrien, die libanesische Hizb’ullah und die jemenitischen Huthis gegen Israel, die USA und viele andere westliche Staaten.

Und aus Sicht dieses "Widerstandes" zählen die Emiratis zu Israels Verbündeten, seit sie im vergangenen Jahr ein Normalisierungsabkommen unterzeichneten, das auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen beinhaltete.

Damit sagten sich die Emiratis von der Politik los, die viele andere arabische Staaten bis heute betreiben, die offizielle Beziehungen zu Israel ablehnen, weil das Land im Dauerkonflikt mit den Palästinensern steht.

Aus Sicht der Huthis sind die Emiratis obendrein direkte Gegner. Denn: Die Emiratis führen zusammen mit Saudi-Arabien seit sieben Jahren einen Krieg für einen international anerkannten, aber fragwürdigen Präsidenten im Jemen und eben gegen die Huthis, die diesen Präsidenten für korrupt und unfähig halten.

Drei Huthi-Angriffe auf die Emirate in einer Woche

Und derzeit spitzen sich die Kämpfe im Jemen noch einmal zu. Im Zuge dessen griffen die Huthis die Emirate in der zurückliegenden Woche insgesamt dreimal mit Raketen oder Drohnen an.

Mohamed al-Bukheiti, Mitglied des Politbüros der Huthi-Bewegung, warnte im Nachrichtensender al-Jazeera die Emiratis:

Wenn die Emiratis ihr Vorhaben im Jemenkonflikt entschlossen fortsetzen, dann werden die Angriffe auf sie andauern und die wirtschaftlichen Folgen werden für die Emirate zerstörerisch sein. Nicht nur durch Angriffe auf die Emirate. Die Emirate selbst werden zur Kriegsarena zwischen der Achse des Widerstandes und der Achse [Israels und] der USA in der Region.
Yemeniten schauen zu einem Fernseher, in dem ein Huthi-Sprecher eine Ansprache hält. | EPA

Ein Huthi-Sprecher warnt auf al-Jazeera die Emirate. Bild: EPA

Die Emirate reagierten auf den Raketenangriff heute schnell: Das Verteidigungsministerium veröffentlichte Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Sie sollen die Zerstörung einer Raketenstartvorrichtung in der Provinz Al-Dschauf im Jemen etwa eine halbe Stunde nach der Attacke zeigten. Al-Dschauf liegt etwa 1350 Kilometer südwestlich von Abu Dhabi.

Israel verurteilt Raketenangriff

Der libanesische Politikwissenschaftler Joussef Diab tut Angriffe auf die Emirate als wirkungslos ab. Diab äußerte sich bei al-Jazeera: "Wer heute meint, die Angriffe der Huthis könnten ein Grund dafür werden, dass die Emirate ihr Verhalten im Jemen-Krieg ändern werden, der ist realitätsfern. Die Emirate haben keine Niederlage durch diese Angriffe erlitten. Die Emiratis sind jetzt vielmehr noch entschlossener, ihre Rolle weiterhin einzunehmen."

Israels Präsident Izchak Herzog, der gestern in die Emirate kam, verurteilte im Namen seines Landes den Angriff. Sein Büro teilte mit, es werde erwartet, dass Herzog seine Reise wie geplant fortsetzt.