Die Al-Wasl-Kuppel auf dem Ausstellungsgelände der Expo 2020 in Dubai. | AP

Vereinigte Arabische Emirate Das Übermorgenland wird 50

Stand: 02.12.2021 04:13 Uhr

Riesige Ölvorkommen und expansive Außenpolitik haben die Vereinigten Arabischen Emirate in 50 Jahren zur Regionalmacht werden lassen. Doch die Glitzerkulisse hat lange Schattenseiten - nach innen und nach außen.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Sprechende Roboter, spektakuläre Architektur, gigantische Licht-Installationen: Für die Expo 2020 in Dubai hatten sich die Vereinigten Arabischen Emirate einiges einfallen lassen. Schon die Größe des Geländes, die 600 Fußballfeldern entspricht, lässt viele Besucher staunen. Mit der ersten Weltausstellung im arabischen Raum, die noch bis Ende März 2022 dauern soll, wollen die Emirate neue Maßstäbe setzen.

Anne Allmeling ARD-Studio Kairo

Einige Male ist das dem kleinen Land am Persischen Golf schon zuvor gelungen: In Dubai steht das höchste Gebäude der Welt. Die staatliche Fluglinie Emirates gehört zu den größten weltweit. Als erster arabischer Staat haben die Emirate mit der Marssonde "Hope" sogar eine eigene Raumfahrtmission. Kein Projekt, keine Idee scheint dem superreichen Golf-Staat zu ambitioniert zu sein.

Eine Trommelgruppe auf dem Expo-Gelände in Dubai. | AFP

Eine Trommelgruppe auf dem Expo-Gelände in Dubai. Bild: AFP

Rivalität mit Katar

Dafür gibt es mehrere Gründe: zum einen die Auseinandersetzung mit Katar. Drei Jahre lang blockierten die Emirate zusammen mit Saudi-Arabien, Bahrain und Ägypten das Nachbar-Emirat mit einem Handelsverbot und geschlossenen Grenzen. Sie warfen den Kataris vor, zu enge Beziehungen mit dem Erzfeind Iran zu pflegen, mit dem sich Katar ein Gasfeld teilt. Seit Jahren wetteifern die Emirate mit dem Nachbar-Emirat um die Größe ihrer Flughäfen, den Umfang ihrer Rohstoffförderung und die Anzahl ihrer Sportereignisse.

"Katar hat einen Riesen-Coup gelandet mit der Fußball-Weltmeisterschaft, die kommendes Jahr dort stattfinden wird", sagt Guido Steinberg, Islamwissenschaftler von der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Die Emirate versuchen schon seit Jahren, nachzuziehen. Sie suchen nach jedem Ereignis, das es ihnen wert erscheint, die Aufmerksamkeit von Katar weg auf Dubai und Abu Dhabi zu lenken."

Mohammed bin Zayed | AP

Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi, führt für seinen Bruder die Geschäfte als Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. Bild: AP

Hinzu kommt die Schwäche der großen arabischen Staaten. Ägypten, Syrien und der Irak galten Jahrzehnte lang als einflussreiche Regionalmächte. Seit den Volksaufständen in der arabischen Welt im Jahr 2011 sind sie vor allem mit Problemen in ihren eigenen Ländern beschäftigt - eine günstige Gelegenheit für die Emirate also, um die Lücke zu füllen.

Darüber hinaus ist das Sicherheitsbedürfnis der Emirate in den vergangenen Jahren gestiegen. Seit dem Sturz des ägyptischen Langzeitherrschers Hosni Mubarak wissen die Monarchen am Golf, dass der Schutz durch die USA sehr schnell enden kann. Die Regierung in Washington hatte Ägyptens Präsidenten lange unterstützt - und dann fallen gelassen. Ein ähnliches Szenario wollen die Emirate vermeiden: Deshalb tut das kleine Land alles dafür, seinen Bekanntheitsgrad in der Welt zu steigern und sucht sich viele Verbündete.

Rückzug aus dem Jemen-Konflikt

Am liebsten kooperieren die Emirate mit anderen autoritären Herrschern in der Region. Verantwortlich für diese Politik ist vor allem Mohammed bin Zayed, Kronprinz des größten und reichsten Emirats Abu Dhabi und stellvertretender Oberbefehlshaber der emiratischen Streitkräfte. Er führt die Amtsgeschäfte für seinen erkrankten Bruder, den Emir von Abu Dhabi und Präsidenten der Emirate. Mohammed bin Zayed gilt auch als Mentor des jungen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Die Zusammenarbeit zeigte sich zum Beispiel am gemeinsamen Krieg gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Aufständischen im Jemen. Die Initiative dafür soll von Abu Dhabi ausgegangen sein. Mehrere Jahre versuchte die arabische Militärkoalition, die Huthis in die Knie zu zwingen. Die Bombardements haben das Leid der Menschen im krisengeschüttelten Jemen noch vergrößert.

Mitte 2019 zogen sich die Emirate dann weitgehend aus dem Jemen zurück - offenbar auch, weil ihnen bewusst wurde, dass sie diesen Krieg nicht gewinnen können. Allerdings unterstützen sie weiterhin die Separatisten im Süden des Landes. Denn die Emirate wollen die Seewege vom Golf von Aden ins Rote Meer zu kontrollieren.

Negative Presse ist unerwünscht

Kritik an dieser expansiven Außenpolitik oder überhaupt an der Führung der Emirate ist nicht erwünscht. "Mohammed bin Zayed hat den Autoritarismus im Land verschärft", sagt Guido Steinberg. "Die Freiräume für politische Opposition oder auch nur für abweichende politische Meinungsäußerungen sind in den letzten Jahren extrem geschrumpft."

Oppositionelle werden bekämpft, Journalisten streng überwacht oder zensiert. Auf der Liste der Pressefreiheit der Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" rangieren die Vereinigen Arabischen Emirate auf Platz 131 von 180 Ländern. "Nach den Ereignissen von 2011 ist die Berichterstattung für die Medien schwieriger geworden", sagt Mohammed Alhammadi, ehemaliger Chefredakteur der Tageszeitung "Al Ittihad". "Die Gesetze sind strenger geworden."

Gleichzeitig lockt die politische Führung Influencer aus aller Welt an. Sie sollen die schönen Seiten des Landes bewerben: das Meer, den Strand, die Partys. Wer sich als Ausländer darauf einlässt, kann Steuern sparen, muss sich aber an strenge Regeln halten: Negative Berichterstattung ist unerwünscht.

Auch auf der Expo sind die Vorschriften strikt. Der Einlass für Journalisten zieht sich in die Länge, Mikrofone werden doppelt und dreifach kontrolliert. Dass die Emirate auch ihre Schattenseiten haben, soll in der palmenbegrünten Prachtanlage lieber im Verborgenen bleiben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2021 um 13:52 Uhr.