Der US-Atomflugzeugträger "Ronald Reagan" bei der ersten gemeinsamen Marineübung Südkoreas und der Vereinigten Staaten | EPA

Abschreckung Nordkoreas Südkorea und USA beginnen Seemanöver

Stand: 26.09.2022 11:50 Uhr

Erstmals seit fünf Jahren führen Südkorea und die USA ein gemeinsames Seemanöver durch. Mehr als 20 Schiffe sowie diverse Flugzeuge sind im Einsatz. Am Tag zuvor hatte Nordkorea erneut einen Raketentest durchgeführt.

Die Seestreitkräfte der USA und von Südkorea haben ein gemeinsames Manöver begonnen. Die viertägige Übung vor der koreanischen Halbinsel solle "die Entschlossenheit beider Bündnispartner demonstrieren, auf nordkoreanische Provokationen zu antworten", teilte Südkoreas Marine mit. Auch soll es die Fähigkeit beider Marinen zur Durchführung gemeinsamer Einsätze verbessern.

Für ihr Manöver im Japanischen Meer (Ostmeer) mobilisieren die beiden Länder mehr als 20 Marineschiffe einschließlich Zerstörern sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber. Nach Angaben der südkoreanischen Marine sind unter anderem Übungen von Spezialkräften sowie zur U-Boot-Abwehr geplant. Auch der Flugzeugträger "USS Ronald Reagan" ist beteiligt. Er war samt Begleitschiffen am Freitag in Südkorea eingetroffen.

Nordkorea reagiert mit Raketentest

Washington ist Seouls wichtigster militärischer Verbündeter. Rund 28.500 US-Soldaten sind in Südkorea stationiert. Der im Mai vereidigte südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol möchte angesichts der anhaltenden Spannungen mit Pjöngjang die Zahl der gemeinsamen Manöver mit den USA erhöhen. Die nun begonnene Übung solle "Nordkorea von Drohungen mit Atomwaffen und Raketen abschrecken", hatte es aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium geheißen. 

Die letzte gemeinsame Militärübung dieses Ausmaßes gab es 2017 als Reaktion auf nordkoreanische Atom- und Raketentests. Seither wurde die Größe solcher Übungen zurückgefahren, um Verhandlungen mit Nordkorea zu unterstützen. Diese Gespräche sind jedoch mittlerweile zum Stillstand gekommen. Nordkorea hat in diesem Jahr eine Rekordzahl von Raketen getestet.

Der nordkoreanische Machthaber bei einem Treffen der Arbeiterpartei. | via REUTERS

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un bei einem Treffen der Arbeiterpartei. Der Ein-Parteien-Staat wirft den USA vor, durch ihre Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten. Bild: via REUTERS

Die Seeübung startet einen Tag nach einem erneuten Raketentest durch Nordkorea. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs handelte es sich um eine ballistische Kurzstreckenrakete. Die Rakete sei 600 Kilometer weit nach Osten ins offene Meer gefeuert worden. Experten zufolge hätte das Geschoss auch den südkoreanischen Hafen erreichen können, in dem die "Ronald Reagan" zuvor angelegt hatte.

Der Test wurde auch als Reaktion auf die erste Entsendung eines US-Flugzeugträgers nach Südkorea seit fast vier Jahren und das bereits vorher geplante Manöver gesehen. Nordkorea wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten - was von beiden Ländern bestritten wird.

Die Spannungen in der Region nehmen zu

Nordkorea ist wegen seines Atomwaffenprogramms internationalen Sanktionen unterworfen. UN-Resolutionen verbieten dem weithin abgeschotteten Land die Erprobung jeglicher Art von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf tragen können. Südkorea warf dem Nachbarland Provokation vor.

Die Spannungen in der Region haben nach einer Reihe von Tests mit atomwaffenfähigen Raketen durch Nordkorea in diesem Jahr zugenommen. Südkorea befürchtet, dass der Norden demnächst auch wieder eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete testen könnte. Am Samstag wurde der südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol nach Angaben seines Büros darüber informiert, dass es Anzeichen für entsprechende Vorbereitungen in Nordkorea gebe.

Die USA und Südkorea befürchten zudem seit längerem einen neuen Atomtest des Regimes in Pjöngjang. Der Atomstreit mit dem Land wird auch ein Schwerpunkt der geplanten Gespräche von US-Vizepräsidentin Kamala Harris in Seoul sein, die dort am Donnerstag erwartet wird.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. September 2022 um 10:30 Uhr.