US-Truppen im Irak | ALI HAIDER/EPA-EFE/REX

Militärpräsenz USA wollen Kampfeinsatz im Irak beenden

Stand: 27.07.2021 02:16 Uhr

US-Präsident Biden hat das Ende des Kampfeinsatzes im Irak bis zum Jahresende angekündigt. Die Anti-Terror-Zusammenarbeit mit der Regierung in Bagdad werde aber weitergehen. Künftig sollen US-Soldaten irakische Soldaten in dem Land ausbilden.

Die Vereinigten Staaten wollen ihren Kampfeinsatz im Irak offiziell beenden und sich künftig ganz auf die Ausbildung und Beratung der Sicherheitskräfte in dem Land konzentrieren. Die Rolle der USA sei es in Zukunft, auszubilden, zu assistieren, zu helfen - und - wenn nötig, mit dem sogenannten "Islamischen Staat" fertigzuwerden, sagte US-Präsident Joe Biden.

Er traf sich mit dem irakischen Regierungschef Mustafa al-Kadhimi. Die USA wollen dem Irak unter anderem bei der Ausrichtung der Wahl im Oktober und beim Kampf gegen das Coronavirus helfen, hieß es in der vom US-Außenministerium verbreiteten gemeinsamen Erklärung beider Regierungen.

Wohl keine größeren Truppenabzüge

Im Moment sind noch 2500 US-Soldaten im Irak stationiert. Wie viele abgezogen werden, darüber wurde zunächst nichts gesagt. Schon jetzt liegt der Schwerpunkt der USA auf der Ausbildung irakischer Truppen. Das offizielle Ende des Kampfeinsatzes werde, so heißt es, keine größere Veränderung bringen. Experten rechneten aber nicht mit einem größeren Truppenabzug.

Die USA und der Irak hatten im April beschlossen, dass der US-Kampfeinsatz enden würde.  "Amerika hat dem Irak geholfen", sagte Al-Kasimi. Beide Länder hätten gemeinsam den IS besiegt. Zuvor hatte er in einem Interview mit Nachrichtenagentur AP erklärt, dass der Irak im Kampf gegen den "Islamischen Staat" nicht mehr auf die Hilfe ausländischer Kampftruppen angewiesen sei.

Koalition unter Führung der USA

Die Ankündigung Bidens hat vor allem eine hohe symbolische Bedeutung. Der Präsident ist dabei, alle US-Truppen aus Afghanistan zurückzuholen und den längsten Kampfeinsatz der USA zu beenden. Der Irak hat die USA über einen ähnlich langen Zeitraum beschäftigt. Nach dem Irak-Krieg im Frühling 2003 war das Land durch eine Koalition unter Führung der USA besetzt worden. Präsident Barack Obama zog die Truppen im Jahr 2011 ab, musste sie aber wenige Jahre später zurückkehren lassen, um gegen den Terror des "Islamischen Staates" zu kämpfen.

Der Einsatz der US-Soldaten ist in dem Krisenland umstritten. Vor allem eng mit dem Iran verbundene irakische Parteien und Milizen fordern deren Abzug. Andere Kräfte wie sunnitische Parteien und Kurden wollen dagegen, dass die US-Truppen im Land bleiben. Unter Bidens Amtsvorgänger Donald Trump hatten die USA die Zahl der Truppen im Irak verringert.

IS ist weiterhin aktiv

Die politische Lage im Irak ist instabil. Seit Herbst 2019 kommt es immer wieder zu Massenprotesten gegen die Führung des Landes. Die Demonstranten werfen ihr Misswirtschaft und Korruption vor. Der Irak leidet immer noch unter den Folgen des Kampfes gegen den IS, der zwischen 2014 und 2017 große Gebiete im Norden und Westen des Landes beherrscht hatte.

Die irakischen Sicherheitskräfte konnten den IS mit internationaler Unterstützung - insbesondere der USA - militärisch besiegen. Die Sicherheitslage in Bagdad hat sich seitdem deutlich verbessert. Zellen der Terroristen sind aber weiterhin aktiv und verüben Anschläge. Vergangene Woche übernahm die Terrormiliz die Verantwortung für einen Bombenanschlag mit mindestens 30 Toten in einem Vorort von Bagdad.

Der vom Rohstoffverkauf abhängige Irak leidet wegen der niedrigen Ölpreise auch unter einer schweren Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit. Das Land gehört zudem zu den Ländern der Region, die von der Corona-Pandemie am stärksten betroffen sind.

Mit Informationen von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juli 2021 um 09:00 Uhr.